Da soll nocheinmal jemand sagen, man wird nicht ueber Flugaenderungen informiert. Diese Email habe ich am 15.9. 11 Uhr Vormittag von British Airways erhalten
"Dear Customer,
Flight BA910 on 15 Sep/LHR - is cancelled. You have
been transferred onto BA912 departing LHR at 16:45 local time. BA
apologises.
Yours sincerely,
British Airways Customer Service"
Kurz und buendig und leider von mir erst in Deutschland gelesen. Naja, der Wille zaehlt!
Thursday, September 16, 2010
zurueck in der Heimat
Es ist immer wieder erstaunlich wieviel Kram sich innerhalb eines Jahres so ansammelt. Neben Kleidung sind das vorallem Souvenire, Olympia Memorabilia, Dokumente usw und von den meisten Dingen kann oder will ich mich nicht trennen. Meine letzten Tage in Vancouver verbrachte ich mit Ausmisten und Packen und schaffte es tatsaechlich, meine Habseeligkeiten in einen Koffer (ich gebe es zu, er war recht gross und schwer) und eine Reisetasche zu verstauen. Da durchkam mich ein komisches Gefuehl, all meine Sachen in 3 Taschen (inklusive Handgepaeck) zu erblicken, wenn man aber mal drueber nachdenkt, braucht man gar nicht so viel zum Leben.
Ich war sehr dankbar, dass mich Katrin zum Flughafen bringen wuerde, denn allein haette ich die 2 Taschen nicht hinter mir her ziehen koennen. Vorher genossen wir aber noch mal das schoene Wetter in Vancouver und das super Sushi in der Davie Street und assen unser Mittag in der Sonne an English Bay. Ein Eis goennten wir uns ebenfalls zum Dessert, man lebt ja nur einmal. Mit dem Bus und anschliessend dem Zug gings am spaeten Nachmittag zum Flughafen, wo wir in einer recht langen British Airways Schlange anstehen mussten. Die meisten hatten aber ihren Check-in bereits entweder online oder an den Flughafen Computern erledigt, denn es ging recht zuegig voran. Als ich an der Reihe war und meinen Koffer auf die Waage wuchtete, meinte die Dame nur "oh, der ist aber schwer!" (knappe 29kg). Sie bot mir an, meine Sachen umzupacken, um das Nachzahlen zu vermeiden, aber erstens war die zweite Tasche auch nicht gerade leicht (23kg) und ausserdem hatte ich schon seit zwei Tagen hin und her gepack, um alles halbwegs gleichmaessig zu verteilen und wollte die Taschen einfach nur noch loswerden. Ich meinte also, es wird nicht umgepackt und zahlte die 49 Dollar nach, was meiner Meinung nach nicht besonders teuer ist (bei anderen Fluggesellschaften zahlt man pro Kilo!).
Danach gings zum Starbucks, wo wir am Freitag schon die Hollaenderinnen verabschiedet hatten und dort erlebte ich eine tolle Ueberraschung, denn einige meiner Kollegen (Christian, Jennifer und Antonia) standen ploetzlich vor mir, um mir noch ein bisschen Gesellschaft zu leisten. Leider hatten wir nur ne knappe halbe Stunde, danach musste ich mich bereits von ihnen verabschieden, aber ich war trotzdem happy, sie nochmal alle zu sehen. Danke an Euch, das war super! Wenn man schon alleine reisen muss, freut man sich immer, verabschiedet und abgeholt zu werden.
Mein Flug BA84 hatte sich um ca. 20 Minuten verspaetet und in London konnten wir nicht sofort landen, weil die Landebahn stark nachgefragt war und so kreisten wir noch ca. 15 Minuten durch den englischen Luftraum. Trotz der Verspaetungen seien wir immer noch frueher da als geplant, verkuendete der Pilot mit Stolz in der Stimme. Zum Glueck gibt es bei Fliegern keine Strafen fuer Geschwindigkeitsueberschreitungen, hier kann man immer die guenstigen Windverhaeltnisse verantwortlich machen. Der Flug selbst war gar nicht so lang, 8 Stunden und ein paar Zerquetschte kriegt man recht schnell rum. Abendessen wurde kurz nach dem Start serviert und nach dem die meisten nochmal aufs Klo sind, wurde das Licht gedaemmt und viele schliefen. Auch ich hatte zwar meine Augen hinter der Augenbinde versteckt, aber erholsamen Schlaf bekommt man leider nicht. Die Klimaanlage droehnte mir in den Ohren und ich frage nach einer Kopfschmerztablette, die man allerdings ohne Papierkram nicht bekommt (es koennte ja was nach Einnahme der Tablette passieren).
In London Heathrow angekommen, erfuhr ich dass mein Weiterflug BA910 gecancelt wurde, weil wieder irgendwo jemand streikt (vielen Dank!), aber man hatte mich auf den naechsten Flug umgebucht, der ne knappe Stunde spaeter fliegen wuerde. War also nur halb so schlimm. Danach der naechste Schock bei der Sicherheitskontrolle. Erstmal Schuhe aus und Guertel ab und dann hatte ich nach 8 Stunden meine Wasserflasche im Rucksack vergessen und die loeste den Alarm beim Ultraschall aus. Daraufhin wurde mein kompletter Rucksack gefilzt und alle elektronischen Geraete (Handy, ipod und Akku fuer Laptop) nochmals gescannt. Zum Glueck wurde mir kurz vorher noch eine extra Stunde geschenkt, ich konnte das also gelassen nehmen.
Erstaunt war ich mal wieder von der Einreise nach Deutschland. Muss man in Neuseeland und Australien noch eine Einreisekarte ausfuellen und Angaben darueber machen, in welchen Laendern man in den letzten Monaten gelebt und mit welchen Tieren/Pflanzen oder anderen organischen Dingen man in Kontakt gekommen ist, so interessiert das in Deutschland niemanden. Da muessen wir uns wirklich nicht wundern, wenn Dinge nach Deutschland eingefuehrt werden, die wir nicht haben wollen! Meine Eltern wussten uebrigens von der Verspaetung nichts und das obwohl ich ihnen eine Nachricht hinterlassen hatte und so waren sie mehr als froh, als ich endlich mein Gepaeck aus dem gesicherten Bereich schob. Sie hatten zwar auf der Flughafen Anzeige gesehen, dass mein Flug annuliert war, bekamen aber aus Datenschutzgruenden keine Auskunft von British Airways bezueglich meines Weiterflugs. Datenschutz hin und her, aber Leute im Ungewissen zu lassen, ist auch nicht okay!
