Saturday, February 16, 2013

Neuseeland Ade!

Im Oktober 2006 begab ich mich auf eine Reise. Geplant war eine 12-monatige Auszeit in Neuseeland, die vorwiegend durch Reisen und gelegentliche Aushilfsjobs gefuellt werden sollte. Vieles in Deutschland nervte; die Mentalitaet, das staendige perfekt-sein-wollen oder muessen, die Buerokratie, der Job etc.
Waehrend meiner Auszeit packte mich das Reisefieber und der Wunsch, dem bequemen Leben in Deutschland fuer laengere Zeit den Ruecken zu kehren, mich besser kennenzulernen und die Welt zu entdecken.

Die meisten meiner Leser kennen meine Geschichte. In 2008 verschlug es mich nach Australien und der Hauptgrund war, nicht nach Deutschland zurueckkehren zu wollen. Australien hatte mich bis dahin nie wirklich interessiert und ueberraschte mich daher umso mehr. Melbourne gehoert noch immer zu meinen Top Reisezielen und Lieblingsstaedten und ich kehre jederzeit wieder gern zurueck.

Ein Jahr spaeter war Kanada an der Reihe. In Vancouver pulsiert das Leben und ich hatte eine wahnsinnig tolle Zeit dort, trotz der allgemein vorherrschenden geringen Verdienstmoeglichkeiten. Fuer die seltene Moeglichkeit, die Olympischen Winterspiele als Arbeitskraft, Zuschauer und  Freiwilliger hautnah mitzuerleben, bin ich unendlich dankbar und diese Erfahrung werde ich fuer immer wertschaetzen.

Trotzallem gehoerte in all diesen Jahren mein Herz Neuseeland und so kehrte ich 2011 zurueck. Die Jobsituation war schwieriger als in den Jahren davor und so war ich dankbar, dass ich meinen alten Job in Milford Sound wieder aufnehmen durfte. Der letzte Schritt wurde auch recht bald getan und der Antrag fuer die Aufenthaltsgenehmigung eingereicht. Buerokratie gibt es auch in Neuseeland und zwar reichlich davon und so dauerte es einige Zeit, viel Papierkram, einen ordentlichen Betrag Geld und eine grosse Portion Geduld. Im Juli 2012 hatte ich meinen Stempel endlich im Pass und konnte es nicht fassen. Warum war ich nicht gluecklich?!?

Hatte ich nicht endlich geschafft, wovon ich soviele Jahre getraeumt hatte? Die Chancen Neuseeland zu meiner neuen Heimat zu machen, standen besser denn je, schliesslich kann ich mit der Aufenthaltsgenehmigung ueberall arbeiten, ohne jedesmal ein Arbeitsvisum zu beantragen.

Dennoch hatte sich fuer mich in den letzten Jahren einiges geaendert beziehungsweise habe ich mich in den letzten Jahren geaendert und so sehe ich Neuseeland inzwischen mit anderen Augen. Diese Veraenderungen werden einem nicht von heute auf morgen bewusst; sie schleichen sich langsam an und irgendwann wacht man auf und fragt sich, was man eigentlich will und ob man das hier in Neuseeland erreichen kann. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Neuseeland noch immer und es wird fuer immer einen besonderen Platz in meinem Herzen und in meinen Erinnerungen haben. Aber mir ist bewusst geworden, dass ich hier keine Zukunft habe. Vorallem keine berufliche Zukunft. Mit der Wirtschaft geht es eher bergab als bergauf und die Regierung ist auch nicht wirklich in der Lage, durch eine andere Politik mehr Wirtschaft im Land anzusiedeln. Im Gegenteil, sie schauen hilflos zu wie die Kiwis das Land verlassen und zum Beispiel wegen besserer Loehne nach Australien gehen. Sie streiten sich mit den Maoris darueber, wem die Rechte am Wasser gehoeren und fuehren endlose Debatten im Parlament und Sonderausschuessen. Diese Fragen moegen fuer die Ureinwohner von grossem Interesse sein (vorallem von finanziellem Interesse) aber es bringt Neuseeland nicht voran und schafft auch keine neuen Jobs. Und Jobs braucht das Land. Nach dem Erdbeben in Christchurch ist das Land in eine Krise verfallen aus dem sie so schnell nicht wieder rauskommen, weil ihre Wirtschaft nicht leistungsfaehig genug ist, den Wiederaufbau zu finanzieren. Alles ist teurer geworden und selbst die Touristen beschweren sich ueber die Preise. Der Tourismus, Neuseelands Zugpferd, ist in den letzten Jahren stark zurueckgegangen und meiner Meinung nach ist ein Grund die gestiegenen Preise. Touristen waren noch nie so preisbewusst wie heute und wenn Neuseeland so teuer ist, dann verbringen sie ihren Urlaub lieber woanders.

Die lahmende Wirtschaft ist der Hauptgrund fuer mich, wieder nach Europa zurueckkehren zu wollen. Selbst wenn ich einen anderen Job in Neuseeland finden sollte, wuerde ich mir mit dem Gehalt niemals einen ordentlichen Lebensstandard leisten koennen und in der Lage sein, Geld fuer einen Heimaturlaub anzusparen. Ich weiss, dass es in Europa momentan nicht sehr rosig aussieht, aber ich habe dennoch mehr Vertrauen in Europa und den Euro.

Wenn man als Backpacker durch Neuseeland reist und mal schnell nen Job sucht, findet man das System hier super; jeder will zwar nen Lebenslauf sehen, aber so richtig interessieren tut sich trotzdem niemand fuer Schulabschluss, Berufsausbildung oder Studium. So lange man ein wenig Berufserfahrung hat und sich nicht zu bloed anstellt, hat man den Job. Mit der Zeit aendert sich das aber und irgendwann will man mal ernst genommen werden. Obwohl ich meinen Supervisor Job hier in Milford Sound schon seit einigen Jahren mache (und auch in Kanada als Supervisor gearbeitet habe), werde ich immer noch behandelt, als haette ich von nichts ne Ahnung und Management wimmelt meine Ideen ab, wie man bestimmte Dinge verbessern koennte, weil das ja nicht sein kann, dass man sich mehr Gedanken macht als die Leute an der Spitze. Es interessiert natuerlich niemanden, dass ich von solchen Dingen durch mein Betriebswirtschaftsstudium mehr Ahnung habe als mein Boss, der gelernter Krankenpfleger ist. Aufgrund dieser Ignoranz, die man in vielen Bereichen und Branchen wiederfindet, geht Neuseelands Wirtschaft sehr viel Potenzial verloren, das in seinen auslaendischen Arbeitskraeften steckt, aber sie sind so geblendet von dem Irrglauben, dass alles was von hier kommt, soviel besser ist, dass sie das nicht mal merken.

