Wednesday, July 1, 2009

Prag 2. Teil


Mittwoch

Leider spielte das Wetter noch immer nicht nach unserer Geige und so kehrten wir auch heute wieder Prag den Ruecken. Gluecklicherweise gibt es in Prags Umgebung genuegend Schloesser und Burgen fuer mehrere Wochen Regen und so war heute das auserwaehlte Objekt der Begierde Burg Karlstein, nur ca. 35 km von Prag gelegen. Die Anfahrt an sich war schon ein kleines Abenteuer fuer sich, denn kurz vor dem Ziel litt unser Navigationsgeraet an geistiger Verwirrung und schickte uns im Kreis herum. Irgendwann hatte ich die Nase voll und ignorierte das bloede Ding, stieg aus und fragte in rekordverdaechtig schlechtem Tschechisch nach dem Weg. Geantwortet wurde mir in einem Kauderwelsch aus Tschechisch, Deutsch und Englisch. Pavlina erzaehlte mir spaeter, dass sie schon haeufiger davon gehoert hatte, dass in dieser Gegend Navigationsgeraete den Geist aufgeben; kein Wunder bei all den kleinen Landstrassen, da kann man schon mal den Ueberblick verlieren. Der Parkplatz fuer die Burg war eher schlecht besucht, kein Wunder bei dem Wetter. Man versuchte uns auch gleich eine Kutschfahrt anzudrehen, weil es ja regnete, der Weg angeblich so steil und so lang sei aber wir lehnten ab und liefen. Mir mussten wohl eine Abkuerzung gefunden haben, denn trotz der vielen Stops, um uns die zahlreichen Souvenir Shops anzusehen und ein paar Fotos zu schiessen, waren wir sehr schnell oben an der Burg angelangt. Zwischenzeitlich hatte es sogar aufgehoert zu regnen! Wir knipsten alles, was es im Innenhof und um die Burg herum zu fotografieren gab und entschieden uns gegen eine Fuehrung in der Burg. Erstens war sie sehr viel teurer als in Konopiste am Vortag, zweitens standen schon wieder mehrere Schulkassen am Eingang und drittens hatte uns Pavlina bereits vorgewarnt, dass die Fuehrung nicht so sehenswert sei wie am Vortag. So machten wir uns an den Abstieg, assen zu Mittag in einer der vielen Restaurants, kauften ein paar Souvenirs und fuhren zurueck nach Prag. Das Wetter hatte sich doch tatsaechlich so weit gebessert, dass sich sogar die Wolkenschicht ein wenig loeste. Ich kontaktierte Pavlina und wir verabredeten uns fuer spaeter fuer einen kleinen Bummel in Prag und zum spaeteren Abendessen. Ach so, was macht Karlstein zur beruehmtesten Burg in Boehmen? Errichtet wurde sie unter Karl IV., der hier die Reichskleinodien und seinen Reliquienschatz aufbewahrte. Die Kroenungsinsignien sind allerdings umgezogen und leben heute im St. - Veits – Dom in Prag.

Meiner Mum ging es aufgrund einer ungluecklichen Kombination von Mittagessen, Grog und kurvenreicher Rueckfahrt nicht so besonders gut und so machten sich mein Dad und ich allein auf den Weg in die Stadt, wo wir uns mit Pavlina trafen und das Sightseeing vom Montag fortsetzten. Diesmal zu bestaunen gab es das imposante Gemeindehaus im Jugendstil, den Pulverturm, die tschechische Nationalbank und ueber die Zeltnergasse ging es zum Altstaedter Ring, wo wir mal wieder das Figurenspiel der Astronomischen Uhr verpassten (komisch, wir waren sehr oft an diesem Platz, aber das Figurenspiel haben wir leider nur einmal sehen koennen). Die Nationalstrasse entlang liefen wir zur Moldau vorbei am Nationaltheater, welches 1881 komplett niederbrannte. Kaum zwei Jahre spaeter war es wieder aufgebaut und das allein durch private Spenden der Tschechen. Aus diesem Grund auch die Inschrift an der Front: 'Narod sobe = Die Nation sich selbst'. An der Moldau entlang liefen wir zu einem futuristischen Bauwerk, genannt Tanzendes Haus, da sich beide Hausteile wie ein tanzendes Paar aneinander schmiegen. Danach gingen wir erstmal essen und zwar in einen recht beruehmten Pub, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe (Asche auf mein Haupt!).

Wir warteten darauf, dass es endlich dunkel wuerde, schliesslich hatte ich meine gesamte Fotoausruestung bei mir und mein Dad schleppte sich mit dem Stativ ab, denn ich wollte Nachtaufnahmen schiessen. Spaeter machten wir uns auf den Weg zur Karlsbruecke und suchten einen Zugang zum Wasser, von wo aus ich herrliche Nachtbilder schoss. Als wir endlich gegen 23.30 Uhr wieder im hostel auftauchten, waren wir beide hundemuede und die Beine streikten.