Das Auto war diesmal ein bisschen ausserhalb von Frankfurt geparkt und wir mussten den Zug und die S-Bahn nehmen, um zum Parkplatz zu gelangen. Ich war hundemuede und haette im Stehen einschlafen koennen! Im Auto holte ich zwar ein wenig Schlaf nach, die Fahrt durch Suhl verpasste ich aber nicht und gegen 0.30 Uhr waren wir endlich zu Hause und ich reif fuers Bett.
Es ist schoen, wieder zu Hause zu sein. Diesmal lass ich es ruhig angehen und werde nicht soviel durch die Gegend huschen. Ich verbringe lieber viel Zeit mit dem kleinen Henry, gehe spazieren im schoenen Thueringer Wald und mach Fotos. Mal sehen, ob das Wetter mitspielt....
Ich war sehr dankbar, dass mich Katrin zum Flughafen bringen wuerde, denn allein haette ich die 2 Taschen nicht hinter mir her ziehen koennen. Vorher genossen wir aber noch mal das schoene Wetter in Vancouver und das super Sushi in der Davie Street und assen unser Mittag in der Sonne an English Bay. Ein Eis goennten wir uns ebenfalls zum Dessert, man lebt ja nur einmal. Mit dem Bus und anschliessend dem Zug gings am spaeten Nachmittag zum Flughafen, wo wir in einer recht langen British Airways Schlange anstehen mussten. Die meisten hatten aber ihren Check-in bereits entweder online oder an den Flughafen Computern erledigt, denn es ging recht zuegig voran. Als ich an der Reihe war und meinen Koffer auf die Waage wuchtete, meinte die Dame nur "oh, der ist aber schwer!" (knappe 29kg). Sie bot mir an, meine Sachen umzupacken, um das Nachzahlen zu vermeiden, aber erstens war die zweite Tasche auch nicht gerade leicht (23kg) und ausserdem hatte ich schon seit zwei Tagen hin und her gepack, um alles halbwegs gleichmaessig zu verteilen und wollte die Taschen einfach nur noch loswerden. Ich meinte also, es wird nicht umgepackt und zahlte die 49 Dollar nach, was meiner Meinung nach nicht besonders teuer ist (bei anderen Fluggesellschaften zahlt man pro Kilo!).
Danach gings zum Starbucks, wo wir am Freitag schon die Hollaenderinnen verabschiedet hatten und dort erlebte ich eine tolle Ueberraschung, denn einige meiner Kollegen (Christian, Jennifer und Antonia) standen ploetzlich vor mir, um mir noch ein bisschen Gesellschaft zu leisten. Leider hatten wir nur ne knappe halbe Stunde, danach musste ich mich bereits von ihnen verabschieden, aber ich war trotzdem happy, sie nochmal alle zu sehen. Danke an Euch, das war super! Wenn man schon alleine reisen muss, freut man sich immer, verabschiedet und abgeholt zu werden.
Mein Flug BA84 hatte sich um ca. 20 Minuten verspaetet und in London konnten wir nicht sofort landen, weil die Landebahn stark nachgefragt war und so kreisten wir noch ca. 15 Minuten durch den englischen Luftraum. Trotz der Verspaetungen seien wir immer noch frueher da als geplant, verkuendete der Pilot mit Stolz in der Stimme. Zum Glueck gibt es bei Fliegern keine Strafen fuer Geschwindigkeitsueberschreitungen, hier kann man immer die guenstigen Windverhaeltnisse verantwortlich machen. Der Flug selbst war gar nicht so lang, 8 Stunden und ein paar Zerquetschte kriegt man recht schnell rum. Abendessen wurde kurz nach dem Start serviert und nach dem die meisten nochmal aufs Klo sind, wurde das Licht gedaemmt und viele schliefen. Auch ich hatte zwar meine Augen hinter der Augenbinde versteckt, aber erholsamen Schlaf bekommt man leider nicht. Die Klimaanlage droehnte mir in den Ohren und ich frage nach einer Kopfschmerztablette, die man allerdings ohne Papierkram nicht bekommt (es koennte ja was nach Einnahme der Tablette passieren).
In London Heathrow angekommen, erfuhr ich dass mein Weiterflug BA910 gecancelt wurde, weil wieder irgendwo jemand streikt (vielen Dank!), aber man hatte mich auf den naechsten Flug umgebucht, der ne knappe Stunde spaeter fliegen wuerde. War also nur halb so schlimm. Danach der naechste Schock bei der Sicherheitskontrolle. Erstmal Schuhe aus und Guertel ab und dann hatte ich nach 8 Stunden meine Wasserflasche im Rucksack vergessen und die loeste den Alarm beim Ultraschall aus. Daraufhin wurde mein kompletter Rucksack gefilzt und alle elektronischen Geraete (Handy, ipod und Akku fuer Laptop) nochmals gescannt. Zum Glueck wurde mir kurz vorher noch eine extra Stunde geschenkt, ich konnte das also gelassen nehmen.
Erstaunt war ich mal wieder von der Einreise nach Deutschland. Muss man in Neuseeland und Australien noch eine Einreisekarte ausfuellen und Angaben darueber machen, in welchen Laendern man in den letzten Monaten gelebt und mit welchen Tieren/Pflanzen oder anderen organischen Dingen man in Kontakt gekommen ist, so interessiert das in Deutschland niemanden. Da muessen wir uns wirklich nicht wundern, wenn Dinge nach Deutschland eingefuehrt werden, die wir nicht haben wollen! Meine Eltern wussten uebrigens von der Verspaetung nichts und das obwohl ich ihnen eine Nachricht hinterlassen hatte und so waren sie mehr als froh, als ich endlich mein Gepaeck aus dem gesicherten Bereich schob. Sie hatten zwar auf der Flughafen Anzeige gesehen, dass mein Flug annuliert war, bekamen aber aus Datenschutzgruenden keine Auskunft von British Airways bezueglich meines Weiterflugs. Datenschutz hin und her, aber Leute im Ungewissen zu lassen, ist auch nicht okay!