Ich hoere es jeden Tag in den Medien; das Schul - und Gesundheitssystem in Neuseeland sind erstklassig und muessen sich hinter niemandem verstecken, Neuseeland ist so gruen und sauber, sportlich gesehen stehen sie an der Weltspitze und was Forschung und Wissenschaft angeht haben sie natuerlich auch die hellsten Koepfe im Lande. Damit will ich hier gleich mal aufraeumen. Die Allgemeinbildung der meisten Kiwis laesst zu wuenschen uebrig und andere Sprachen sprechen sie auch kaum (ich wurde von einem Kiwi gefragt, was denn Hitler heutzutage tut). Ausserdem schafft es die Regierung schon seit Monaten nicht, ihre Lehrer ordentlich zu bezahlen (wens interessiert, googelt mal novopay Affaire) und diese gehen schon seit geraumer Zeit auf die Barrikaden, weil sie aufgrund einer neuen fehlerhalften Software Monat fuer Monat unterbezahlt werden. Die Wartelisten fuer neue Hueften, Nieren und andere weitreichende Operationen sind so lang, dass viele keinen anderen Ausweg sehen als mit ihrem hart ersparten Geld nach Thailand zu fliegen, um lebensnotwendige OPs dort ausfuehren zu lassen. Die Umweltverschmutzung in Neuseeland ist alarmierend, Fluesse werden durch Farmer und ihr Vieh verunreinigt und durch schlechte Bauqualitaet (keine Zentralheizung) verheizen die meisten Kiwis jeden Winter halbe Waelder, um ihre Haeuser warm zu halten. Sport. Ja Sport ist hier eine Religion und viele Kiwis identifizieren sich mit den sportlichen Leistungen ihrer Sporthelden. Aber um welche Sportarten geht es denn da hauptsaechlich? Rugby, Cricket, Netball. Das spielt man in den meisten Teilen der Welt gar nicht. Als ich mal zu einem meiner Arbeitskollegen meinte, dass es keine Kunst ist, eine "Weltmeisterschaft" zu gewinnen, an der nur 5 oder 6 Teams teilnehmen, weil es sonst nirgendswo gespielt wird, hat er mir das sehr boese genommen. Ist doch aber wahr! Eine Fussball Weltmeisterschaft zu gewinnen ist sehr viel schwieriger als die Rugby Weltmeisterschaft! Und welche bahnbrechende Erfindung kommt eigentlich aus Neuseeland?

In den letzten Monaten ist mir bewusst geworden, wie sehr ich Europa vermisse. Das Reisen ist durch die kurzen Entfernungen viel einfacher, lokale kulinarische Spezialitaeten (Neuseeland hat kein typisches neuseelaendisches Gericht), die lange Geschichte und vorallem die reiche Kultur! Nach 5 Jahren hier weiss ich immer noch nicht, was typisch Kiwi ist und ich glaube, viele Neuseelaender wissen es selbst nicht. Fuer mich ist es nicht der Haka, der bei allen Anlaessen aufgefuehrt und ausgenutzt wird, als typisch Kiwi praesentiert wird, obwohl er nur einen kleinen Teil des Kiwiseins darstellt. Maori Kultur ist nicht alles und oft wird vergessen, dass ein Grossteil der Kiwis Vorfahren in Europa hat. Diese Leute haben mit dem Haka nicht viel am Hut; viele nervt er sogar. Rugby, Bier und Angeln; das ist fuer mich typisch Kiwi und mir ist das nicht genug. Ich werde oft gefragt, ob ich denn nicht den Mann fuers Leben hier in Neuseeland gefunden haette. Ich brauche einen Mann mit Intellekt und Grips, mit dem ich ein ordentliches Gespraech fuehren kann und dabei moechte ich nicht ueber Rugby, Cricket oder Angeln sprechen.

Der wichtigste Grund fuer meine Heimkehr allerdings ist meine Familie. In der Ferne habe ich Hochzeiten und Beerdigungen verpasst. Und das schlimmste, ich sehe meine zwei Neffen nur ueber Bilder oder ab und zu mal ueber Skype. Henry wird bald 3 und John schon wieder 1 und ich habe ihn noch nicht einmal hautnah erleben duerfen. Das soll sich aendern. Wer weiss, wo es mich in Europa hinverschlagen wird. Es muss nicht unbedingt Deutschland sein, denn wer weiss, ob ich mich da so problemlos wieder in die Gesellschaft integrieren kann. Es klingt komisch, ich weiss, aber ich war immerhin 7 Jahre weg und muss wieder langsam an die deutsche Mentalitaet herangefuehrt werden. Ich bin offen fuer alles und auch jobmaessig will ich mich nicht festlegen. Die Angst besteht natuerlich, dass ich dem europaeischen Arbeitsmarkt zu lange lebewohl gesagt habe und mich nun niemand mehr einstellen will aber das ist wohl nur die Angst vor dem Unbekannten. Ich habe soviel durchgestanden in den letzten Jahren und bin immer wieder auf beiden Fuessen und mit erhobenen Kopf gelandet, dass ich weiss, dass ich es schaffen kann. Ich muss nur fest an mich glauben! Nichtsdestotrotz, falls jemand Ideen oder Jobangebote hat, kann er sich gern bei mir melden, ich bin sehr vielseitig, extrem hart arbeitend und verfuege ueber enorme Sozialkompetenz, die ich mir durch meine Arbeit mit Kollegen und Kunden aus aller Welt aneignen durfte. 

Wann kommt sie denn jetzt nach Hause? Also, die Sommersaison stehe ich hier noch durch und momentan suche ich nach Fluegen nach Deutschland fuer den Mai. Und bevor jetzt alle sagen, naja, sie hat ja ihre Aufenthaltsgenehmigung, sie kann also jederzeit wieder zurueck. Nein, kann ich nicht, denn wenn ich mich fuer 2 Jahre nicht jedes Jahr mindestens 6 Monate im Land aufhalte und arbeite, verliere ich meine Aufenthaltsgenehmigung und muesste sie bei Interesse wieder beantragen. Meine Entscheidung, nach Hause zu kehren war also alles andere als einfach und ich habe mehr als nur eine schlaflose Nacht darueber verbracht, aber nun ist es entschieden und ich freue mich auf einen neuen Lebensabschnitt!