Donnerstag

Die Goetter waren uns gehoerig, es regnete nicht mehr und es war sogar so warm, dass wir ohne Jacken aufbrechen konnten. Unsere Gebete mussten erhoert wurden sein! Fuer den Vormittag war wieder ein bisschen sightseeing geplant und fuer den Abend hatten wir etwas ganz besonderes vor, aber dazu spaeter mehr; einige von Euch wissen es bereits und die anderen will ich noch auf die Folter spannen.

Pavlina fuehrte uns hinauf zum Vysehrad, der Nationalen Gedenkstaette, was bei Touristen weniger beliebt ist, ganz einfach weil sie meist keine Zeit fuer die etwas abgelegene Anlage haben und so waren wir hier nur mit einer handvoll Busladungen von Touristen unterwegs. Neben der St. Peter und Paul Kirche befindet sich der Ehrenfriedhof, auf dem bedeutende tschechische Vertreter aus Kunst, Literatur und Wissenschaft begraben liegen (u.a. die Schriftstellerin Bozena Nemcova, Jugendstilkuenstler Alfons Mucha, Geiger Jan Kubelik und die Komponisten Bedrich Smetana und Antonin Dvorak). Wir fanden dort uebrigens auch den Namen Preiss auf einem der Grabsteine und vielleicht sollte ich mal einige Nachforschungen anstellen.... wer weiss was dabei ans Tageslicht kommt!

Niemand war besonders scharf aufs Laufen heute und so bedienten wir uns der Strassenbahn, um zum naechsten Fotostop zu gelangen, dem Fernsehturm Prags. Eigentlich ein tristes graues Bauwerk, aber trotzdem ein Hingucker, denn auf der Aussenseite krabbeln Babys den Turm hinauf. Da das Turmsteigen gewoehnlich nicht zu den Lieblingsaktivitaeten eines Babys gehoert, haben wir sie Baby Aliens getauft, denn an der Sache muss was faul sein!

Es war gerade mal frueher Nachmittag, aber wir verabschiedeten uns kurzfristig von Pavlina, fuhren heim und hielten ein kurzes Nickerchen. Danach trafen wir uns wieder mit ihr und zwei ihrer Freunde und quetschten uns mit hundert anderen Leuten in eine Strassenbahn, um in den Sueden Prags zu gelangen. Am Slavia Stadion angekommen trafen wir auf tausende meist schwarz gekleidete Menschen und aus einem Auto droehnte “People are People” von Depeche Mode. Das machte alles Sinn, schliesslich sollten hier in ein paar Stunden Depeche Mode im Rahmen ihrer Tour of the Universe auftreten und Pavlina hatte bereits vor Monaten die Karten fuer uns besorgt. Nicht lange nach dem Finden eines geeigneten Stehplatzes im Innenraum des Stadions und einem kurzen Besuch beim Merchandise Stand fing es an zu regnen. Motor, die Vorband begann ebenfalls zu spielen und obwohl mir die Musik eigentlich ganz gut gefiel (es lies sich gut dazu wippen, um warm zu bleiben), nervte sie nach einer Weile, weil es immer das selbe war. Gegen 7 Uhr hoerten sie auf zu spielen und alle riefen nach Depeche Mode, aber die liesen noch 1 Stunde auf sich warten.

Puenktlich zum ersten Song hoerte es auf zu regnen, das nenn ich perfektes Timing! Sie starteten mit ein paar Songs aus dem neuen Album, mit dessen Songtexten ich mich leider noch nicht so genau beschaeftigt hatte. Das machte das Mitsingen schwierig. Im Allgemeinen muss ich sagen, dass die Tschechen nicht so die Mitsinger sind (sie singen lieber allein und tanzen auf Tischen), selbst bei den bekannten Songs sang niemand in meinem Umfeld (ausser Pavlina, die kann nicht singen und man hoert sie ueberall!) aber vielleicht standen wir nicht im direkten Fanbereich. Nach dem Einstieg kam dann Walking in my shoes, was die Leute zum ersten Mal richtig zum Ausflippen brachte und die Klassiker taten dann den Rest. Mit der Videoshow haben sie sich auch diesmal wieder grosse Muehe gegeben, aber ich haette es lieber gesehen, wenn sie die grossen Leinwaende komplett zum Uebertragen des Geschehens auf der Buehne genutzt haetten. Ich hatte eine Wand von grossen Leuten vor mir und konnte somit von der Buehne ueberhaupt nichts sehen und war auf die Leinwaende angewiesen. Bloed dann, wenn da gerade Dave, Martin und Andy als Kosmonauten verkleidet zu sehen sind! Wie auch immer, es war ne grossartige Show, Dave war zum Glueck nach seiner OP wieder wohlauf und bester Laune und das letzte Drittel der Show war vollgepackt mit Klassikern wie I feel you, Never let me down again (und dem obligatorischen Meer aus Haenden- sieht geil aus wenn man das auf der Leinwand sieht!!!), Enjoy the silence, Strange Love, Policy of Truth und vielen vielen mehr. Nach etlichen Zugaben dann das letzte Schmankerl der Show, Waiting for the night, von Martin und Dave auf der kleinen Buehne in der Zuschauermenge gesungen, was ich leider wieder ueberhaupt nicht sehen konnte, da die Leinwand einfach nur eine Weltkugel zeigte (ganz toll!). Was da eigentlich vor sich ging, habe ich spaeter auf einem Video auf utube sehen koennen. Nach knappen 2 Stunden war das Konzert zu Ende und alle waren happy! Es dauerte bestimmt ne halbe Stunde, bis wir endlich aus dem Stadion raus waren und wir entschieden uns gegen die Strassenbahn, was eine gute Entscheidung war, denn die platzten aus allen Naehten. Wir liefen recht lange zur naechstgroessen Seitenstrasse, wo wir in andere Strassenbahnen in die gleiche Richtung einstiegen. Nach einem kleinen Stop beim grossen M (wo leider auch wieder alle anderen stoppten) ging es nach Hause, wo wir kurz vor Mitternacht eintrafen. Erschoepft aber gluecklich fiel ich ins Bett.


