Thursday, June 21, 2012

Ian McKellen in Wanaka und Rundflug ueber Queenstown

Ich schulde Euch ja noch einen Bericht ueber Ian McKellen, auf seiner "With Shakespeare, Tolkien and you" Tour in Wanaka. Ian tingelt mit seiner Einmann Buehnenshow durchs Land, um Geld fuer den Wiederaufbau des Isaac Theatre Royal in Christchurch zu sammeln, welches im Erdbeben vom 22. Februar 2011 stark beschaedigt wurde. Erst im July 2010 war Ian dort das letzte Mal aufgetreten und hat durch zahlreiche andere Auftritte dort eine starke Bindung zu diesem Theater.
Den ersten Teil seiner knapp zweistuendigen Buehnenshow begann McKellen mit einer Szene aus Herr der Ringe, als Gandalf auf der Flucht aus Moria in die Tiefen stuerzt und angeblich stirbt. Wer Tolkien gelesen hat, weiss dass alle Szenen sehr lang und detailiert beschrieben sind und so gab es da einiges an Text zu lernen (genauso, wie es im Buch geschrieben steht). Danach stellte er uns Gandalfs Schwert vor und den Ring (ja genau, den einen Ring) hatte er auch dabei. Oder um genauer zu sein, einen der vielen Ringe, den er wurde in verschiedenen Groessen fuer den Film hergestellt, je nachdem, wer der Charaktere ihn gerade in den Haenden haelt (fuer Frodo einen grossen Ring, fuer Gandalf ein kleineren).
Daraufhin folgten die Fragen des Publikums, die McKellen mit viel Witz und zahlreichen Anekdoten seiner langen Karierre beantwortete und mit kleinen Stories durchmischte, die er unbedingt loswerden wollte. Zum Beispiel, wie er seiner Mutter mit 47 nervoes wie ein Schuljunge sein Schwulsein gestand, seine Anfaenge im Theater, Lampenfieber, wie er von der Queen zum Sir ernannt wurde und vieles mehr. Nach einer kurzen Pause gings dann weiter mit William Shakespeare. Das wird trocken werden dachte ich mir so und mir graute es ein wenig davor, aber diese Angst war unbegruendet. Ian McKellen ist ein begnadeter Shakespeare Liebhaber und hat wahrscheinlich fuer alle Shakespear Stuecke auf der Buehne gestanden. Um das Publikum herauszufordern sollten wir ihm helfen, alle 37 Shakespeare Stuecke auf seiner Liste abzuhacken. Zwischendrin gabs dann eine Kostprobe aus dem ein oder anderen Stueck und das Abhacken der Liste ging weiter. Auch wenn ich das Shakespeare Englisch das ein oder andere mal gar nicht verstanden habe, war es hochinteressant, einen solchen Profi auf der Buehne zu beobachten, wie er hochkonzentriert seine Rolle spielt und sich danach die Spannung in seinem Koerper zu loesen scheint und er sich in eine andere Person (sich selbst) zurueckverwandelt.
Ganz zum Schluss gab es noch die Moeglichkeit, mit ihm auf der Buehne zu stehen und viele junge Leute nahmen diese Chance gern fuer eine letzte Shakespeare Auffuehrung war. Ian war der erste, der den Saal verlies, um draussen alle Interessierten abzufangen und fuer Fotos und Autogramme bereitzustehen. Ich schnappte mir ein Autogramm und war superstolz!
Das war ein schoener Abend und wer weiss, vielleicht verschlaegt es mich ja doch irgendwann mal in ein Shakespeare Theaterstueck. Sag niemals nie!
Am darauffolgenden Tag gings dann wieder zurueck nach Milford, allerdings mit Umweg ueber Queenstown. Einige Monate zuvor hatte ich einen Gutschein fuer einen verguenstigten Helikopterflug erstanden und ich rief dort einfach mal an um nachzufragen, ob sie Platz fuer mich haetten. Das Glueck stand mir bei, denn erstens war das Wetter hervorragend und zweitens hatten sie noch Platz fuer mich und so machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. In die Luefte begaben wir uns in einem kleinen 4 Sitzer, der bei dem teilweise heftigen Wind stark mit dem Gleichgewicht zu kaempfen hatte. Der Pilot flog uns auf den Cecile Peak (1974m hoch), gegenueber von Queenstown auf der anderen Seite von Lake Wakatipu. Dort oben war es schweinekalt und der Wind blies uns eiskalt um die Ohren. Nach 15 Minuten Fotografieren spuerte ich meine Haende nicht mehr, aber das war alles egal, schliesslich war die Aussicht genial und man schafft es schliesslich nicht alle Tage so weit nach oben. Zurueck ging es dann ueber den Skippers Canyon zum Flughafen und dort stolperte ich uebergluecklich aus dem Helikopter (mit meinen kurzen Beinen war das rein-und rauskommen ein Problem, aber Frau weiss sich ja zu helfen). Japke holte mich ab und wir fuhren zurueck nach Milford. Der Arbeitsalltag hat uns wieder ;-)

Thursday, June 7, 2012

kleine Auszeit

Heute melde ich mich aus dem sonnigen aber sehr windigen Wanaka aus einer verlaengerten Arbeitspause. Die ueblichen 4 freien Tage habe ich einfach mal so auf 7 ausgeweitet und anfaenglich in Dunedin verbracht. Dort habe ich die Vorzuege einer neuseelaendischen "Grosstadt" genossen, Kino, Cafe, unzaehlige Einkaufsmoeglichkeiten, Friseur usw. Vielleicht nicht gerade vorteilhaft fuer die Geldboerse, aber manchmal muss man sich auch mal verwoehnen. 

Nach ein paar Tagen gings dann nach Wanaka, welches ich seit ueber einem Jahr nicht mehr besucht hatte. Viel veraendert hat sich natuerlich nicht und obwohl wir uns ja offiziell in der Wintersaison befinden, ist es trotzdem auf grund des fehlenden Schnees noch sehr ruhig hier. Der Ansturm von Ski-und Snowboardwuetigen ist bisher ausgeblieben und die lokalen Geschaefte warten sehnsuechtig auf den ersten grossen Schneefall der Saison.

Ohne Grund habe ich nicht extra Tage freigenommen und bin nach Wanaka genommen. Ian McKellen tritt hier am Samstag auf und ich habe Tickets fuer seine Show. Der ein oder andere wird sich vielleicht fragen, wer das denn ist, aber wenn ich Euch sage, dass er Gandalf in Herr der Ringe gespielt hat, wisst Ihr bestimmt ueber wen ich rede.

Das Wetter hier in Wanaka ist richtig super, denn die Sonne hat sich in den letzten Tagen ausgiebig gezeigt. Allzu aktiv bin ich allerdings nicht, denn ich brauchte einfach mal ne Auszeit von der Arbeit und wollte entspannen und nichts tun. Und das tat ich auch. Mal abgesehen von dem einen oder anderen Spaziergang (mit Kamera natuerlich) habe ich mir die Zeit mit lesen und Internet verbracht, fuer meinen Urlaub recherchiert und die Zeit zum Nachdenken genutzt.