Das Auto war diesmal ein bisschen ausserhalb von Frankfurt geparkt und wir mussten den Zug und die S-Bahn nehmen, um zum Parkplatz zu gelangen. Ich war hundemuede und haette im Stehen einschlafen koennen! Im Auto holte ich zwar ein wenig Schlaf nach, die Fahrt durch Suhl verpasste ich aber nicht und gegen 0.30 Uhr waren wir endlich zu Hause und ich reif fuers Bett.
Es ist schoen, wieder zu Hause zu sein. Diesmal lass ich es ruhig angehen und werde nicht soviel durch die Gegend huschen. Ich verbringe lieber viel Zeit mit dem kleinen Henry, gehe spazieren im schoenen Thueringer Wald und mach Fotos. Mal sehen, ob das Wetter mitspielt....
Sunday, September 12, 2010
mein letztes Wochenende in Kanada
Ach herje, wie die Zeit vergeht. Gerade bin ich nach Hause gekommen von meiner letzten gemeinsamen Unternehmung mit meinen Arbeitskollegen und Katrin. Wir haben es uns zur Tradition gemacht, jeden auf eine besondere Art zu verabschieden und so war diesmal nach vorherigen Abschiedsparties und Mini Golfen eine Runde Bowling angesagt. Oder zumindest dachten wir das, als ich die Bahn fuer uns buchte. Auf der Homepage war das ganze als Bowling angepriesen aber hier in Kanada wird auch Kegeln als Bowling bezeichnet. Naja, im Prinzip ist es ja Wurscht, wie gross die Kugel ist, wieviele Loecher sie hat und wieviele Kegel man umhauen muss; Spass hat es trotzdem gemacht. Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal bowling/kegeln war. Muss wohl schon eine ganze Weile her sein!Die letzten Wochen waren eine Anhaeufung von Verabschiedungen. Man merkt, dass die Saison bald vorueber ist und sich immer mehr Kollegen von uns verabschieden. Zuerst haben wir unsere drei Studenten verloren, die nur fuer einige Monate bei uns waren. Die drei Hollaenderinnen haben wir am Freitag nach ihrer Alaska Cruise am Flughafen ueberrascht und haben ihnen dort ein wenig Gesellschaft geleistet. Nachdem sie aus Anchorage/Alaska wieder zurueck nach Vancouver geflogen waren und frueh am naechsten Morgen nach Holland weiterfliegen wuerden, haette es sich fuer sie nicht gelohnt, in einem Hotel zu uebernachten und sie hatten sie bereits vorher beschlossen, die Nacht auf dem Flughafen zu verbringen. Nun sassen wir also dort in der Lounge von Starbucks, wo die Maedels freies Internet hatten und quatschten ueber die Arbeit, ihre Alaska Cruise und ueber Gott und die Welt. Die Zeit verging viel zu schnell und gegen 23 Uhr verabschiedeten wir uns von ihnen, um unseren Nachhauseweg anzutreten. Ich werde unsere Dutchies vermissen, sie waren eine
Bereicherung fuer unser Team und liebenswerte Maedels!Michaela hatten wir bereits knappe zwei Wochen vorher verabschiedet und zwar mit einem Pizza Essen und dem Film "RV" mit Robin Williams - ganz standesgemaess, wie es sich fuer Leute in unserem Business gehoert (in dem Film geht es um eine Familie, die in einem Wohnwagen Urlaub macht).
Wenn man bedenkt, dass ich am Dienstag fliege und ich bis jetzt (Sonntag abend) nur ungefaehr die Haelfte gepackt habe, bangt es mir schon ein bisschen. Vorallem wenn man bedenkt, dass ich morgen nochmal arbeite. Irgendwie schiebe ich es vor mir her. Und dabei freue ich mich auf das Nachhausekommen und darauf, meine Familie und vorallem den kleinen Henry zu sehen! Zum Glueck geht ja mein Flieger erst Dienstag abend, da habe ich also noch den ganzen Vormittag Zeit.
Kanada verlasse ich mit gemischten Gefuehlen. Wie ja bereits vorher schon geschrieben, empfinde ich Kanada als ein Land der Gegensaetze und ich kann mir einfach nicht vorstellen, hier dauerhaft zu leben. Und das, obwohl ich eine tolle Zeit hier hatte und nette Menschen kennengelernt habe, die ich natuerlich auch vermissen werde. Die letzten 12 Monate haben mir deutlich gemacht, wo ich leben moechte und wo ich mich wirklich heimisch fuehle. Der Schritt, wieder zurueck nach Neuseeland zu gehen, fuehlt sich richtig an und ist zugleich ueberfaellig, denn mein Heimweh nach Neuseeland ist in den letzten Monaten stark angestiegen.

Viele fragen sich bestimmt, was denn mit Deutschland ist. Tja, zu diesem Land habe ich ein komisches Verhaeltnis. Ich habe gelernt, stolz darauf zu sein, Deutsche zu sein, habe mitgefiebert bei Olympia und der Fussball WM und hatte keine Scheu davor, allen zu zeigen, dass ich Deutsche bin. In meinem Job hingegen koennte ich viele Deutsche auf den Mond schiessen, schaeme mich manchmal sogar fuer die Art der Deutschen und kann sie einfach nicht verstehen und weiss gerade deswegen, dass ich mich in Deutschland nicht mehr wohlfuehlen koennte. Das heisst aber nicht, dass ich Deutschland den Ruecken kehre und nichts mehr damit zu tun haben moechte. Es ist immer noch meine Heimat und das Land, in dem meine Familie und viele Freunde leben. Ich kann mir das nur einfach nicht mehr fuer mich vorstellen.