Eure Katja

Wednesday, January 30, 2013

eine kurze Auszeit in Kaikoura (Januar 2013)

Ach wie die Zeit vergeht, jetzt haben wir schon wieder 2013 und der Januar ist auch schon wieder so gut wie vorbei. Auf Arbeit gings in den letzten Wochen sehr stressig zu und auf die Nerven geht mir da auch gerade so einiges und deswegen wollte ich an meinen freien Tagen  mal ganz weit weg. Das Wetter spielt nun auch endlich mal mit und da der Wetterbericht fuer eine knappe Woche supertolles Wetter vorhersagte, wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen und mich auf einen road trip begeben. Ziele gibt es viele und fuer die meisten reichen die 4 freien Tage meistens nicht, aber letztenendes entschied ich mich doch fuer das an der Ostkueste gelegene Kaikoura. Hauptgrund hierfuer war das Whalewatching. Als ich in 2006 fuer einen Monat in Kaikoura gelebt/gearbeitet habe, hatte ich nie besonders viel Interesse am Whale beobachten und in 2008, als ich einen ersten Anlauf startete, wurde die Tour wegen schlechter Seebedingungen gecancelt. Diesmal sollte aber alles anders werden!

Sehr viel Zeit hatte ich leider nicht, denn keiner meiner Arbeitskollegen wollte oder konnte einen extra Tag fuer mich arbeiten. Also hin nach Kaikoura und zurueck in 4 Tagen. Laut Google sind das mehr als 800km fuer eine Strecke, die Kilometeranzeige im Auto zeigt mir aber nur 520 Kilometer an, was irgendwie nicht stimmen kann. Also sucht Euch was aus ;-). Nichtsdestotrotz dauerte es mich 10 Stunden (Pausen abgezogen) und die Fahrt war zwar teilweise etwas ermuedend, aber bei dem tollen Wetter und den tollen Landschaften macht das ganze super viel Spass! In Kaikoura angekommen erkannte ich sofort alles wieder, denn es hat sich nicht wirklich viel veraendert dort in den letzten Jahren. Sogar die Innenausstattung im Craypot, wo ich mal gearbeitet habe, ist noch die selbe.

Der Luxus des Ausschlafens war mir nach dieser langen Fahrt am naechsten Tag nicht gegoennt, denn ich hatte die Wal Tour fuer 7.15 Uhr in der Frueh gebucht. Zum einen, weil die Dame in der Reservation nicht in der Lage (oder zu faul) war, eine Buchung fuer mich vorzunehmen und somit die spaeteren Touren schon ausgebucht waren, zum anderen aber auch weil ich mir aufgrund der Uhrzeit einen ruhigeren Seegang erhoffte. Nach der Sicherheitseinweisung gings mit dem Bus ins 10 Minuten entfernt gelegene South Bay, so die Boote der Walbeobachter geparkt sind. Dort bestiegen wir unser Gefaehrt und machten uns auf den Weg vor die Kueste Kaikouras. Das besondere an Kaikoura ist der Kaikoura Canyon mit einer Tiefe von bis zu 1600m nur knappe 2 km von der Kueste entfernt, wo das Festland ploetzlich steil abfaellt. Dies erzeugt guenstige Stroemungsbedingungen und somit perfekte Bedingungen fuer das maritimes Leben weil dort besonders zahlreiche Nahrungsquellen vorherrschen. Pottwale halten sich dort fuer laengere Zeit auf, waehrend auch andere Wale auf ihren Reisen gern die Gelegenheit zu einem Snack wahrnehmen.

Pottwale sind die groessten der Zahnwale und mit einer Groesse von knapp 20 Metern und einem Gewicht von 50 Tonnen die groessten bezahnten Tiere auf unserem Planeten. Das Gehirn eines Pottwals wiegt bis zu 9,5 Kilo und ist somit das groesste im gesamten Tierreich. Es hat die Groesse eines Basketballs und ist knappe 6mal groesser als das menschliche Gehirn. Im riesigen Kopf befindet sich das Spermaceti Organ (deshalb der englische Name Sperm Whale), das beim Entleeren der Lungen vor dem Tauchen hilft und ausserdem bei der Erzeugung von extrem lauten Toenen unterstuetzt. Pottwale koennen einen Schalldruck von ueber 230 dB erzeugen und mit diesem Schalldruck Beutetiere betaeuben. Somit ist die meiste Beute bereits tot, bevor es seinen Weg in das riesige Maul dieses Raeubers findet. Die Pottwale geben Klicklaute von sich, mit denen sie ihre Beute echoorten und miteinander kommunizieren. Das ist notwendig, weil sie in solchen Tiefen tauchen, wo man nichts sehen kann und sich anderweitig orientieren muss. Die Klicklaute werden ausgestossen und wenn sie zurueckkommen, weiss der Wal, wo sich die Beute befindet  und ausserdem wie gross und schwer das Tier ist.

Fluke eines Pottwals beim Abtauchen
Diese Art des Jagens machen sich die Walbeobachter zu Nutze, denn sie hoeren mit speziellen Instrumenten den Walen beim Jagen zu. Wenn sie das Klicken hoeren, wissen sie erstens wo der Wal ist und zweitens, dass er in naher Zukunft nicht auftauchen wird. Denn Tauchen koennen sie weit ueber eine Stunde. Kurz bevor sie auftauchen, werden sie still und stossen keine Klickgeraeusche mehr aus (5-10 Minuten vorher) und dann wissen die Kapitaene, dass der Wal bald auftauchen wird. Dann ist warten angesagt. Wir fanden einige Wale im Wasser, aber sie waren alle mit Jagen beschaeftigt. Nach knappen 70 Minuten dann endlich die langersehnte Ansage, dass der Wal auf dem Weg nach oben sei. Wenn sie auftauchen, atmen sie fuer ein paar Minuten (meist weniger als 10 Minuten), bevor sie auf spektakulaere Art und Weise wieder abtauchen. Das ist der einzige Zeitpunkt, an dem man ein Bild von der beruehmten Schwanzflosse (Fluke) schiessen kann. Nach einigen Sekunden ist das Wahnsinnsschauspiel schon wieder vorbei und man kann es gar nicht glauben, was man da gerade gesehen hat. Auch wenn wir auf diesem Trip leider nur einen Wal sehen konnten war ich trotzdem happy und froh, diesen Trip endlich gemacht zu haben. Und mein Foto von der 
Dusky Delfin
Fluke habe ich natuerlich auch; das stand recht weit oben auf meiner Liste von Fotos, die ich unbedingt in meinem Repertoire haben will!

Auf dem Weg zurueck schwamm uns noch eine Gruppe von Dusky Delfinen (auch genannt Schwarzdelfine) ueber den Weg. Die sind hier heimisch und man sieht sie eigentlich immer. Sie sind sehr verspielt und bekannt fuer ihr haeufiges springen. Man vermutet, dass sie das beim Jagen tun, um die Wasseroberflaeche aufzuwirbeln und die gejagten Fische zu verunsichern bzw zu desorientieren.