Wie ja die meisten wissen, habe ich vor einigen Monaten meine Bewerbung fuer die Aufenthaltsgenehmigung abgeschickt und warte momentan auf einen Bescheid. Was tun bei einer Ablehnung? Nochmal versuchen oder vielleicht sogar zurueck nach Deutschland gehen? Und wenn nicht Deutschland, dann vielleicht irgendwo in Europa? Will ich wirklich unbedingt in Neuseeland leben oder war das ganze nur ein Traum, auf den ich mich aus verschiedenen Gruenden versteift habe? Momentan bin ich wirklich mehr als hin und hergerissen und moechte einfach nur einen grossen Schritt fuer meine Zukunft machen. Ist das jetzt Panik und einfach nur normal, dass man ab einem gewissen Alter eine gewisse Ordnung in seinem Leben moechte oder zumindest eine erkennbare Richtung, um zu wissen, wo es hingehen wird? Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht und so einfach laesst sich diese Frage wohl auch nicht klaeren. Jetzt heisst es erstmal abwarten und auf einen Bescheid von Immigration warten, danach sehen wir weiter.

liebe Gruesse

Eure Katja

P.S.: Ueber die Ian McKellen Show werde ich natuerlich noch nachtraeglich berichten.   

Wednesday, May 9, 2012

Ausflug in die Hauptstadt

Heute melde ich mich mal nicht aus Queenstown oder Te Anau, denn um mal ganz ehrlich mit Euch zu sein, langsam haengen mir die zwei Staedte ein bisschen zum Hals raus. Das liegt wohl daran, dass ich sie in den letzten Monaten einfach zu oft besucht habe und dies meist aus praktischen Gruenden, weil man in diesem Zeitalter eben nicht ohne Internet leben kann (ich zumindest nicht). Als ich vor einiger Zeit ziellos nach guenstigen Inlandsfluegen schaute, fand ich Fluege nach Wellington und buchte sie ohne gross nachzudenken, denn ich wollte einfach mal wieder raus und was erleben! Anfang Mai war es dann endlich so weit. Und falls jemand jetzt neidisch ist und denkt dass die Katja wieder nur in der Weltgeschichte rumbummelt, hier mal schnell eine Kurzfassung meiner Route: 1) Sonntag nach der Arbeit mit dem Bus 4.5 Stunden nach Queenstown, 2) Montag Flug Queenstown nach Christchurch und dann Christchurch nach Wellington (da wurde mir dann auch bewusst, warum der Flug so guenstig war….), 3) Mittwoch Flug Wellington nach Christchurch und von dort nach Queenstown und 4) Donnerstag ganz frueh mit dem Bus zurueck nach Milford Sound. 

Waehrend der Nacht von Sonntag auf Montag (in Deutschland also noch Sonntag) wurde dann auch endlich Nachwuchs Nr. 2 in unsere Familie geboren und in Neustadt erblickte John William das Licht der Welt. Glueckwunsch an die gluecklichen Eltern und ich freu mich schon auf viele Fotos und auf ein Treffen in ca. 1 Jahr! 

Fuer beide Fluege nach Wellington buchte ich mir Fensterplaetze und der Ausblick war den Umweg wirklich Wert; das Wetter war hervorragend und der Blick auf die neuseelaendischen Alpen atemberaubend. Verwundert stellte ich uebrigens fest, dass fuer den ersten Flug kein Gepaeck gecheckt wurde, fuer den zweiten Flug nach Wellington hingegen wurde dann dochmal das Gepaeck durchleuchtet. Hmm, interessant. Naja, in Wellington angekommen fuhr ich mit dem “Flyer“ in die Stadt (mit 8.50 NZD auch ein Schnaeppchen) und stellte erstaunt fest, wie huegelig Wellington doch ist. Das wusste ich natuerlich, schliesslich war ich ja schonmal dort, aber irgendwie hatte ich das vergessen. 

Und so wand sich der Bus von einem Huegel auf den anderen, entweder steile Strassen hinauf oder eben hinab. Haeuser werden in Wellington so gut wie ueberall gebaut, egal wie steil der Hang auch ist und da kann man nur hoffen, dass die Baufirma weiss was sie tut. Das Problem in Wellington ist, dass die Stadt, wie auch Christchurch, auf einer sogenannten faultline erbaut wurde, wo sich zwei Platten tief in der Erde treffen und ab und zu mal aneinander reiben und Erdbeben verursachen. Wellington ist schon seit vielen Jahren ueberfaellig fuer ein grosses Erdbeben (7 und noch groesser auf der Richterskala) und was dann passiert will sich lieber niemand vorstellen. Der Grossteil der Waterfront Wellingtons ist sogenanntes “reclaimed land“, war also mal Wasser und wurde trockengelegt und bebaut und niemand weiss so genau, was in diesem Bereich nach einem grossen Erdbeben passiert. Von all den Haeusern an all den Steilhaengen mal ganz abgesehen. Da kann man nur hoffen, dass Wellington ein aehnliches Drama wie Christchurch erspart bleibt. Noch so ein Disaster kann sich Neuseeland auch gar nicht leisten, schliesslich laeuft der Aufbau in Christchurch schon nicht so rund und geht recht schleppend voran. 

So gegen 5 Uhr nachmittags hatte ich in mein Hotel in der Cuba Street eingecheckt und in der Zwischenzeit rebellierte mein hungriger Magen. Cuba Street wimmelt nur so von Restaurants, Kneipen und alternativen Shops und wenn ich nicht eine spontane Entscheidung getroffen und in den naechsten Sushi Laden gegangen waere, haette ich wahrscheinlich die naechsten 2 Stunden noch entscheidungslos Cuba Street auf und ab laufen koennen.  Danach gings runter an die Waterfront zu Neuseelands Nationalmuseum Te Papa und dort wartete ich auf den Sonnenuntergang, denn schliesslich war ich mit meiner Fotoausruestung unterwegs, um Nachtaufnahmen zu schiessen. Nach der Waterfront suchte ich das Parliamentsgebaeude und war erstaunt darueber, wie gut mich meine Erinnerungen durch die Stadt leiteten (mein letzter Besuch in Wellington war schon einige Jahre her). Mein Orientierungssinn kann also nicht so schlecht sein. Allerdings ist Wellington auch nicht so gross, dass man sich dort verlaufen koennte (verfahren ist eine andere Sache) und so liest man in Wellington oft den Spruch “the coolest little capital in the world“ (die coolste kleine Hauptstadt der Welt). Am Tag zuvor hatte ich in Queenstown bereits ein tolles Bild des sehr nahen Vollmonds geknipst und der nicht mehr ganz so volle Mond war auch heute wieder sehr schoen zu sehen. Deshalb gings wieder runter zur Waterfront und nach einigen Bildern dort dann endlich nach Hause. Ganz so spaet war es noch gar nicht, schliesslich ist es ja 18:30 Uhr bereits stockdunkel und so hatte ich noch genuegend Zeit, mich um meine Bilder zu kuemmern. Mit dem Internet in meinem Hotel ist das so eine Sache, es ist zwar erhaeltlich, aber nur mit Modemkabel (welches zwar erhaeltlich ist, aber mein Laptop kann mit so altmodischen Sachen nichts mehr anfangen). 