Fuer all die, die meine weiteren Plaene noch nicht kennen, hier ein kleiner Ausblick auf die naechsten Wochen. Sobald ich zurueck in Deutschland bin, werde ich meinen Antrag auf ein neuseelaendisches Arbeitsvisum an die Botschaft in Berlin abschicken und auf einen positiven Bescheid warten. Laut Botschaft dauert das so 3-5 Wochen. Wenn ich das Visum habe, werde ich sofort meinen Flug nach Neuseeland buchen und fliegen, denn die Sommersaison startet bald und man braucht mich Mitte Oktober. Ich habe wieder meinen alten Job in Milford Sound bekommen und man erwartet mich bereits sehnsuechtig. In der Zwischenzeit werde ich hoffentlich viel Zeit mit dem kleinen Henry verbringen, damit er sich an seine Tante gewoehnt und sich hoffentlich auch spaeter noch an mich erinnern wird. Und um ihm dabei spaeter auf die Spruenge zu helfen, habe ich bereits einige Fotosessions mit ihm geplant!
Bye Bye Kanada und welcome back good old Germany!
Tuesday, August 31, 2010
Auch der Spiegel hats erkannt....
Hier moechte ich noch einen Artikel vom Spiegel nachreichen, der wunderbar zu meinem letzten Beitrag ueber noergelnde Deutsche passt. Mit der Frau Rott von der TUI koennte ich mich mal auf einen Kaffee treffen - wir haetten uns beide viel zu erzaehlen.....
Wednesday, August 25, 2010
Ein Appell an meine Landsleute!
Habe ich Euch eigentlich davon berichtet, was ich in meinem Job bei Fraserway RV tagtaeglich mache, als ich vor vielen Monaten meine neue Stelle angetreten bin? Hmm, ich kann mich nicht mehr erinnern und bin zu faul, in meinen alten Berichten nachzulesen. Im Prinzip mache ich das selbe, wie damals in Melbourne (oh Gott, es fuehlt sich an, als waeren Jahre vergangen!) und bediene Kunden, die fuer Ihren Kanada Urlaub ein Wohnmobil gemietet haben, um durchs Land zu reisen. Man sollte meinen, dass ich durch meine Australienerfahrung schon alles in diesem Job gesehen und erlebt habe und mich nichts mehr erschuettern koennte. Tja, falsch gedacht!Ich kann mir nicht genau erklaeren, warum die Kunden hier in Kanada solch hohe Erwartungen an ihren Urlaub knuepfen, denen man so gut wie nie gerecht werden kann, egal wie sehr man sich anstrengt. Aber gerade den Europaeern, allen voran den Deutschen, kann man es einfach nicht recht machen. Und dabei sind es oft Kleinigkeiten, die ihnen 'den kompletten Urlaub vermiessen'; das Doppelbett ist viel zu klein, beim Fahren scheppern die Sachen hin und her, das Geschirr ist nicht einheitlich und hat verschiedene Farben, leider ist es auch kein Meissener Porzelan, es hat eine Gabel gefehlt, der Wasserschlauch war zu kurz oder man hat die Bettwaesche und Handtuecher nicht in doppelter Ausfuehrung erhalten und musste diese waehrend des Urlaubs waschen. Ausserdem fehlen so lebensnotwendige Ausstattungsstuecke wie Klobuersten, Tischdecken, Holzkohlegrills, Kaffeemaschinen oder Staubsauger (!). Liebe Leute, wacht mal auf und greift Euch selbst an den Kopf (das mach ich jeden Tag, allerdings mehr aus Hilflosigkeit, weil ich einfach nicht mehr weiss, wie ich mit diesem Gemeckere umgehen soll)! Ein Wohnwagen ist nicht das Hilton Hotel und es ist eine gemuetlichere Variante des Campingurlaubs. Ihr wohnt nicht im Zelt sondern in Betten, auch wenn diese nicht so gemuetlich sind, wie Eure Schlafzimmereinrichtung zu Hause. Kaffeemaschinen und Staubsauger sind das letzte, mit dem ich mich waehrend des Urlaubs rumplagen moechte und es geht auch ohne (Platz ist dafuer auch nicht).
Europaeer sind Weltmeister im Beschweren und das hat auch einen Grund. Ueberall liest und hoert man, dass man sich Beschweren muss, um sein Geld zurueckzubekommen. Dagegen habe ich gar nichts einzuwenden. Wenn Dinge schlecht waren, der Service miserabel oder die Qualitaet sauschlecht, dann steht es einem zu, sich zu beschweren, schliesslich will man das erhalten, fuer was man bezahlt hat. ABER, wenn man sich waehrend des gesamten Urlaubs ueber einen nichtfunktionierenden Ofen aufregt, es aber nicht fuer noetig haelt, mal bei uns anzurufen und uns die Chance zu geben, etwas dagegen zu tun, hat man meiner Meinung auch das Recht auf Entschaedigung verloren. So schlimm kanns ja nicht gewesen sein...
Es ist mir ebenso ein Raetsel, warum die Kunden mit ihrem halben Hausstand verreisen muessen. Unsere armen Fahrer, die unsere Kunden vom Hotel abholen und zu unserer Station fahren, heben sich regelmaessig einen Bruch bei all dem schweren Gepaeck. Nachdem ich mit nur einem 20kg Rucksack nach Neuseeland gegangen bin und dies fuer 12 Monate hat reichen muessen, kann ich nicht verstehen, warum jede Person zwei riesige Koffer fuer einen 2 Wochen Urlaub mitschleppen muss. Auch in Kanada gibts Waschmaschinen und wenn man mal ehrlich ist, traegt man sowieso meist das selbe.
Mir ist bewusst, dass nicht jeder Deutsche ein gutes Englisch spricht und das ist auch nicht weiter schlimm, aber ein paar Floskeln kann man sich schon mal angewoehnen, bevor man in den Urlaub faehrt. Man sollte zumindest mal auf die Frage, Hi, how are you today? antworten koennen. Was mich jedes mal mit dem Kopf schuetteln laesst, sind zwei verschiedene Situationen bei uns im office.
Erstens: Die Kunden kommen ins office und reden gleich mal auf Deutsch los. Fuer den ein oder anderen mag das eine Ueberraschung sein, aber in Kanada spricht nicht jeder Deutsch!