Wieder festen Boden unter den Fuessen stellte ich fest, dass es eine gute Entscheidung gewesen war, die fruehe Tour zu buchen, denn es war gerade mal 10 Uhr morgens. Also noch genuegend Zeit fuer einen erneuten Besuch bei der Robben Kolonie und einen Spaziergang um die Peninsula herum (Kaikoura Halbinsel). Etwas neues war das fuer mich nicht, denn diese Wanderung hab ich schon unzaehlige Male gemacht, aber egal. Das Wetter war super und meine Haut ziemlich weiss. Als ich mich auf den Weg machte, war gerade Ebbe und alles sah problemlos aus. Die erste Teilstrecke nach South Bay absolviert man oben auf den Sandsteinfelsen und geniesst die Aussicht aufs Meer. Die zweite Teilstrecke dann laeuft man den Weg im Prinzip wieder zurueck, diesmal allerdings "unten" am Wasser entlang, ueber Stock und Stein und im zickzack um die schlafenden Seerobben. Von denen gabs gar nicht soviel zu sehen und ich vermute dass die meisten schwimmen waren, weil es ihnen mit ihrem dicken Fell schweineheiss gewesen sein muss. Ob die das absichtlich machen oder diese Spots besonders gern moegen, kann ich nicht sagen, aber wenn es mal aufgrund der reinkommenen Flut ganz eng wurde, lag da meistens auch noch ne Robbe im Weg, um die man ja eigentlich nen hohen Bogen machen sollte, um sie nicht zu provozieren. Aus diesen Naherfahrungen bin ich gluecklicherweise heil herausgekommen, aber die Sonne hatte weniger Gnade mit mir; meine rechte Seite war trotz Sonnencreme recht dolle verbrannt. Ich weiss ja auch nicht, wie ich das immer hinbekomme (*Augenzwinker*)

Ausklingen lies ich den Tag mit Fish 'n' Chips vom Hine's Takeaway, der meiner Meinung nach einer der besten Neuseelands ist. Ich sass am Strand, genoss die Abendbrise und das Rauschen des Meeres und musste gierige Seemoeven abwehren, die es auf mein Abendbrot abgesehen hatten. Und die sind nicht schuechtern, fielen sie doch im Sturzflug auf die Tuete mit dem Fisch her, die sich in meinem Schoss befand. Da hilft nur eins; sich mit einem Stock bewaffnen und wild um sich schlagen!

Da ich nicht die gesamte Strecke bis nach Milford in einem Tag fahren kann und will, hies es bereits am Mittwoch Abschied nehmen und ich machte mich auf den Weg nach Tekapo, wo ich eine weitere Nacht verbrachte, bevor ich am Donnerstag nach Milford zurueckfuhr und am Freitag wieder frisch und munter auf Arbeit erschien.

Tuesday, October 30, 2012

die Heimreise

Irgendwann geht alles mal zu Ende und so verhaelt sich das leider auch immer mit dem Urlaub. Nach knapp sechs ereignisreichen Wochen war die Zeit des Abschieds gekommen und dies geschah mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite war ich froh, bald wieder alles Gewohnte um mich zu haben, meinen geregelten Tagesablauf, meine Arbeit und regelmaessige Einkuenfte, meine Freunde und einfach alles "Normale". Auf der anderen Seite tat es mir leid, mich von diesem tollen Land zu verabschieden, seinen extrem freundlichen Einwohnern und all das Erlebte der vergangenen Wochen hinter mir zu lassen. Begleiten werden mich die Eindruecke natuerlich fuer immer, schon allein wegen der vielen Fotos, die waehrend der letzten Wochen entstanden sind und natuerlich auch dank meines Blogs, dessen Beitraege ich mir gern bei Gelegenheit mal wieder durchlese. Aber den Wahnsinn des Strassenverkehrs kann man nicht in Bildern festhalten, das muss man einfach erlebt haben - das Zweifeln und Herzrasen, wenn man langsam die Strasse ueberquert und den Leuten auf den Motorraedern blindlinks vertrauen muss - mit seinem Leben! Vergessen werde ich dies nie, vermissen allerdings schon. Stellt Euch den Unterschied vor, von der Millionenmetropole von Hanoi mit seinen Millionen Motorraedern zurueck zu Milford Sound, wo nur eine Strasse durchfuehrt. Und obwohl diese Strasse eine knappe Million Touristen jaehrlich nach Milford bringt, ist es doch die meiste Zeit beschaulich ruhig bei uns und man kann sogar auf der Strasse laufen, ohne ueberfahren zu werden. Danach sehne ich mich nach all dem Laerm und der Unruhe hier.

Das Essen werde ich auf alle Faelle vermissen, hat es mir doch die Augen geoeffnet und unendlich viele Moeglichkeiten aufgezeigt, was man mit Essen alles anstellen kann. Vorallem mit Curry, vor dem ich vorher zu viel Respekt hatte und aus Angst, alles zu scharf essen zu muessen, nie als Zutat in Betracht gezogen hatte. Wieder in Neuseeland angekommen habe ich mir gleich sofort gruenen Curry zugelegt, der inzwischen - zusammen mit Kokusnussmilch - ein fester Bestandteil meiner Nahrung geworden ist.

Viele Urlauber sind immer total aus dem Haeuschen, wenn sie nach dem Urlaub feststellen, dass sie Gewicht verloren haben. Fuer mich ist das total logisch, schliesslich ist es dort wahnsinnig heiss und somit verschwitzt man sehr viel Wasser. Ja ich habe auch 3 Kilo abgenommen, wuerde mich aber nicht wundern, wenn ich 1 oder 2 davon in den naechsten Wochen wieder zulege, schon allein wegen der Temperaturunterschiede.

Dank meiner Fluglinie (Jetstar) hatte ich in Singapur dank einer Flugaenderung nochmal eine Uebernachtung und habe diese fuer ein wenig Sightseeing genutzt. Obwohl ich zur Feierabendzeit mitten in der Rushhour in der Stadt ankam, fuehlte ich mich in dem Stau richtig wohl: niemand hupte oder versuchte, den anderen von der Strasse zu draengen. Im Gegenteil, alles ging gesittet und wohl geordnet zu. Nachdem ich in den letzten Wochen einigen Herzattacken nur knapp entkommen war, fuehlte sich das toll an! Mein Flug nach Auckland ging erst am Abend und so hatte ich noch einige Zeit zum Totschlagen aber irgendwann wurde es mir einfach zu heiss und ich wollte einfach nur noch heim. Und so gings auf zum Flughafen, wo ich mit dem Blogschreiben begann: Entwuerfe per Hand in mein Tagebuch und dann gleich auf Blogger. Dies allerdings im 14 Minuten Takt, da die kostenlosen Rechner nach dieser Zeit die Internetverbindung unterbrechen um extrem lange Nutzung zu vermeiden.