Den Dienstag leitete ich mit einem fantastischen Fruehstueck in Form von Waffeln mit Bananen und Schinken ein und danach war ich gestaerkt fuer einen anstrengenden Tag als Tourist. Ich kaufte ein Ticket fuer John’s Hop on Hop off City Tour, eine 2 stuendige Fahrt durch Wellington mit 18 Stops und der Moeglichkeit, ueberall ein – und wieder auszusteigen. Allerdings ist dies nur eine kleine Firma mit 2 Bussen und so muss man bei jedem Stop 1 Stunde Wartezeit in Kauf nehmen. Deshalb stieg ich beim Mt. Victoria Lookout nicht aus (ausser dem 5 minuetigem eingeplanten Fotostop) und entschied mich, in Miramar den Weta Caves einen Besuch abzustatten. Dort kann man in einer kleinen Ausstellung zahlreiche Requisiten aus Weta’s zahlreichen Filmen bestaunen. Die meisten stammen natuerlich vom Herr der Ringe und Gollum sitzt gleich im Eingangsbereich und begruesst die Gaeste mit einem Fisch in der Hand. Gesellschaft leisten ihm Lurtz, der oberfiese Uruk-ai, der Hexenkoenig von Angmar (oder auch Fuerst der Nazgul), eine Robotergestalt aus District 9 und Tim und Struppi aus dem neuesten Weta Film. Zu sehen gibt’s ausserdem einen 20 minuetigen Film ueber die Entstehungsgeschichte von Weta und was sie seitdem erreicht haben. Da koennen sie schon stolz drauf sein, wie sie sich von den Wachsfiguren der Anfangsjahre zu dem entwickelt haben, was sie heute sind: fuehrend in Special Effects, der Herstellung von Props fuer zahlreiche Filme und eine kleine Waffenwerkstadt, wo hunderte (wenn nicht sogar tausende) von Schwertern, Ruestungen, mailshirts, Helme, Sperre usw hergestellt werden (fuer Filme wie Herr der Ringe, Narnia, Kingdom of Heaven). Der Film Avatar waere ohne Weta nicht moeglich gewesen und das wichtigste Projekt der naechsten Jahre laeuft dort gerade auf Hochtouren; Der Hobbit! Die Dreharbeiten sind groesstenteils beendet und der Film befindet sich in post production und kommt im Dezember diesen Jahres in die Kinos (der erste Teil). Ich spiele wirklich mit dem Gedanken, zur Weltpremiere wieder nach Wellington zu fliegen. 

Eine Stunde hatte ich fuer die Weta Caves bevor der hop on hop off shuttle Bus vorfuhr und ich mich wieder der Tour anschloss. Es ging nach mal wieder steil bergauf zur Cable Car Station(Seilbahn), bei der ich aber aufgrund anderer Plaene nicht ausstieg. Mein Ziel war Karori, Heimat des ehrgeizigen Zealandia Projekts. Zealandia ist ein Gebiet von 225 Hektar Busch und Regenwald, abgegrenzt durch einen knapp 9 Kilometer langen Zaun, um Raubtiere von den einheimischen Pflanzen und Tieren fernzuhalten. Zealandia ist ein Schutzgebiet inmitten von Wellington und das macht es so einzigartig. Man hat dort soviele einheimische Pflanzen wie moeglich angesiedelt um einheimische Tiere und hier vorallem Voegel in das Schutzgebiet zu locken. Andere Arten wurden dort ausgesetzt und man hofft auf ein gutes Gedeihen. Viele der dort ansaessigen Tiere sind in weiten Teilen Neuseelands bereits ausgestorben und wurden durch aufwendige Zuechtungsprogramme vor der kompletten Ausrottung bewahrt. Dazu zaehlen unter anderem der Takahe, der in der Naehe von Lake Te Anau wiederentdeckt wurde, zahlreiche Kiwis, die in Karori ausgesetzt wurden und dort nun ihre Territorien verteidigen und der Tuatara, eine fossile Echsenart.

Eigentlich wollte ich es zur Kaka Fuetterung um 14.30 Uhr schaffen (Kaka ist ein Artverwandter des Bergpapageien Kea) aber daraus wurde nichts. Auf dem Weg dorthin passierte ich einen Baum mit ca. 7 Kakas, die eine Menge Krach machten und ich stoppte natuerlich fuer Fotos. Ausserdem wurde ich Zeuge eines kleinen Familiendramas = ein Kaka Kueken hatte auf unerklaerliche Weise seine Schwanzfedern verloren und konnte deshalb nicht fliegen (fehlendes Gleichgewichtsgefuehl). Die Flugmanoever liesen es nur immer wieder in benachbarte Baeume krachen und es war natuerlich nicht sehr happy darueber und beschwerte sich lautstark. Die anderen Kakas wollten das Kueken nicht alleine lassen und das war wohl auch der Grund, warum sich soviele von ihnen in dem Baum versammelt hatten. Mitarbeiter von Zealandia versuchten natuerlich zu helfen und wollten wissen, von welchem Zuchtjahr und von welchen Eltern das Junge stammte und so versuchten wir aufgrund meiner Fotos die farblichen Baender an den Krallen zu identifizieren. Zealandia CSI! Da ich nicht den ganzen Tag Zeit hatte, machte ich mich weiter auf Entdeckungsreise und entdeckte suesse kleine Geckos (die gruenen), hoerte viele mir bekannte Voegel (z.B. der Tui, der in Te Anau noch sehr zahlreich vertreten ist) und war uebergluecklich, als ich endlich meinen ersten Tuatara in der freien Wildbahn entdeckte. Naja, fast freie Wildbahn, denn schliesslich ist ja alles eingezaeunt. Die Echse lag recht faul in der Gegend rum und lies sich durch das Klicken meiner Kamera zum Glueck nicht weiter beunruhigen. 