Freitag

Eigentlich wollten wir uns heute spaeter mit Pavlina treffen, aber die harten Betten im hostel liesen alle anderen (ausser mir) zur normalen Zeit aufstehen und so liesen wir uns eben sehr viel Zeit beim Fruehstuecken und machten uns schon frueher auf den Weg in die Stadt. Wir knipsten am Nationalmuseum (Wendelsplatz) herum und trafen uns mit Pavlina 'am Pferd'. Waehrend wir nach einer Stativtasche shoppten, unterbreitete uns Pavlina die News vom Vorabend; Michael Jackson war tot. Puh, da guckten wir nicht schlecht aus der Waesche.

Programm fuer den heutigen Tag: Sowenig Laufen wie moeglich! Wir entschieden uns also fuer eine Bootsfahrt auf der Moldau und das war sogar fuer Pavlina ein erstes Mal. Allerdings war die Bootsfahrt selbst ein wenig enttaeuschend. Das Wetter war zwar gut, aber erstens gab es keinen Kommentar, wir haetten also gar nicht gewusst, was wir uns eigentlich anschauen, wenn wir unseren Fuehrer nicht dabei gehabt haetten und dann ging es auch nur einmal die Moldau hoch und runter zur Karlsbruecke und wieder zurueck. Highlight des ganzen Trips war ironischerweise die Schleuse, in die das Boot einfuhr, um ein Weiterfahren zu ermoeglichen. Im Flussbett der Moldau befindet sich eine Art Stufe, die das Befahren mit Schiffen und Booten unmoeglich macht. Um den Schiffverkehr nicht vollstaendig zum Erliegen zu bringen, haben sich die schlauen Tschechen etwas einfallen lassen: Das von oben kommende Boot faehrt in eine Schleuse, beide Tore schliesen sich und das Wasser wird solange herausgepumpt, bis man auf gleichem Wasserniveau wie unterhalb des Gefaelles ist. Auf dem Rueckweg funktioniert es nach dem gleichen Prinzip: Boot faehrt in die Schleuse, Tore schliesen sich und Wasser wird eingelassen, bis man das Wasserniveaus oberhalb des Gefaelles erreicht hat. Als Profis mussten Pavlina und ich ueber die Art und Weise lachen, wie die ganze Sache mit den Bootstrips durchgezogen wird und in der Hinsicht koennten die Tschechen bestimmt noch was lernen. Ein nettes Begruessungswort durch die Crew oder den Kaptain, wenn man an Board kommt, vielleicht sogar ein Begruessungsfoto mit der Prager Burg im Hintergrund (laesst sich gut verkaufen), Kommentar ueber Lautsprecher oder wenigstens eine Broschuere mit Infos ueber die zu sehenden Sehenswuerdigkeiten, all das haette einen grossen Unterschied gemacht. Nun ja, Spass hatten wir ja trotzdem, aber nun hatten wir Hunger und assen zu Mittag.

Anschliessend begaben wir uns mal wieder zum Altstaedter Ring, verpassten das Figurenspiel bei der Astronomischen Uhr und wollten eigentlich den Tower hinauf, um die Aussicht zu geniessen, aber dieser wurde gerade wegen der Auffuehrungen zu den Prager Festspielen auf dem Platz selbst gesperrt und so zogen wir wieder von dannen. Auf der Suche nach einer Eisdiele erkletterten wir den Letna, einen weitlaeufigen Park auf einem Plateau ueber der Moldau und gegenueber der Altstadt mit herrlichem Blick ueber die Stadt. Pavlina brauchte eine Weile um die Lage der Eisdiele aus ihrem Gedaechtnis zu kramen, erinnerte sich aber rechtzeitig, denn wir schafften es gluecklicherweise mit Einsetzen eines Wolkenbruchs in den kleinen Pavilion. Dort wimmelte es von Menschen und Hunden, die alle Schutz vor dem Regen suchten und in den naechsten 20 Minuten machten die dort bestimmt Rekordumsaetze!

Pavlina hatte noch einige Verpflichtungen und da es schon wieder spaet war fuhren wir zum hostel und verabschiedeten uns. Wie schnell doch die Zeit vergeht, aber unser letzter Tag in Prag neigte sich dem Ende.



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