Zweitens: Es hat ihnen komplett die Sprache verschlagen und sie sagen gar nichts, starren einen nur an und warten auf ein Wunder. Den meisten Leuten ist ihre Sprache nicht auf die Stirn geschrieben, ich muss also jeden erstmal auf Englisch anreden, um ihren Namen und ihr Anliegen zu erfragen. Sobald ich merke, dass es sich um Deutsche handelt, spreche ich Deutsch mit ihnen. Dafuer muss man aber mit mir reden!
Sobald die Leute merken, dass man aus Deutschland kommen, wollen sie gleich meine gesamte Lebensgeschichte hoeren. Ausserdem denken sie, sie qualifizieren sich fuer eine Sonderbehandlung, sozusagen von Landsmann zu Landsmann (-frau). Bei 50 Abholungen am Taq moechte ich nicht jedem erzaehlen, wie es mich nach Kanada verschlagen hat oder die Frage beantworten, "Sagen Sie mal, wie sind Sie eigentlich nach Kanada gekommen?" (Antwort "Genauso wie Sie, mit dem Flieger!") und staendig ne Ausnahme machen will und kann ich auch nicht ("Ach das Navigationsgeraet koennen Sie mir doch bestimmt kostenlos mitgeben, oder?!"). Wenn es nach mir ginge, wuerde ich viel lieber englischsprechende Kunden bedienen, schliesslich arbeite ich in einem englischsprachigen Land. Ausserdem wuerde ich am liebsten ganz einfach mal die Deutschen vor mir ignorieren und einfach auf Englisch weiterreden, wie ich das oefter mal in Melbourne gemacht habe. Wer mich besonders genervt hat oder unsympatisch war, musste sich mit noch so schlechtem Englisch durch die Versicherungsbedingungen quaelen. Liebe Leute, dass wir so viele Deutschsprechende bei Fraserway RV haben, ist ein Service und den sollte man nicht als selbstverstaendlich sehen!
Zuguterletzt muss ich noch etwas loswerden. Ich weiss dass es in Deutschland unueblich ist, Leuten fuer ihren guten Service Trinkgeld zu geben. In anderen Laendern ist das Gang und Gaebe und viele Leute in der Dienstleistungs- und Tourismusindustrie koennen ohne dieses zusaetzliche Geld kaum auskommen. Springt also mal ueber Euren Schatten und gebt ein bisschen Trinkgeld, wenn Ihr guten Service erfahren habt.
Hier ein Rat fuer alle, die bald in den Urlaub fahren. Lasst Eure Sorgen zu Hause, am besten auch Eure hohen Ansprueche und geniesst die freie Zeit ohne Arbeit und Stress. Freut Euch auf Land und Leute, auf viele neue Eindruecke und behaltet den Spruch "Andere Laender, andere Sitten" im Hinterkopf, bevor Ihr vorschnell ueber Situationen oder Menschen urteilt. Und hier noch ein Zitat von einem relaxten Deutschen, der mal zu mir meinte "Ich bin im Urlaub, nicht auf der Flucht!" Amen!
Monday, August 9, 2010
Kanada, ein Land der Gegensaetze
Ein Jahr Kanada neigt sich dem Ende und ich moechte hier ein Fazit ziehen. Ich moechte ueber Dinge schreiben, die mir hier gefallen und anderes, was mich nur immer wieder mit dem Kopf schuetteln laesst. Aber wo anfangen?
Gleich zu Beginn meines Kanada Abenteuers merkte ich, dass die Uhren ganz anders ticken. Wie bei meinen anderen Abenteuern auch, machte ich mich daran, eine prepaid SIM Karte zu erwerben sowie ein Bankkonto zu eroeffnen; Essentials die man eben so braucht. Da gingen die Schwierigkeiten schon los. Einfach mal so eine prepaid Karte mit guenstigen Tarifen kaufen, die man bei Bedarf immer wieder mit beliebigen Betraegen aufladen kann, ja das klingt einfach, ist es aber nicht. In Kanada geht sowas immer nur mit Handyvertrag, weil da immer auch ein Telefonanbieter dahinter steht, der sein Telefon an den Mann oder die Frau bringen will. Das ist uebrigens meistens ein apple iphone oder ein Blackberry. Wer sowas hier nicht hat, ist schon furchtbar altmodisch. Weiter gehts mit dem Bankkonto. Vielleicht bin ich da in Neuseeland und Australien einfach verwoehnt worden, wo man auf Backpacker eingestellt und gebuehrenfreie Konten anbietet. In Kanada existiert das Wort gebuehrenfrei nicht. Aber vielleicht hat das auch mit meiner Gehaltsklasse zu tun.... Auch traute ich meinen Augen nicht, als man mir bei der Einrichtung meines Kontos Schecks in die Hand drueckte. Sowas hatte ich schon lange nicht mehr gesehen und noch viel seltener genutzt; hier sind die Dinger noch Gang und Gaebe. Zum Beispiel traut es einem ein neuer Arbeitgeber nicht zu, dass man es fertig bringt, seine Bankverbindung fehlerfrei in ein Formular einzutragen und laesst sich deshalb immer einen Scheck geben, wo ja die Bankverbindung drauf steht. Naja, finden die Dinger wenigstens Verwendung... Naechste merkwuerdige Situation ist das Onlinebanking. In ihrem Sicherheitswahn haben die Kanadier das Austauschen von Bankverbindungen unter Privatpersonen eingeschraenkt und bieten einen E-Mail-Service an, der folgendermassen funktioniert; Person A gibt die Emailadresse von Person B an, der sie Geld schuldet und diese Person B wird dann per Email dazu aufgefordert, sich bei ihrer Bank einzuloggen, eine Sicherheitsfrage zu beantworten (die Person A vorher festgelegt hat) und bekommt das Geld dann ueberwiesen. Klingt gut? Naja, Person A zahlt Gebuehren und ich verstehe immer noch nicht, warum ich nicht ganz einfach ne Ueberweisung machen darf!