Nun ja, ich will Euch nicht weiter mit Vogelgeschichten langweilen. Nach knapp 2 Stunden hatte ich meine Tour beendet und da ich den letzten hop on hop off Bus verpasst hatte, nahm ich den kostenlosen Shuttle von Zealandia zur Seilbahn in Anspruch, knipste ein paar Bilder vom lookout und fuhr runter in die Stadt, wo ich mir erstmal ein verspaetetes Mittag goennte. Danach gings ins Hotel, wo ich mir waermere Klamotten anzog und dann gings schon wieder los, mit Stativ usw fuer die naechste Nachtbilder Aktion.  Mit der Seilbahn gings wieder hoch auf den Berg und irgendwie hatte ich Lust, die dort ansaessige Carter Sternwarte zu besuchen. Dienstags kann man dort auch durch das massive Teleskop den Himmel beobachten aber leider war gerade diese Nacht der Himmel bewoelkt. Haette ich die Sternwarte einen Tag frueher besucht, haette ich den Mond und zahlreiche Sterne sehen koennen. Tja, schlechtes Timing. Naja, ich schaute mir die 45 minuetige Show im Planetarium an und als ich die Sternwarte verlies hatte ich mal wieder dieses Gefuehl, wie unwichtig und unbedeutend wir Menschen eigentlich sind, entgegen unseres eigenen Empfindens und Handelns. Ein Zitat geht mir dabei nicht aus dem Kopf: „Auf der Welt gibt es unzaehlige Arten aber nur der Mensch besitzt die Faehigkeit, die Welt zu zerstoeren.“ 

Gegen 21 Uhr fing es an zu regnen und so machte ich mich auf den Weg zurueck ins Hotel, wo ich auch recht bald erschoepft ins Bett fiel. Mittwoch verlief recht unspektakulaer, denn ich machte mich schon wieder auf den Weg zurueck nach Queenstown (und dabei moechte ich auf den Anfang dieses schon wieder viel zu langen Berichts verweisen; Flug ueber Christchurch). Diesmal war das Wetter schlecht und man sah absolut gar nichts. Uebrigens, war ich bisher noch nie nach Wellington geflogen (oder von Wellington) und so kannte ich die Windprobleme nur vom Hoerensagen. Wellington wird auch windy city genannt, denn meistens weht einem alles um die Ohren was nicht niet und nagefest ist und das merkt man natuerlich auch beim Landeanflug. Der verlief naemlich alles andere als geschmeidig ruhig. Aber was solls, habs ja ueberlebt.
Nun sitz ich also wieder im kalten Queenstown und morgen geht’s zurueck nach Milford. Die Arbeit ruft!

Saturday, April 7, 2012

Frohe Ostern

Ich wuensche Euch allen ein schoenes Osterfest und erholsame freie Tage fern von der Arbeit inmitten Eurer Familien. Aus irgendeinem Grund habe ich dieses Jahr das starke Beduerfnis, wie zu meiner Kindheit Eier auszublasen und anzumalen (naja mein Papa musste sie immer ausblasen, wenn mein Bruder und ich das gemacht haetten, waere das ne riesige Schweinerei geworden). Da ich allerdings keine der Materialien hier habe, begnuege ich mich auch dieses Ostern wieder mit dem Verstecken von Schokoeiern auf unseren Booten. Die Crew am Morgen beim Suchen/Finden der Eier zu beobachten hat einen gewissen Unterhaltunswert.
In diesem Sinne, lasst es Euch gutgehen,

Eure Katja

Saturday, March 31, 2012

overnight cruise in Doubtful Sound (28.03.2012)

Den gesamten Sommer ueber hatte ich diese Cruise bereits im Auge, konnte aber niemanden finden, der das mit mir in den Angriff nehmen wollte. In den letzten Wochen hatte ich meinen Arbeitskollegen Sandra (Mexiko), Tess (Neuseeland) und Pedro (Brasilien) Doubtful schmackhaft gemacht und da wir einige gemeinsame freie Tage haben, war das ganze beschlossene Sache. Ueber Real Journeys bekamen wir einen guten Deal, was ich immer wieder als sehr grosszuegig empfinde, schliesslich arbeiten wir ja fuer die Konkurrenz. Da ich wieder einiges am Laptop zu tun hatte und halbwegs schnelles Internet benoetigte, machte ich mich bereits am Montag auf den Weg nach Te Anau, wo ich mich mit den anderen am Mittwoch traf. Das Abenteuer Doubtful Sound begann dann auch schon mal ganz abenteuerlich, als das Auto nicht anspringen wollte, weil Pedro das Licht hat brennen lassen und die Autobatterie leer war. Und das 11.45 Uhr und 20 Minuten Autofahrt von Manapouri entfernt, wo wir spaetestens 12.10 Uhr einchecken sollten. Wir fragten einige Leute auf dem Supermarkt Parkplatz nach Starterkabeln, aber sowas fuehrt ja heutzutage kaum noch jemand mit sich rum, weil auch keiner mehr weiss, wie sowas funktioniert. Wir liefen zur naechsten Tankstelle und mussten 30 Dollar fuer eine mobile Starteranlage bezahlen (kleine Batterie in Form eines Koffers). Innerhalb von 5 Minuten war das Auto gestartet und wir endlich auf dem Weg nach Manapouri - inzwischen war es 12 Uhr. Wir koennen ganz offiziell bestaetigen, dass man die Strecke auch in 11 Minuten zuruecklegen kann und somit hatten wir genuegend Zeit, um fuer die Cruise zu bezahlen, unsere boarding passes abzuholen und noch 5 Minuten in der Sonne tief einzuatmen und uns auf die bevorstehende Cruise zu freuen.

Doubtful Sound ist nicht so einfach wie der kleinere Bruder Milford Sound zu erreichen. Es gibt zwar eine Strasse nach Deep Cove (der Hafen dort), aber um diese Strasse zu erreichen, muss man eine knapp einstuendige Bootsfahrt ueber den Lake Manapouri ueber sich ergehen lassen. In West Arm angekommen (eine Verzweigung von Lake Manapouri), verlaesst man am Manapouri Stromkraftwerk (ueber den Bau dieses Kraftwerks lief in Deutschland sogar mal eine Doku, die gern ab und zu mal wiederholt wird) das Boot und klettert in einen Bus, der sich die 22km lange Strasse ueber den Wilmot Pass nach Doubtful entlang kaempft. Einem Kampf gleicht die Fahrt die meiste Zeit, denn entweder klettert man enorme Steigungen hinauf und moechte den Bus dabei am liebsten anschieben oder rollt enorme Neigungen herab - immer mit dem schlimmsten rechnend, weil die Busse auch nicht mehr die Neusten sind! Vor mir sass eine deutsche Familie mit zwei kleinen Kindern und der kleine Junge (er wird wohl 3 oder 4 gewesen sein), rief begeistert "Wasserfall" wenn immer er einen erblickte. Selbst Sandra, die kein Deutsch spricht weiss nun, was waterfall auf Deutsch heisst.

In Deep Cove angekommen, betraten wir die "Navigator", unser Zuhause fuer diese Nacht. Bei der Zuteilung der Raeume gab es eine kleine Panne, denn eigentlich waren wir fuer eines der Vierbettzimmer eingebucht. Dummerweise hatten sie keins mehr fuer uns und steckten uns in zwei Zweibettzimmer - diese mit eigenem Bad und Dusche. Da hatten wir selbstverstaendlich nichts dagegen und so teilte ich mir ein Zimmer mit Sandra (Pedro und Tess sind ein Paar und waren wahrscheinlich ganz froh, ein Zimmer fuer sich zu haben). Nach Ablegen des Bootes gabs erstmal Tee/Kaffee und frischgebackene Muffins. Das Wetter war fantastisch und so dauerte es nicht lange, bis sich alle auf den Aussendecks befanden. Da auch kaum Wind wehte, war es draussen herrlich angenehm und alle waren happy.