Der Flug war ziemlich bescheiden und ich regte mich furchtbar ueber Jetstar auf. Erstmal finden die Sicherheitskontrollen in Singapur direkt vor dem Gate statt und nachdem man erstmal sein Wasser aufgegeben hat, kann man im Gate selber nichts mehr kaufen. Es gibt zwar einen Wasserspender, aber der sprueht sein Wasser nach oben und versuch da mal, eine Flasche ohne grosse Sauerei aufzufuellen! Im Flieger kann man natuerlich Wasser zu unerhoerten Preisen kaufen, aber ein kostenloses Wasser gibt es nicht (im Gegensatz zum Hinflug, da bekam ich ne ganze Flasche). Ich war so veraergert ueber diese Frechheit, dass ich aus Prinzip nichts kaufen wollte und spaeter fuellte ich meine Flasche am Wasserspender neben der Toilette auf. In Auckland angekommen hatte ich nicht viel Zeit fuers Gepaeck einsammeln, Stempel bei der Einwanderungsbehoerde holen und dann in 15 Minuten rueber zum Terminal fuer die Inlandsfluege zu hetzen. Und wie sollte es anders sein, das Gepaeck dauerte ewig und der Zoll interessierte sich fuer eines meiner Mitbringsel (okay, das war ne Schlange in einer Flasche Wein, ich sehe ein dass dies merkwuerdig ist). Dafuer durfte ich mich diesmal in der anderen Schlange fuer Kiwi und Australische Reisepaesse/Einwohner anstellen und dort ging die Einreise sehr fix. 'Welcome home' meinte der nette junge Mann und als ich endlich im Flieger nach Queenstown sass und die bekannte tolle Aussicht ueber die suedlichen Alpen geniessen konnte, fuehlte ich mich wirklich wieder zu Hause.   

Somit ging also ein toller Urlaub zu Ende, der abwechslungsreicher nicht haette sein koennen: von hunderten von Tempeln in verschiedenen Groessen und Zustaenden, zum Reiten auf Elefanten, staubschluckend durch den Verkehr auf tuk tuks, vorbei an Reisfeldern so weit wie das Auge reicht, Strassen die man zu Hause nicht mal fuer den oeffentlichen Verkehr freigeben wuerde, singenden Moenchen, bettelnden Kindern, auf deutsch zaehlende Kambodschanische Kinder, ein Meer aus Motorraedern, dem ganz normalen Wahnsinn des Strassenverkehrs, auf einem Boot in den Sonnenuntergang schippern, im Kayak durch stockdunkle Hoehlen paddeln, mit Strassenhaendlern ueber den Preis streiten und sich auf einem der vielen Maerkte im unendlichen Angebot an Brauchbaren und weniger Brauchbaren verlieren.

Danke Suedostasien fuer eine tolle Zeit und wahrscheinlich werde ich nicht wiederkommen. Nicht, weil ich die Zeit in Thailand, Kambodscha und Vietnam nicht genossen habe, sondern mehr aus Neugier und dem Drang, weitere Laender in der Region kennenzulernen. Mit diesem Urlaub konnte ich drei Laender auf meiner langen Liste abhacken, aber andere Laender wurden automatisch hinzugefuegt, weil man sich mit anderen Leuten unterhaelt, Broschueren sieht, Reisefuehrer liest usw. Die Welt ist gross und will entdeckt werden und ich setze mich noch lange nicht zur Ruhe!

Hanoi (29.09. + 03.-05.10.2012)

Hanoi, Endstation unserer Reise, lag vor uns und wollte entdeckt werden. Mit 3.7 Millionen Einwohnern ist Hanoi viel kleiner als der Bruder im Sueden (Saigon 5.38 Millionen) und es wirkt auch ganz anders als Saigon. In Hanoi kann man die Vergangenheit foermlich riechen und dies trifft vorallem fuer das Old Quarter zu, dem alten Hanoi, einem Schmelztiegel zahlreicher Handwerke seit ueber 1000 Jahren. Die Strassen sind eng und verzweigt und die Namen aendern sich alle paar hundert Meter, wobei sie sich an das dort ansaessige Handwerk anlehnen. Dem sprachunkenntlichen Touristen faellt dies natuerlich nicht auf, aber die Strassennamen lassen sich uebersetzen in Blech Strasse, Holz Strasse, Seiden Strasse usw und dementsprechend ist auch das Warenangebot. Heutzutage haelt man sich nicht mehr ganz so strikt an diese Trennung, aber frueher war dies ausnahmslos der Fall.

Im Old Quarter gehts zu wie im Bienenstock; dort pulsiert das Leben, es ist reich an Geschichte, vollgestopft mit Motorraedern und geschaeftig an jeder Ecke. Wie sonst auch auf den Maerkten kann man hier alles kaufen und kann sich dabei auch mal in Ruhe in einem Laden umschauen, weil man nicht sofort von 5 Meter Entfernung beworben wird.  

Die Strassen sind dabei nicht immer sauber denn gerade zum Feierabend wird der Dreck einfach auf die Strasse gekehrt und die Muellsaecke vor die Tuer gestellt. Eine Muellabfuhr habe ich in Hanoi nicht entdecken koennen, geben muss es sie aber, denn der Muell ist am naechsten Tag verschwunden.

Ab dem fruehen Abend so gegen 17.30 Uhr geht verkehrsmaessig die Post ab. Die Strassen sind verstopft (noch mehr als tagsueber, obwohl man das nicht fuer moeglich haelt), es ist hoellisch laut (ja die Hupen!) und ein Durchkommen ist schwer moeglich. Das Strasse Ueberqueren sollte man sich gut ueberlegen, weil alle Verkehrsteilnehmer so frustriert und ungeduldig scheinen, dass man sein Glueck nicht auf die Probe stellen sollte. So gegen 20 Uhr hat sich der Verkehr dann meistens wieder beruhigt und man muss sich nur noch mit dem 'normalen' Wahnsinn arrangieren.

Den angeblichen Nachtmarkt gibt es uebrigens nicht mehr, wie wir nach ewigem Herumsuchen im Regen feststellen mussten. Auf dem Tagesmarkt haben wir dafuer noch mal richtig zugeschlagen und gleich am selben Tag noch ein Paket in Richtung Deutschland verschickt. Und das obwohl ich am Morgen noch meinte, dass ich nichts mehr brauche und wenn ueberhaupt nur Kleinigkeiten kaufen werde - daraus wurde natuerlich nichts. Auf der Post verbrachten die Angestellten eine gewisse Zeit, einen passenden Karton fuer all meine Habseeligkeiten zu finden. Hoffentlich kommen die Sachen auch an, schliesslich habe ich mir endlich mein geliebtes Tee Set gegoennt!