Was mich an Kanada tierisch aufregt und mich regelmaessig auf die Palme bringt, ist das Image der Umweltschuetzer und sparsamen Verbraucher, das sich dieses Land immer gerne selbst aufstempeln moechte. Die sollten mal nach Europa kommen und sich ein paar Scheiben abschneiden!
- Muelltrennung ist ein Witz hier, zumindest in staedtischen Hochhaeusern wird kein Biomuell oder Glas getrennt; dafuer gibt es zwei Tonnen fuers Papier, deren Unterschied ich immer noch nicht verstanden habe
- Die Masse an Muell, die taeglich von all den Fastfood Ketten, Kaffeehaeusern und den kostenlosen Metro Zeitungen verursacht wird, schreit zum Himmel und die ach so 'gruenen' Kanadier haben es noch immer nicht verstanden, dass der Starbucks Becher zwar recyclebar ist (wie gut fuers Gewissen), aber trotzdem Muell verursacht und irgendwo gelagert werden muss
- Strom ist immernoch gnadenlos guenstig hier (habe ich mal in einem meiner ersten Beitraege aus Vancouver erwaehnt) und deswegen schert sich auch keiner um Stromkosten.
- Wer was darstellen will, muss das dementsprechende Auto fahren, egal wie hoch der Spritverbrauch ist. Wahnsinnig viele Vierradantriebe und riesige Familienkutschen sind hier Gang und Gaebe und schlucken was das Zeug haelt. Benzinpreise in Vancouver sind gepfeffert und jeder beschwert sich darueber, aber das geliebte Fahrzeug zu Hause stehen lassen geht auch nicht. Dann also Augen zu und durch.
- Bei uns auf Arbeit wird taeglich soviel Papier verschwendet, dass ich gar nicht mehr darueber nachdenken darf. Vorschlaege zur Reduzierung unseres Papierbedarfs werden nur abgewertet; das ginge halt einfach nicht anders. Inzwischen antworte ich immer nur ganz sarkastisch "ja, ja, das gruene Kanada!"
Aus irgendeinem Grund bekommt man in Kanada staendig gesagt, was man tun soll oder was man eben nicht machen darf. Beispiel Toiletten in Cafes oder Restaurants, wo erstens Poster haengen mit Anweisungen zum richtigen Haendewaschen (ja sie hatten grosse Angst vor der Schweinegrippe und haben sich alle wie die Bloeden impfen lassen!) und nochmals Anweisungen fuer die Angestellten, dass sich diese doch gefaelligst immer die Haende waschen muessen, bevor sie zur ihrer Arbeit zurueckkehren. Wenn man seine Angestellten richtig ausbildet und sie auf die Wichtigkeit von Hygiene aufmerksam macht, braucht man diese Hinweise nicht. Dafuer braucht man aber erstmal Angestellte, die auch alle Englisch sprechen und verstehen.... Und vielleicht sollte man auch einfach wieder zu den guten alten Handschuhen zurueckkehren, die frueher ueblich waren. Wenn man bei McDonalds die Angestellten ohne Handschuhe arbeiten sieht, fragt man sich gleich, ob derjenige das Schild auf dem Klo gelesen und befolgt hat. Irgendwie vergeht einem da das Essen!
In Bussen und Bahnen dann ueberall Hinweise, dass man doch bitte die vorderen Sitze fuer aeltere Menschen, Schwangere usw. freihalten soll. Ist nett gemeint, aber so weit ich mich erinnere, haben wir solche Hinweise in Deutschland nicht und wir stehen trotzdem auf, wenn eine aeltere Person im Bus erscheint.
In Sachen Mode fuehle ich mich hier wie ein Aussenseiter. Wenn ich so durch die Stadt laufe, schuettele ich oft nur mit dem Kopf und wuerde mich bei der Wahl der Bekleidung auch nicht mehr wundern, wenn mir Leute irgendwann nackt auf der Strasse begegnen wuerden. Die Menschen sind total oberflaechlich hier, nur das Aeusserliche zaehlt und das erklaert wohl auch, warum gerade die Frauen so furchtbar aufgetackelt sind. Stoeckelschuhe in denen es mir schwindelig werden wuerde, hotpants die kaum noch ueber die Pobacken reichen und Oberteile 3 Nummern zu klein praegen das generelle Erscheinungsbild. Geht man am Wochenende mal weg, faellt man auf wie ein schwarzes Schaf, weil man nicht wie eine Prostituierte ausschaut. Das deckt sich mit Beobachtungen in Australien und Neuseeland und Erzaehlungen aus England; keine Ahnung, warum die gesamte englischsprachige Welt ein derart verschobenes Verhaeltnis zum Koerper hat.
Kanada ist ein Konsumland und eines Verbrauchers bester Freund ist die Kreditkarte. Ohne dieses Ding geht hier gar nichts und man wird sogar ganz komisch angeschaut, wenn man sich gegen das Zahlen mit Kreditkarte ausspricht. Im Olympic Superstore, dem offiziellen Souvenirladen fuer die Olympischen Winterspiele wuerden zum Beispiel nur Barzahlung und Visakarten erlaubt. Was ist denn mit meinem kanadischen Bankkonto, wo ich mein verdientes Geld darauf habe?!? Ich glaube das unterscheidet mich vom Durchschnittskanadier; ich gebe nur Geld aus, das ich bereits verdient habe und der Kanadier gibt es aus und verdient es spaeter (und wundert sich, warum er nicht aus den Kreditkartenschulden rauskommt).
Kanadier sind ein nettes Volk, meist besonnen, witzig und hilfsbereit. So hilfsbereit, dass sie ohne nachzudenken, ein paar Wochen Urlaub nehmen und sich ohne Bezahlung stundenlang in Regen oder Schnee stellen, um bei den Olympischen Spielen dabeizusein und als Freiwillige zu helfen. Gut, die meisten hatten sich als Freiwillige gemeldet mit dem Hintergedanken, beim Hockey aushelfen zu koennen, aber das trage ich ihnen nicht nach. Man wird ja wohl noch tagtraeumen duerfen! 70.000 Freiwillige haben die Winterspiele erst moeglich gemacht und ich kann vor deren Engagement und Begeisterung einfach nur den Hut ziehen.