Hier mal ein paar Fakten zu Doubtful Sound. Doubtful ist der zweitgroesste Fjord in Fiordland und dreimal laenger als Milford Sound (Milford ist mit 14km der kleinste Fiord). Waehrend Milford keine Abzweigungen hat, gibt es in Doubtful drei "Arme" (Hall Arm, Crooked Arm und First Arm) auf der suedlichen Seite des Fiordes. Auf der Nordseite oeffnet sich Doubtful in the Thompson und Bradshaw Fjorde und hat somit noch einen alternativen Zugang zum Tasmanischen Meer (ueber Thompson).

Wir bogen in Crooked Arm ab, wo wir ueber Delfine 'stolperten'. Im Gegensatz zu Milford gibt es in Doubtful eine ansaessige Gruppe von ca. 60 Delfinen (Bottlenose Dolphins), die aber kein grosses Interesse an uns zeigte. Fuer mich sah es so aus, als wuerden sie schlafen. Wenn Delfine schlafen, schalten sie eine Haelfte ihres Gehirns ab und nutzen die andere Haelfte zur Navigation, da sie nicht ruhig im Wasser dahertreiben, sondern recht gemuetlich auf- und abtauchen. Diese regelmaessige Bewegung deutet fast immer auf den Schlafzustand hin. Wir liesen sie also in Ruhe und fuhren etwas tiefer in den abzweigenden Wasserweg ein. Um die Passagiere bei guter Laune zu halten, werden bei den overnight cruises immer Wasseraktivitaeten angeboten. Dabei hat man die Wahl zwischen gemuetlichem Umherfahren im Beiboot, bei dem man selbst nicht viel machen muss, oder etwas aktiverem paddeln im kayak. Wir vier entschieden uns fuers kayaken. Da die Wetter- und Wasserbedingungen hervorragend waren, war das paddeln das reinste Vergnuegen, wenn man mal von den leicht ueberbeanspruchten Armen absieht, die das ganze nicht gewohnt sind. Nach knapp 45 Minuten gings zurueck ins Boot und alle diejenigen, die bei der Hitze den Drang zur Abkuehlung verspuehrten, durften dann noch unter Aufsicht baden gehen. Dabei sollte man bedenken, dass das Wasser im Fjord im Durschnitt nur 11 Grad warm ist (oder kalt, je nach Betrachtsweise). So gegen 17 Uhr gabs "Soup Service" mit zwei leckeren Suppen zur Auswahl, um die Zeit zum Dinner zu ueberbruecken (ich muss dazu sagen, dass man auf diesem Boot nun wirklich nicht verhungert!).

Von Crooked Arm gings zurueck in den Hauptwasserweg und in Richtung Eingang, vorbei an den Abzweigungen fuer Bradshaw und Thompson Sound. Ich bin mir im Klaren darueber, dass der ein oder andere jetzt verwirrt ist, schliesslich habe ich sie vorher als Fjorde bezeichnet und Fjorde sind sie auch. Leider wurden alle 14 Fjorde bei ihrer Entdeckung (und auch spaeter bei Umbenennungen) falsch bezeichnet, weil man frueher den Unterschied zwischen Sunden und Fjorden einfach noch nicht kannte. Milford sollte zum Beispiel Milford Fjord heissen und Doubtful eben Doubtful Fjord, aber man hat die urspruenglichen Bezeichungen beibehalten. Clevere Leute versuchten den Fehler gutzumachen indem sie die ganze Region Fiordland nannten und machten dabei gleich den naechsten Fehler mit der Rechtschreibung - Fjord ist ein norwegisches Wort und wird mit j und nicht mit i geschrieben. Wie auch immer, es ging in Richtung Eingang und in Richtung Tasmanisches Meer. Am Eingang zum Meer befindet sich eine Kolonie von Seeroben (New Zealand Fur Seals) und dort gab es Nachwuchs! Naja, was besonderes ist das eigentlich nicht, denn weibliche Robben sind 300 Tage im Jahr schwanger und sind somit haeufiger mit Nachwuchs als ohne. Fuer uns Milforder war das recht aufregend, weil wir bei uns keine Kolonie haben, sondern nur ausgestossene maennliche Teenager-Seeroben, die eine Gefahr/Konkurrenz fuer den Anfuehrer darstellen und daher von ihren Muettern aus Sicherheitsgruenden 'weggeschickt' werden. Wenn sie alt genug sind, machen sich sich auf den Weg zurueck zur Kolonie und suchen sich bis zu 16 Freundinnen. In Doubtful wie gesagt gibt es Maennlein und Weiblein und daher auch Robben Babies und die sind zum Knuddeln suess. Vorallem wenn sie in einem kleinen Pool schwimmen, springen und sich vergnuegen! Als sie uns entdeckten, kamen einige aus dem Pool geklettert und reihten sich wie eine Perlenkette vor dem Pool auf um zu sehen, was denn 'da draussen' vor sich geht. Bei diesem Anblick war wirklich jeder Passagier begeistert, selbst die hartgesottenen Maenner! Fototechnisch war das ganze eine Herausforderung, denn da wir uns am Eingang zum Meer befanden, war der Wellengang dementsprechend heftig und wenn man sich mit einer Hand am Gelaender festklammern muss, ist das mit dem Stillhalten der Kamera so eine Sache.

Irgendwann gings dann wieder zurueck in den Fjord ueber die Patea Passage (rauswaerts durch den Te Awaatu Channel). Durch die Patea Passage kamen damals auch die ersten Entdecker in den Fjord. Die Entdeckung an sich ist genauso interessant wie die Milfords. Obwohl Seefahrer James Cook den groessten Teil Neuseelands entdeckte und bereits in den 1770er Jahren eine bemerkenswert detailierte Karte des Landes erstellte, verpasste er Doubtful wie auch Milford Sound. Der Eingang zu Milford ist vom Meer aus nicht zu erkennen und James Cook hielt das ganze fuer eine kleine Bucht, in der es sich zu stoppen nicht lohnen wuerde und so segelte er in beiden Entdeckungsfahrten vorbei. Doubtful nannte er 'Doubtfull Harbour" was soviel bedeutet wie zweifelhafter Hafen, da er sich nicht sicher war, ob der Wind ausreichen wuerde, um seine "Endeavour" durch die teilweise engen Passagen zu segeln. Und so segelte er auch hier weiter und konnte Doubtful nicht zu seiner beeindruckenden Liste von Entdeckungen hinzufuegen. Einige Jahre spaeter waren die Spanier unter dem Kommando von Alessandro Malaspina in der Gegend unterwegs und - genauso zweifelnd ueber die Windbedingungen- schickten sie ein Beiboot in den Fjord.