Was das Sightseeing betrifft, haben wir es in Hanoi etwas ruhiger angehen lassen; nach den vergangenen Wochen stellte sich langsam eine Muedigkeit ein und ich war ehrlich gesagt auch ein bisschen froh, dass der Urlaub fast vorbei war. Nichtsdestotrotz haben wir dem unseren Hotel naheliegenden Hoan Kiem Lake (ein See) und dem sich darauf befindlichen Ngoc Son Tempel einen Besuch abgestattet und dabei wieder ueber das weltweite Bruecken-Phaenomen gestaunt.  Um zum Tempel zu gelangen, muss man eine Bruecke ueberqueren und das kann man nur im zickzag und Schneckentempo, weil jeder (wirklich jeder!) ein Bild von sich auf der Bruecke haben will. Ueber solch ein langweiliges Fotomotiv kann ich nur mit dem Kopf schuetteln. Die Einwohner verbinden mit dem See eine Legende, die ungefaehr folgendermassen geht: Im 15. Jahrhundert erhielt der Kaiser Ly Thai To ein magisches Schwert, das regelrecht vom Himmel fiel und er nutzte dieses, um die Chinesen aus Vietnam zu vertreiben. Als der Krieg vorbei war traf er eines schoenen Tages auf eine im See schwimmende Schildkroete, die sich das Schwert schnappte und in die Tiefen des Sees entschwand. Weder Schwert noch Schildkroete wurden je wieder entdeckt und seitdem wird der See als "See des wiederhergestellten Schwertes" bezeichnet, weil es von der Schildkroete an dessen heiligen Eigentuemer zurueckgegeben wurde.
Im Ngoc Son Tempel kann man uebrigens eine einbalsamierte Riesenschildkroete besichtigen und manche behaupten, dass es sich dabei um die Schildkroete der Legende handelt....

Am Besichtigen des toten Ho Chi Minh waren wir nicht interessiert (und ich glaube, dass es momentan sowieso zu Restaurierungszwecken geschlossen ist) aber wir liesen uns trotzdem zum Mausoleum fahren, wo Ho Chi Minh gegen seinen ausdruecklichen Willen wie auch Lenin, Stalin und Mao einbalsamiert und im Schaukasten ausgestellt wurde. Gleich nebenan befindet sich die 
'One Pillar Pagoda' (die Pagoda auf einer Saeule), die einer bluehenden Lotusbluete aehneln soll und damit Reinheit darstellt und den Buddhismus verehrt (die Lotusbluehte gilt allgemein als Symbol des Buddhismus).

Mit dem Taxi gings zurueck ins Old Quarter und dabei wollte man uns das erste Mal so richtig dreist abzocken. Katrin bemerkte als Erste, wie der Zaehler des Taxometers alle 100 oder 150 Meter teurer wurde und nach einer Weile bemerkten wir auch, dass der Fahrer so ungefaehr alle Umwege fuhr, die ihm irgendwie moeglich waren. Wir wussten, wie lange wir bei der Fahrt 1 Stunde vorher unterwegs waren und dafuer hatten wir nur 60.000 VND bezahlt (so ungefaehr 3 USD). Als wir dann letztenendes an einer komplett falschen Stelle abgesetzt wurden mit der Begruendung, dass er nicht ins Old Quarter faehren duerfte und er dann auch noch allen Ernstes 1.3 Millionen VND (65 USD!) verlangte, platzte uns beiden der Kragen. Mit dem Geld haetten wir 4 Mal zum Flughafen fahren koennen (der ist ungefaehr eine Stunde vom Stadtzentrum entfernt und das Hotel berechnete uns 15 USD fuer das Abholen). Er meinte, das sei die offizielle Gebuehr der vietnamesischen Taxis, 200.000 VND fuer 1 km, aber das war natuerlich Humbug. Ich meinte zu Katrin, er kann 100.000 VND (5 USD) haben und damit waere er mehr als gut bedient. Der Typ scheint das oefter zu machen, denn die Tuer auf Katrins Seite hatte ne Kindersicherung und konnte nur von aussen geoeffnet werden und meine Tuer lies sich zwar oeffnen, aber er hatte ganz galant direkt neben einem Baum gehalten. Er wollte uns einschuechtern und hatte bereits das Telefon in der Hand um jemanden anzurufen (keine Ahnung wen) aber das war mir egal. Ich drueckte ihm das Geld in die Hand und wir stiegen einfach aus. Er beehrte uns mit einigen Fluechen, die wir sowieso nicht verstanden und dann verschwand er. Falls dies jemand liest, der irgendwann mal nach Hanoi reisen wird, den Namen der Firma haben wir leider nicht, aber versucht die kleinen Taxis zu vermeiden und nehmt lieber die grossen, die scheinen serioes zu sein. Wir hatten zumindest kein Problem mit denen. Nach diesem Aufreger goennten wir uns erstmal ein Stueckchen Kaesekuchen und nen Kaffee um unsere Nerven zu beruhigen.

Um Hanoi gibt es zahlreiche besichtigungswuerdige Orte, aber leider lies uns die Zeit im Stich. Einen Tagesauflug konnten wir aber trotz alledem noch reinquetschen und zwar zur Perfume Pagoda. Diese befindet sich 60km suedwestlich von Hanoi und um dorthin zu gelangen, sitzt man erst 2.5 Stunden im Bus (inkl. dem obligatorischen Stop in einer Touristenfalle) und wechselt dann in My Duc Transportmittel. Dieses Transportmittel wird ganz allgemein als Boot bezeichnet, auch wenn es sich tatsaechlich nur um ein als Boot zurecht gebogenes Stueck Metal handelt. Diese Boote bieten offiziell 6 Touristen Platz (+ einem Reiseleiter) und werden von hageren kleinen Vietnamesen gerudert, sehr oft sogar Frauen. Dieser Trip dauert gefuehlsmaessig einen halben Tag, aber tatsaechlich handelt es sich um ungefaehr 1 bis 1 1/2 Stunden durch friedvolles und ruhiges Flussgebiet und einer kleinen Siedlung hier und da. Mit den Ruderern kann man einfach nur Mitleid haben, denn Rudern in der Hitze mit sovielen Leuten im Boot ist harte Arbeit und wirklich ergonomisch geformt sind die Boote auch nicht, um sie schneller zu machen. Fuer uns war der Trip keinesfalls ein Vergnuegen, denn wie bereits schonmal erwaehnt, sind die Transportmittel hier fuer westliche Leute viel zu klein und selbst ich hatte fuer meine kurzen Beine keinen Platz.