Wo auch immer man hingeht, welche Literatur man auch liest und mit wem man auch spricht, es herrscht Einigkeit; die Kanadier sind offen und so tolerant. Diese Einigkeit herrscht vorallem unter Kanadiern, die sich gern in dieses Licht ruecken und sich sehr oft selbst loben. Noch nie was davon gehoert, dass Eigenlob stinkt?!? Eine lange Zeit dachte ich, ich sei die Einzige, der dieses staendige Eigenlob aufgefallen sei, bis ich eines Tages einen Artikel in der Zeitung las, der genau dies anprangerte und schrieb, dass es unkanadisch sei, sich staendig selbst auf die Schulter zu klopfen. Danke! Wenn man die Hilfsbereitschaft und Herzigkeit der Menschen down under erlebt hat, wo kein Hahn danach dreht, ob man vom Rest der Welt als nett bezeichnet wird, kann einem die Eitelkeit der Kanadier schon mal auf den Keks gehen.
Die Kanadier sind den Amerikanern aehnlicher, als ihnen recht ist, schliesslich sind sie immer recht schnell dabei, die Unterschiede zwischen den Nachbarn aufzuzeigen. Aber wenn sie so ihre Hymne singen, ihre Fahnen hissen und naiv denken, sie seien die groessten, nur weil sie ein gutes Hockey Team haben, kann ich nur lachen. Waehrend der Fussballweltmeisterschaft in Suedafrika gab es in den kanadischen Zeitungen Diskussionen darueber, ob denn neben all den Landesfahnen nicht auch die kanadische Fahne gehisst werden muss, schliesslich sei man hier in Kanada. Sorry, aber wo befinden wir uns? In einem freien Land mit dem Recht zur freien Meinungsaeusserung oder in einer Bananenrepublik?!?!
Nach den Celebration of Light Feuerwerken gab es uebrigens regelmaessig negative Berichte in den Zeitungen ueber all die Leute, die ihren Muell am Stand zuruecklassen, einfach in die Gruenanlagen pinkeln usw, schliesslich machen das gute Kanadier nicht. Hm, hier mal ein Vorschlag; wie waere es mit mehr Muelltonnen und Dixiklos, um solche Dinge zu vermeiden? Denn obwohl die Stadt wusste, dass zu den Feuerwerken jeweils zehntausende Menschen anruecken wuerden, hat sie es nicht fuer noetig erachtet, zusaetzliche Muelltonnen oder Toiletten aufzustellen. Da kann man noch so ein vorbildlicher Kanadier sein, wenn die Blase drueckt, dann muss es eben raus! Der Konsum von Alkohol ist uebrigens in Oeffentlichkeit verboten, deswegen frage ich mich, welches UFO all die Bierdosen und -flaschen ueber der Stadt abgelassen hat. Nach den Feuerwerken wurden wir uebrigens auch wie Verbrecher von Hubschraubern und Suchscheinwerfern am Strand ausfindig gemacht und von der Polizei aufgefordert, den Strand zu verlassen, da dieser geschlossen wuerde. Als ich etwas genervt meinte, das sei sehr unkanadisch, verboten mir die anderen zu Recht das lose Mundwerk; wer weiss, in welche Schwierigkeiten mich das gebracht haette!
Was mich allerdings das Herz immer wieder erwaermen laesst, ist die Tierliebe der Kanadier. Selbst in einer Grosstadt wie Vancouver wimmelt es von Hunden und ich liebe es, durch den Stanley Park zu laufen und all den gluecklichen Hunden zu begegnen, die ihre erschoepften Herrchen hinter sich herziehen. Die meisten sind supergut erzogen und sitzen brav und geduldig vor Cafes oder Kaufhallen und warten sehnsuechtig aufs Herrchen. Auch die meisten Hundebesitzer sind vorbildlich und haben immer ihr kleines Tuetchen dabei, um gewissen Hinterlassenschaften aufzusammeln. Viele Geschaefte und so gut wie alle Restaurants und Cafes haben Wasser fuer Hunde bereitstehen, damit diese nicht dursten muessen. Daumen hoch fuer soviel Tierliebe!
Viele der hier aufgezaehlten Dinge hier sind negativer Natur und das ist mir auch durchaus bewusst. Das soll nicht heissen, dass ich eine total schlechte Zeit in Kanada hatte und es kaum erwarten kann, endlich auszureisen. Aber wenn man die Erfahrung der letzten 12 Monate mit der anderer Laender vergleicht, muss ich eben leider sagen, dass mir sehr viele Dinge negativ aufgestossen sind und deswegen wollte ich sie hier einfach mal erwaehnen, ohne meine schoenen Erinnerungen in irgendeiner Weise schmaelern zu wollen. Es war ein sehr aufschlussreiches Jahr fuer mich und hat mich noch viel deutlicher spueren lassen, wo ich mich zu Hause fuehle und in welches Land ich zurueckkehren moechte!