In der Ferne sahen wir kurz ein Dutzend blue penguins (Zwergpinguine) im Wasser umherschwimmen, aber fuer die meisten Leute waren sie viel zu klein, um sie ueberhaupt wahrzunehmen. Es ging zurueck in den Crooked Arm, wo es gegen 19.30 Uhr Abendbrot gab. Eines muss man Real Journeys lassen, ein leckeres Buffet anrichten koennen sie besonders gut. Problem dabei ist die Vielfalt und selbst wenn man von allem nur ein bisschen probiert, ist man nach einer Runde schon pralle voll. Ich verzichtete schlauerweise auf Nachschub, weil ich wusste, dass es die Desserts in sich haben. Auch da wieder grosse Vielfalt (verschiedene Kuchen, Kaese und Cracker) und jeder Kuchen leckerer als der andere. Da Sandra und ich alles probieren wollten, waren wir clever genug, alle Kuchen zu teilen. Da war das schlechte Gewissen etwas beruhigt. Selbst fuer Wein war kein Platz mehr und das soll schon was heissen! Anschliessend praesentierte der nature guide (die schlaue Person, die angeblich alles ueber Fauna, Flora und Fiordland weiss) eine diashow mit Bildern und interessanten Fakten und danach gingen die meisten schon ins Bett. Uns vieren war das viel zu frueh und es zog uns an die frische Luft (vielleicht wuerde das bei der Verdauung helfen...). Draussen war es natuerlich schon stockdunkel, aber der Sternenhimmel zeigte sich mit Milchstrasse und Venus in voller Pracht und so zogen wir mit all unseren Klamotten am Leib und eingewickelt in Decken auf das Aussendeck und betrachteten den Sternenhimmel. Bei der ersten Sternschnuppe waren wir noch aus dem Haeuschen, aber nach Nummer 6 hatten wir all unsere Wuensche mitgeteilt und genossen einfach nur noch den Anblick. Ich war mehr als sauer auf mich, da ich vor dem Trip lange ueberlegt hatte, mein Stativ mitzunehmen und mich dagegen entschieden hatte - ein Fehler, denn die Bilder vom Sternenhimmel waeren fantastisch geworden!

Gegen 24 Uhr waren wir durchgefroren und gingen ins Bett. Auf dem Boot und im Fjord war es so ruhig, dass man morgens ewig haette schlafen koennen, wenn sie nicht gegen 6 Uhr den Generator angestellt haetten (fuer die Duschen, die Kueche usw). Fruehstueck gabs zwischen 7 und 8 Uhr und wir wurden bereits am Vortag davor gewarnt, zu spaet zum Fruehstueck zu erscheinen, denn Punkt 8 Uhr wuerde alles weggeraeumt werden. Wir Maedels hatten damit kein Problem, aber Pedro ist ein absoluter Morgenmuffel und musste von Tess aus dem Bett gekoedert werden. Am Tisch schlief er dann fast wieder ein. Auch am Morgen muss nicht gehungert werden, denn die Auswahl an Continentalem und warmen Fruehstueck ist gross. Mich hielt es nicht lange am Tisch, denn draussen ging langsam die Sonne auf und obwohl es noch schweinekalt war, war ich die meiste Zeit draussen. Auf dem Morgenprogramm stand "Hall Arm' , eine der Verzweigungen im Fjord und mein Lieblings"arm", da er durch seine Enge und hohen Felswaende stark an Milford erinnert. An vielen Stellen spiegelten sich die Berge im Wasser und die aufgehende Sonne tauchte die Bergspitzen in warme Farbtoene. Am Ende von Hall Arm angekommen, schaltete der Skipper die Motoren und Generatoren aus und ausser Vogelgezwitscher, Wasserrauschen und dem Plaetschern des Wassers war absolut nichts zu hoeren (naja, vielleicht der Ausloeser meiner Kamera...). Diese paradisische Stille konnte nicht fuer immer anhalten und so wurden die Motoren nach 5 Minuten wieder angeschaltet und es ging zurueck zum Hafen, wo wir gegen 10 Uhr anlegten.

Es ging zurueck in den Bus und dieser aechzte die Steigung hinauf zum Wilmot Pass und dann hinunter zum West Arm, wo bereits das Boot auf uns wartete. Obwohl es noch frueh am Morgen war, schienen alle Passagiere etwas muede zu sein, was wohl an den vielen Eindruecken und am uebermaessigem Lebensmittelkonsum lag. Zurueck in Manapouri verliesen wir uebergluecklich das Boot, fuhren diesmal ganz gemuetlich zurueck nach Te Anau, wo wir unsere Einkaeufe erledigten und Mittag assen und dann gings auch schon wieder zurueck nach Milford.

Ich persoenlich sehe Milford Sound immer mit anderen Augen, wenn ich Doubtful Sound besucht habe. Eine beliebte Frage von Touristen ist, welcher Fjord nun 'besser' oder 'schoener' sei. So einfach kann man diese Frage nicht beantworten und dies wird den beiden auch nicht gerecht. Sie sind beide schoen, spektakulaer, atemberaubend und einzigartig; jeder auf seine eigene Art. Milford ist der kleinste Fjord und somit sehr kompakt, er ist enger (die weiteste Stelle nur 2km breit) und daher wirken die steilen Felswaende noch spektakulaerer. Und natuerlich haben wir hier hier Mitre Peak, neben Mt. Cook und Mt. Taranaki der beruehmteste und meistfotografierte Berg in Neuseeland. Doubtful hingegen besticht durch andere Werte: die meiste Zeit befindet man sich auf dem einzigen Boot oder sieht die anderen Boote nicht, da der Fjord so gross ist. Dazu kommen die vielen Verzweigungen in die verschiedenen Arme, die Doubtful noch spannender machen. Doubtful hat ansaessige Delfine und eine Robbenkolonie, was aber eine Sichtung von Delfinen keineswegs zur sicheren Sache macht, da sie sich auch gerade an einer anderen Stelle im Fjord befinden koennen. Hauptvorteil an Milford ist die einfache Erreichbarkeit ueber die Milford Road, die es Selbstfahrern erlaubt, im eigenen Tempo und nach eigenem Belieben zu ihrer Bootsfahrt zu gelangen. In Doubtful ist man immer auf Real Journeys angewiesen, da man sein Auto nicht mal so einfach ueber Lake Manapouri und dann runter zu Deep Cove fahren kann. Durch die lange Anreise artet Doubtful auch immer in einen kompletten Tagesausflug aus, waehrenddessen man Milford auch noch mit anderen Attraktionen/Aktionen in der Naehe verbinden kann. Und natuerlich ist der ganze Trip auch sehr viel teurer, da man eben fuer das Boot und den Bus extra zahlen muss. Wenn ich einen Tip abgeben muesste, wuerde ich es immer von der verfuegbaren Zeit abhaengig machen. Wenn man genuegend Zeit hat, dann beide Fjorde machen, ansonsten nur Milford und beim Thema overnight ganz klar Doubtful Sound, da man an beiden Tagen sehr viel mehr zu sehen bekommt als in Milford (wo das Boot im Prinzip zweimal die gleiche Cruise macht).