Das Gebiet nennt sich Huong Tich Mountains (das Huong Tich Gebirge), in dessen Sandsteinfelsen sich zahlreiche Pagodas und buddhistische Schreine befinden. Um die Hauptpagoda zu erreichen, muss man einen ca. 4 km steilen Aufstieg beschreiten, oftmals ueber grosse Stufen und vorbei an hunderten von Strassenverkaeufern, die einem zur Hauptsaison den Aufstieg zur Hoelle machen mit ihren Kaufangeboten. Wir befanden uns noch in der Nebensaison und so waren vielleicht 10% der ueblichen Verkaeufer vor Ort. Angeboten werden neben dem ueblichen Kram auch Eichhoernchen in winzig kleinen Kaefigen, die man kaufen und freilassen kann (fuers gute Karma) und dann sofort wieder eingefangen und wiederverkauft werden. Man kann wohl viel Geld mit gutglaeubigen Touristen verdienen. Fuer die Lauffaulen bzw Cleveren (wer will schon bei der Hitze und hohen Luftfeuchte einen Berg besteigen?!) gibt es seit einigen Jahren auch eine Gondola und fuer 6 USD kann man damit hoch- und spaeter auch wieder runterfahren. Die Vorteile musste man mir nicht erst verkaufen, man spart Zeit und die Aussicht war auch nicht zu verachten. Von der Pagoda selbst war ich ehrlich gesagt etwas enttaeuscht, schliesslich handelte es sich dabei lediglich um einen Schrein in einer Hoehle. Glaeubige besuchen die Pagoda in Herrscharren im Maerz/April (je nach Mondphasen) und draengen sich alle in die kleine Hoehle. Keine Ahnung, wie sie all die Leute dort unterbringen, aber ich wuerde dort definitiv Platzangst bekommen.

Weiter unten befindet sich eine weitere Pagoda und die war mehr nach meinem Geschmack, schliesslich handelte es sich dabei um Gebaeude im Tageslicht und davon konnte man gut Bilder machen. Alles was mein Fotografenherz begehrte. Zurueck in My Duc beschaeftigten sich die Leute noch immer mit ihrer Reisernte. Als wir dort am Morgen angekommen waren, befand sich die Reisernte zum Trocknen auf den Buergersteigen, in Hinterhoefen, Gaerten und allen sonstigen freien Flaechen. Am Nachmittag war der Reis getrocknet und wurde nun zusammengekehrt und in riesige Reissaecke gesteckt um dann auf Maerkten verkauft zu werden. Es ist immer wieder erstaunlich, wie hart diese Leute arbeiten. Wenn man seinen Reis im Supermarkt fuer 2 Euro oder so ordentlich abgepackt kauft, hat man keine Ahnung davon, wie viel Zeit die Menschen in Asien auf ihren Reisfeldern verbringen und wie koerperlich anstrengend der Reisanbau ist. Ich habe einen riesigen Respekt vor diesen Leuten, wie sie knietief im Wasser stehen um die Reisbuendel aus der Erde zu ziehen und wie sie diese spaeter auf ihren geschundenen Ruecken nach Hause tragen. Ich gehe jede Wette ein, dass jeder Westliche, der diese Arbeit auch nur einen Tag machen muesste, sofort das Handtuch schmeissen und die harte Arbeit nicht ausfuehren wuerde.

Friday, October 26, 2012

Urlaubsbilder

Es wird noch eine ganze Weile ins Land gehen, bis ich all meine Bilder in ein Album auf Picasa hochgeladen habe, deswegen an alle Interessierten hier mein Facebook Link. Ich sag Bescheid, wenn ich soweit bin bei Picasa (aber bitte wartet nicht drauf, mit Milford Sound Internet krieg ich das nicht hin).

Viel Spass beim Anschauen!

Eure Katja

Unsere Route durch Vietnam

So, jetzt wo ich endlich ne brauchbare Vietnam Karte im Netz gefunden und mit Paint ein wenig bearbeitet habe, kann ich Euch mal kurz unsere Route vorstellen:

1. Saigon (Ho-Chi-Minh-City)
2. Nha Trang
3. Hoi An
4. Hue (weiter mit Vietnam Airlines)
5. Hanoi
6. Halong Bay
7. Hanoi

Wie bereits frueher erwaehnt, handelt es sich dabei um knapp 1700 km und man braucht dafuer mindestens 10 Tage, wenn man zwischendurch auch mal was unternehmen und nicht nur jeden Tag im Bus zum naechsten Ziel sitzen moechte.

Halong Bay


Hoehle in Halong Bay
Ohne den Namen oder Location zu kennen, war Halong Bay schon immer ein Traum von mir. Waehrend der vergangenen Jahre hatte ich mehrmals Bilder von den zahlreichen Inseln gesehen und von Booten, die sich gemaechlich ihren Weg um diese Inseln herum bahnen, aber ich wusste nie, in welchem Land das eigentlich ist. Im Laufe meiner Urlaubsvorbereitung fuer Vietnam und dem Studieren des Reisefuehrers und Anschauen von Fotos sah ich die Inseln ploetzlich wieder vor mir und ich konnte es kaum erwarten, dieses Naturschauspiel endlich hautnah mit eigenen Augen erleben zu duerfen.

3 1/2 Stunden oestlich von Hanoi befindet sich Halong City, eine recht langweilige und haesslich ausschauende Stadt, bei der man stadtentwicklungstechnisch so gut wie alles falsch gemacht hat, was es falschzumachen gilt. Waere sie nicht Ausgangsziel fuer Halong Bay Besucher, wuerde sich niemand dorthin verlaufen. Die meisten Touristen buchen eine All-Inclusive Tour, die Bustransport von Hanoi nach Halong City und wieder zurueck beinhaltet. Dabei hat man die Wahl zwischen Eintagestouren, Zweitagestouren und Dreitagestouren, bei deren man entweder die Nacht auf einem der traditionellen Boote verbringt (genannt Junk, was wohl nicht nur bei mir zu Verwirrung fuehrte, denn Junk auf Englisch bedeutet soviel wie Muell oder Abfall und wer moechte schon gern auf einem Boot fahren, welches als Muell bezeichnet wird?!) oder auf einer der vielen Inseln in einem Hotel.

Wir waren uebrigens sehr erstaunt darueber, wie schwierig ist es, diese Attraktion, die man zweifelsohne als eine der Hauptattraktionen Vietnams bezeichnen kann, als selbstorganisierender Alleinreisender zu erreichen. Busse fahren so komisch, dass man nicht am gleichen Tag aufs Boot kann sondern erst eine Nacht in dem wenig attraktiven Halong City uebernachten muss. Aufgrund unserer knappen Zeit kam das fuer uns nicht in Frage. Im Internet fanden wir Informationen ueber einen Zug von Hanoi, aber den gibt es noch nicht oder vielleicht schon nicht mehr. Dahinter steckt wohl eher die Tatsache, dass sich viele Vietnamesen mit Touristen ihren einzigen Lebensunterhalt verdienen und da moechte man es den Selbstorganisierern nicht allzu leicht machen. Am Ende waren wir gar nicht mal so boese ueber die organisierte Tour, da man sich um nichts kuemmern muss und in Hanoi vom Hotel abgeholt und bei der Rueckreise auch dort wieder abgesetzt wird. Wir buchten eine 3-Tages/2-Naechte Tour auf der Elizabeth Sails und im stolzen Preis von 210 USD waren der Transport, das Boot, Essen und alle Touren, Eintrittspreise usw enthalten. 210 USD sind ne Menge Geld, aber wenn man bedenkt, was man alles dafuer bekommt und was man in der Zwischenzeit z.B. in Hanoi fuer Unterkunft, Verpflegung und Aktivitaeten ausgegeben haette, wuerde man auf einen aehnlichen Betrag kommen.