Euer treuer Milford Anhaenger Katja

P.S. Noch ein Wort zur eingefuegten Karte, der eine ungekennzeichnete Arm auf der linken Seite ist Hall Arm, in der Naehe von Deep Cove.

Wednesday, March 14, 2012

Cruise auf dem Lake Te Anau zu den Hidden Lakes

Und schon wieder habe ich 10 Tage durchgearbeitet und befinde mich in meinen freien Tagen. Diesmal wollte ich unbedingt eine Bootstour auf Lake Te Anau machen mit einem Abstecher zu den Hidden Lakes (versteckte Seen). Von diesen hatte ich noch nie gehoert und war daher sehr neugierig. Dienstag Morgen ging es mal wieder mit dem Bus der Konkurrenz nach Te Anau (das ist der erste Bus, der Milford verlaesst, unsere eigenen Busse fahren erst am Nachmittag) und als ich den Bus bestieg sassen nur zwei andere Passagiere im Bus. Der Fahrer versuchte die Damen von einem Flug nach Queenstown zu ueberreden, weil das Wetter bombastisch war und sich diese Gelegenheit in Milford nicht so oft bietet. Ich unterstuetzte ihn tatkraeftig mit meinen Ueberedungskuensten und die Damen willigten ein. Somit war nur ich im Bus uebrig geblieben und wir konnten ohne die ueblichen Fotostops durchfahren und sparten ungefaehr eine Stunde Fahrtzeit! Es wird definitiv ruhiger in Milford und die Sommersaison naehert sich dem Ende.

Meine Bootstour hatte ich fuer Mittwoch 10 Uhr gebucht und es stellte sich heraus, dass ich auch hier die einzige sein sollte. Klasse, das Boot nur fuer mich allein, wer kann das schon von sich behaupten! Waehrend der Fahrt unterhielt ich mich mit dem Kapitaen Peter und wir quatschten ueber Te Anau, Milford und die Tourismusbranche. Leider kriegt Te Anau nicht sehr viel von dem grossen Kuchen ab. Viele Leute uebernachten in Te Anau, weil sie entweder eine der zahlreichen Mehrtageswanderungen anstreben oder auf dem Weg nach oder von Milford eine Uebernachtung einlegen wollen oder muessen. Viele kommen also am spaeten Nachmittag an und fahren am naechsten Morgen wieder ab. Sie gehen vielleicht einkaufen oder einige auch mal auswaerts essen aber dabei unternehmen sie nicht sehr viel in Te Anau. Die lokalen Anbieter gehen also leer aus. Naja, ich nahm ein paar Broschueren mit und werde mal ein bisschen Werbung fuer ihn in Milford machen, wir Einheimischen muessen ja schliesslich zusammenhalten.

Lake Te Anau ist riesig (der zweitgroesste See Neuseelands) und er verzweigt sich in drei Fjorde, die nach ihrer Lage bezeichnet wurden (South Fjord, Middle Fjord und North Fjord). Erstaunlich, dass man hier bei der Namensgebung mal keinen Fehler gemacht hat, denn sogut wie alles im Fiordland wurde falsch benannt. Alles was als Sound, Bay oder Inlet bezeichnet wurde ist im Grunde genommen ein Fjord, so eben auch Milford, was eigentlich Milford Fjord heissen muesste. Unser Trip fuehrte uns in den South Fjord und da ein starker Wind herrschte, huppelten wir ueber die teilweise recht hohen Wellen hinweg. Ich bins gewohnt, aber anderen waere dabei sicherlich gruene Farbe ins Gesicht gestiegen. Irgendwann verliesen wir dann das Boot (ueber einen gut ausgebauten Steg) und begaben uns auf einen kleinen Naturkundeweg, auf welchem er mein Wissen zu testen versuchte. Naja, ich hab klaeglich versagt, aber das wusste ich schon vorher. Mein Problem ist immer, dass ich viele Dinge hoere/lese, aber ich behalte sie einfach nicht. Bei den Hidden Lakes handelt es sich wohl um eine Gruppe von 17 Seen von unterschiedlicher Groesse und Erreichbarkeit und wir liefen nur bis zum ersten. Dieser ist angeblich der Groesste der Seen. Viel sieht man nicht vom See aber die kurze Wanderung dorthin fuehrt durch typischen neuseelaendischen Regenwald mit schier unendlich vielen unterschiedlichen Gruentoenen. Peter lies mich dann noch ein bisschen allein zum Fotografieren und lief schon mal zurueck zum Boot um Wasser fuer Tee/Kaffee aufzusetzen. Als ich zurueckkam, war der Tee fertig und er holte grade Muffins aus dem Ofen. Auf dem Rueckweg war der Wellengang noch mal ein bisschen hoeher als zuvor, aber das machte mir immer noch nichts aus und so setzte mich Peter nach knapp 3 Stunden am Bootsteg ab und meinte, dass er sich jetzt seinem Oelwechsel widmen wird. Tja, wenn die Pflicht ruft!

Donnerstag gehts dann wieder zurueck nach Milford und am Freitag beginnen meine naechsten 10 Tage Arbeit. Mal sehen, was es von meinen naechsten freien Tagen zu berichten gibt.


Thursday, March 1, 2012

Ben Lomond Wanderung, Queenstown (28.02.2012)

Diese Sommersaison war ich irgendwie recht faul und habe bisher noch keine groesseren Trips oder Abenteuer unternommen. Warum das so ist, kann ich gar nicht so genau sagen und die Ausrede, dass ich ja meistens irgendwas fuer meine Bewerbung fuer die Aufenthaltsgenehmigung organisieren muss, ist leider auch nicht wasserfest. Naja, wie auch immer, fuer diese freien Tage hatte ich mir aufgrund der guten Wettervorhersage eine groessere Wanderung vorgenommen, und zwar auf den 1747m hohen Ben Lomond in Queenstown. Wer schon mal in Queenstown war, das ist der Berg, den man von der Gondola aus erreicht und sich leicht links des ganzen Gondola Komplexes erhebt. Einige meiner Arbeitskollegen sind den Berg schon bestiegen und ich erhielt verschiedene Auskuenfte. Die schwankten von "ganz leicht und fast schon ein Spaziergang" bis hin zu "man kriecht da fast auf allen Vieren hoch". Naja, die Wahrheit liegt ja bekanntlich meistens in der Mitte, aber dazu spaeter mehr.

Fuer ganz Verrueckte oder Fitnessfanatiker besteht die Moeglichkeit, den Walk bereits am Fusse der Gondola zu beginnen, aber zu dieser Gruppe zaehle ich mich nicht. Wenn man sieht, wie sich die Gondola fast senkrecht nach oben quaelt will ich wirklich nicht wissen, wie es sich mit dem Wanderweg verhaelt. Ich nahm also guten Gewissens die Gondola nach oben und gegen 10 Uhr begann ich die Wanderung bei schoenstem Wetter. Laut Beschreibung im Internet sollte der erste Abschnitt bis auf den Ben Lomond Sattel so ungefaehr 1.5-2 Stunden dauern und streckenweise sehr steil sein. Tja und leider hatten sie recht. Zum Glueck ist die Aussicht so genial, dass man genuegend Ausreden zum Stehenbleiben und Fotografieren hat und das kann man ganz gut mit lebensnotwendigen Atempausen verbinden. Trotz der zahlreichen Pausen gings ganz gut voran und ich war sehr erstaunt (und auch insgeheim froh), dass ich es meistens schaffte, die weibliche Haelfte eines Paaerchens hinter mir zu lassen, die die Wanderung ungefaehr zur gleichen Zeit wie ich begonnen hatten. Mehr als einmal beschwerte sie sich ueber ihre Fitness, wenn wir uns mal wieder ueberholten. Mensch, und ich schaffte das sogar mit meinem Asthma! Naja, die 3 Gestalten, die die Strecke bergauf rannten (ja richtig, rannten!) koennen nicht von dieser Welt gewesen sein, das ist gar unmoeglich!

Nach 2 Stunden kam ich oben an und lag noch voll im Zeitlimit, wer haette das gedacht. Ich wollte eigentlich mein Broetchen essen, um ein wenig Kraft fuer den bevorstehenden Kletterakt zu tanken ("man kriecht da fast auf allen Vieren hoch"), aber die einzige Bank auf dem Sattel war belegt und die Buesche sahen nicht sehr bequem aus. Also gings weiter - mit einem skeptischen Blick in Richtung meines Ziels. Der Berg sah von dort unten gar nicht mal so hoch und steil aus und ich machte mir schon Hoffnungen, dies alles in der vorschriebenen 1 Stunde schaffen zu koennen. Das erste Stueck war auch gar nicht so schlimm und war mit den bekannten zahlreichen Verschnaufpausen gut zu meistern. Ich habe inzwischen eine gute Technik fuer mich entwickelt und die hilft mir bei steilen Passagen. Nicht nach oben gucken, das entmutigt naemlich. Den Blick immer Richtung Boden und kleine Schritte machen, das spart Energie und wenn man ab und zu mal aufblickt, ueberrascht man sich selbst, wie weit man es bereits geschafft hat. Bei meinen Verschnaufpausen genoss ich den Ausblick auf Queenstown, Lake Wakatipu und auf unzaehlich viele Berge auf der anderen Seite. Nach einer halben Stunde sah es so aus, als sei ich schon fast oben und ich gratulierte mir schon, dass ich das ganze wohl bald geschafft haben duerfte. Was fuer ein Fehler! Man sollte den Tag halt doch nicht vor dem Abend loben, denn der schwierige Teil stand mir noch bevor. Denn oben war ich noch lange nicht und was ich bisher als den Gipfel gehalten hatte, war nur ein gewaltiger Felsvorsprung. Da hoerten die schlechten Nachrichten leider nicht auf. Irgendwie gab es keinen richtigen Weg mehr, sondern man kletterte nur noch ueber Geroell und riesige Brocken, teilweise groesser als meine Beine spreizen konnten. Meine Technik mit den kleinen Schritten war also dahin. Ich war so fertig, dass ich alle 3 Schritte stehen bleiben musste. Das Klettern war wirklich ein Kraftakt und manchmal befand ich mich wirklich auf allen Vieren, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Einige Leute ueberholten mich schnaufend und in solch einer Situation steht man sich solidarisch bei. Man beschwert sich also mal kurz, wie beschissen steil das ganze ist und wann denn diese bloede Kletterei endlich mal ein Ende nimmt und quaelt sich dann schnaufend weiter. Ich muss gestehen, dass ich zweimal ganz kurz davor war, umzukehren und wieder runter zu stolpern, weil ich keine Kraft mehr hatte. Ich machte 5 Minuten Pause und ass einen Apfel und hoffte auch einen Energieschub, aber als ich mich wieder auf den Weg machte, war die Kraft nach ein paar Schritten wieder verschwunden. Die tolle Aussicht war die einzige Motivation weiterzumachen und ich dachte immer nur daran, wie toll es vom Gipfel aussehen wuerde, wenn es hier unten schon so genial ist. Naja, so stolperte ich also weiter und irgendwann kam mir ein Paaerchen aus der Schweiz entgegen und meinte, dass es nur noch so ca. 5 Minuten bis zum Gipfel sei. Das gab mir Hoffnung und kurz vorm Schluss wird der Walk auch wieder einfacher. Immer noch steil, aber endlich wieder ein normaler Weg, ohne Felsbrocken als Hindernis. Tja und dann war ich endlich oben, nach stolzen 1.5 Stunden, schwitzend und mit klappernden Knien, aber uebergluecklich und stolz auf meine Leistung! Nun hatte ich endlich Zeit mein Broetchen zu essen und die Aussicht zu geniessen.

Am liebsten waere ich den ganzen Tag da oben geblieben, aber der Rueckweg wuerde nicht einfach werden und so verliess ich den Gipfel nach knapp 45 Minuten wieder. Wer nun denkt, dass der Rueckweg doch ein Klacks sein duerfte, weil es ja nur bergab geht, hat sich geirrt. Schliesslich war es so steil, dass ich teilweise sogar rueckwaerts ueber die vielen Huerden kletterte, um bei einem eventuellen Sturz nicht auf meinem Ruecken zu landen. Man muss bergab so vorsichtig und langsam laufen, dass es fast so lange dauert wie bergauf. Bis runter zum Sattel brauchte ich ein bisschen weniger als 1 Stunde und bis zur Gondola auch noch mal 1 Stunde, wo ich gegen 4 Uhr Nachmittags ankam. Alles in allem war ich also 6 Stunden unterwegs und ich fuehlte es in jedem Knochen meines Koerpers. Meine Knie und Oberschenkel waren so verkrampft, dass ich nicht normal laufen konnte und Treppen auf oder ab war eine Qual. Im Gondola Cafe' belohnte ich mich mit einem Stueckchen Schokoladenkuchen bevor es zurueck nach Queenstown ging. Nach einer Dusche war ich so fertig, dass ich erstmal fuer ne knappe Stunde das Bett huetete, bevor ich mich daran machte, meine Bilder Ausbeute des Tages unter die Lupe zu nehmen...

Was habe ich fuer meine naechsten freien Tage geplant? Ich kann wohl guten Gewissens sagen, dass ich erstmal keine weiteren Berge besteigen muss. Vielleicht sollte ich mir ein Auto mieten.... ;-)

Eure Katja (mit hoellischem Muskelkater)