Wir hatten mehr als Glueck mit unserer Tour, denn wir erhielten ein kostenloses Upgrade und wurden auf das neuere und etwas luxurioesere Schiff "Golden Lotus" umgebucht. Wir waren uns ziemlich sicher, dass wir uns auf diesem Boot nicht mit peinlichen Backpackern rumschlagen muessten, die bis spaet in die Nacht feiern und sich nicht zu benehmen wissen.
Sonnenuntergang in Halong Bay
Unser Aufenthalt auf dem Boot war sehr gut durchorganisiert, zu gut koennte man meinen. Zum Entspannen blieb kaum Zeit, da staendig irgendetwas auf dem Plan stand: ein Ausflug mit dem Beiboot zum Besichtigen von zwei Sandsteinhoelen, paddeln, schwimmen, Karaoke, eine Fahrt durch die endlos scheinende Bucht vorbei an zahlreichen kleinen Inseln und Sandsteinfelsen in verschiedenen Groessen und Formen und nicht zu vergessen die Mahlzeiten. Sie koennen sicherlich nicht mit 3 Sternerestaurant Qualitaet mithalten, aber wenn man bedenkt, mit welch einfachen Mitteln sie auf dem hinteren Teil des Bootes auf vielleicht gerade mal 2 oder 3 Kochplatten zubereitet wurden und wie ueppig und lecker die Mahlzeiten ausfielen, kann man der Crew zu ihren Kochkuensten nur gratulieren. In den 3 Tagen gab es reichlich Fisch & Co. und ich kann mit grosser Sicherheit sagen, dass ich noch nie soviel Seafood gegessen habe: Fisch, Schrimps, Oktopus und Prawns gabs jeden Tag zusammen mit ner riesigen Portion Reis, Gemuese und frischem Obst zum Nachtisch.

unser Boot "Golden Lotus"
Was unsere Mitreisende anbelangt, so hatten wir sicherlich Glueck mit dem Fehlen der Backpacker, einfach aus dem Grund, weil unsere Cruise ein bisschen teurer war als andere, aber an Peinlichkeiten fehlte es trotzdem nicht. Mit an Board befand sich eine 7 koepfige australische Familie und ich hatte das Gefuehl, dass die sonst nicht wirklich viel rauskommen, da sie sich teilweise wie Elefanten im Porzelanladen benahmen. Sie waren laut und machten manchmal recht dumme Bemerkungen, aber darueber kann man hinwegsehen. Wenn man aber zu den Mahlzeiten mit nacktem Oberkoerper erscheint (ich spreche von den maennlichen Familienmitgliedern), nur weil man gerade schwimmen war und zu faul ist, sich was drueberzuziehen, dann ist das eindeutig zu viel. Den anderen Gaesten war es zu viel und die Crew sah auch etwas verdutzt drein, aber gesagt hat natuerlich niemand was. Spaeter war dann Karaoke angesagt und bis auf ein oder zwei Ausnahmen von geschmacklich verirrten Mitreisenden (ich erwaehne keine Namen Katrin....) gaben die Australier das Mikrofon den ganzen Abend nicht aus der Hand. Wenn der Gesang hoerenswert gewesen waere, wuerde ich mich gar nicht darueber auslassen, aber -Ihr koennt es Euch wahrscheinlich denken - es war ziemlich grauenhaft!

Was die Stimmung aber letztenendes wirklich daempfte, war die Tatsache, dass die Boote alle in der gleichen Bucht fuer die Nacht vor Anker gehen und so hat man in dieser riesigen Bucht nicht mal seine Ruhe. Aus irgendeinem Grund scheinen alle Cruiseanbieter der Meinung zu sein, dass Karaoke toll ist und so hoert man von jedem Boot Moechtegern Singer ihr Bestes (oder Schlechtestes) von sich geben. Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zur zweiten Nacht, in der es anfaenglich ganz ruhig zuging, weil gottseidank keiner mehr Lust auf Karaoke hatte. Ich freute mich bereits auf eine ruhige Nacht, bis auf einmal eines der Boote in der Nachbarschaft die Mucke voll aufdrehte: Partymusik fuer die jungen Besucher. Da aergert man sich wirklich, wenn man extra mehr Geld bezahlt, um sich solche Leute fern zu halten und dann muss man sie letztenendes doch ertragen, weil alle in der gleichen Bucht die Nacht verbringen. Die Musik lief gluecklicherweise nur bis 1 Uhr in der Nacht, aber ich habe auch von anderen Cruises im Internet gelesen, bei denen die ganze Nacht durchgefeiert wird und man kein Auge zumachen kann.

Wettertechnisch hatten wir mehr als Glueck waehrend dieser 3 Tage, denn es blieb trocken (und das in der Regenzeit!). Es war so heiss, dass sogar ich einmal baden ging (allerdings am Strand, nicht vom Boot aus). Wenn man Halong Bay so zu Gesicht bekommt, wie man es auf vielen Bildern in den Reisefuehrern sieht, kann man sich gluecklich schaetzen, denn solche perfekten Wetterbedingungen finden sehr selten statt. So hatten wir zwar Glueck mit dem Regen aber die Sicht war trotzdem eingeschraenkt, weil das ganze Gebiet recht diesig und grau erscheint und man nur Silhouetten sehen kann. Nur ganz selten erkennt man in den Sandsteinfelsen und der darauf befindlichen Vegetation die praechtigen Gruentoene, da der pralle Sonnenschein all dies verdeckt. Nichtsdestotrotz lief die Kamera heiss und ein paar gute Bilder sind trotzdem waehrend dieser Zeit entstanden.

Auf dem Weg zurueck nach Hanoi hielten wir an einer typischen Touristenfalle, ein Souvenir Mekka direkt an der Autobahn mit wenigen Toiletten und noch weniger Nahrungsangebot, dafuer aber einem Ueberangebot an Souveniren aller Art. Die Vietnamesen wissen schon, wie sie ans Geld der Touristen kommen! Der Norden Vietnams scheint uebrigens sehr viel produktiver als der Sueden zu sein, denn wir fuhren an zahlreichen Fabriken vorbei von Firmen wie zum Beispiel Canon oder auch einer Fabrik mit einer deutschen Flagge (hab den Namen vergessen). Die Wirtschaft scheint zu boomen, aber leider profitiert nicht jeder davon.