Gleich zu Beginn meines Kanada Abenteuers merkte ich, dass die Uhren ganz anders ticken. Wie bei meinen anderen Abenteuern auch, machte ich mich daran, eine prepaid SIM Karte zu erwerben sowie ein Bankkonto zu eroeffnen; Essentials die man eben so braucht. Da gingen die Schwierigkeiten schon los. Einfach mal so eine prepaid Karte mit guenstigen Tarifen kaufen, die man bei Bedarf immer wieder mit beliebigen Betraegen aufladen kann, ja das klingt einfach, ist es aber nicht. In Kanada geht sowas immer nur mit Handyvertrag, weil da immer auch ein Telefonanbieter dahinter steht, der sein Telefon an den Mann oder die Frau bringen will. Das ist uebrigens meistens ein apple iphone oder ein Blackberry. Wer sowas hier nicht hat, ist schon furchtbar altmodisch. Weiter gehts mit dem Bankkonto. Vielleicht bin ich da in Neuseeland und Australien einfach verwoehnt worden, wo man auf Backpacker eingestellt und gebuehrenfreie Konten anbietet. In Kanada existiert das Wort gebuehrenfrei nicht. Aber vielleicht hat das auch mit meiner Gehaltsklasse zu tun.... Auch traute ich meinen Augen nicht, als man mir bei der Einrichtung meines Kontos Schecks in die Hand drueckte. Sowas hatte ich schon lange nicht mehr gesehen und noch viel seltener genutzt; hier sind die Dinger noch Gang und Gaebe. Zum Beispiel traut es einem ein neuer Arbeitgeber nicht zu, dass man es fertig bringt, seine Bankverbindung fehlerfrei in ein Formular einzutragen und laesst sich deshalb immer einen Scheck geben, wo ja die Bankverbindung drauf steht. Naja, finden die Dinger wenigstens Verwendung... Naechste merkwuerdige Situation ist das Onlinebanking. In ihrem Sicherheitswahn haben die Kanadier das Austauschen von Bankverbindungen unter Privatpersonen eingeschraenkt und bieten einen E-Mail-Service an, der folgendermassen funktioniert; Person A gibt die Emailadresse von Person B an, der sie Geld schuldet und diese Person B wird dann per Email dazu aufgefordert, sich bei ihrer Bank einzuloggen, eine Sicherheitsfrage zu beantworten (die Person A vorher festgelegt hat) und bekommt das Geld dann ueberwiesen. Klingt gut? Naja, Person A zahlt Gebuehren und ich verstehe immer noch nicht, warum ich nicht ganz einfach ne Ueberweisung machen darf!
Was mich an Kanada tierisch aufregt und mich regelmaessig auf die Palme bringt, ist das Image der Umweltschuetzer und sparsamen Verbraucher, das sich dieses Land immer gerne selbst aufstempeln moechte. Die sollten mal nach Europa kommen und sich ein paar Scheiben abschneiden!
- Muelltrennung ist ein Witz hier, zumindest in staedtischen Hochhaeusern wird kein Biomuell oder Glas getrennt; dafuer gibt es zwei Tonnen fuers Papier, deren Unterschied ich immer noch nicht verstanden habe
- Die Masse an Muell, die taeglich von all den Fastfood Ketten, Kaffeehaeusern und den kostenlosen Metro Zeitungen verursacht wird, schreit zum Himmel und die ach so 'gruenen' Kanadier haben es noch immer nicht verstanden, dass der Starbucks Becher zwar recyclebar ist (wie gut fuers Gewissen), aber trotzdem Muell verursacht und irgendwo gelagert werden muss
- Strom ist immernoch gnadenlos guenstig hier (habe ich mal in einem meiner ersten Beitraege aus Vancouver erwaehnt) und deswegen schert sich auch keiner um Stromkosten.
- Wer was darstellen will, muss das dementsprechende Auto fahren, egal wie hoch der Spritverbrauch ist. Wahnsinnig viele Vierradantriebe und riesige Familienkutschen sind hier Gang und Gaebe und schlucken was das Zeug haelt. Benzinpreise in Vancouver sind gepfeffert und jeder beschwert sich darueber, aber das geliebte Fahrzeug zu Hause stehen lassen geht auch nicht. Dann also Augen zu und durch.
- Bei uns auf Arbeit wird taeglich soviel Papier verschwendet, dass ich gar nicht mehr darueber nachdenken darf. Vorschlaege zur Reduzierung unseres Papierbedarfs werden nur abgewertet; das ginge halt einfach nicht anders. Inzwischen antworte ich immer nur ganz sarkastisch "ja, ja, das gruene Kanada!"
Aus irgendeinem Grund bekommt man in Kanada staendig gesagt, was man tun soll oder was man eben nicht machen darf. Beispiel Toiletten in Cafes oder Restaurants, wo erstens Poster haengen mit Anweisungen zum richtigen Haendewaschen (ja sie hatten grosse Angst vor der Schweinegrippe und haben sich alle wie die Bloeden impfen lassen!) und nochmals Anweisungen fuer die Angestellten, dass sich diese doch gefaelligst immer die Haende waschen muessen, bevor sie zur ihrer Arbeit zurueckkehren. Wenn man seine Angestellten richtig ausbildet und sie auf die Wichtigkeit von Hygiene aufmerksam macht, braucht man diese Hinweise nicht. Dafuer braucht man aber erstmal Angestellte, die auch alle Englisch sprechen und verstehen.... Und vielleicht sollte man auch einfach wieder zu den guten alten Handschuhen zurueckkehren, die frueher ueblich waren. Wenn man bei McDonalds die Angestellten ohne Handschuhe arbeiten sieht, fragt man sich gleich, ob derjenige das Schild auf dem Klo gelesen und befolgt hat. Irgendwie vergeht einem da das Essen!
In Bussen und Bahnen dann ueberall Hinweise, dass man doch bitte die vorderen Sitze fuer aeltere Menschen, Schwangere usw. freihalten soll. Ist nett gemeint, aber so weit ich mich erinnere, haben wir solche Hinweise in Deutschland nicht und wir stehen trotzdem auf, wenn eine aeltere Person im Bus erscheint.
In Sachen Mode fuehle ich mich hier wie ein Aussenseiter. Wenn ich so durch die Stadt laufe, schuettele ich oft nur mit dem Kopf und wuerde mich bei der Wahl der Bekleidung auch nicht mehr wundern, wenn mir Leute irgendwann nackt auf der Strasse begegnen wuerden. Die Menschen sind total oberflaechlich hier, nur das Aeusserliche zaehlt und das erklaert wohl auch, warum gerade die Frauen so furchtbar aufgetackelt sind. Stoeckelschuhe in denen es mir schwindelig werden wuerde, hotpants die kaum noch ueber die Pobacken reichen und Oberteile 3 Nummern zu klein praegen das generelle Erscheinungsbild. Geht man am Wochenende mal weg, faellt man auf wie ein schwarzes Schaf, weil man nicht wie eine Prostituierte ausschaut. Das deckt sich mit Beobachtungen in Australien und Neuseeland und Erzaehlungen aus England; keine Ahnung, warum die gesamte englischsprachige Welt ein derart verschobenes Verhaeltnis zum Koerper hat.
Kanada ist ein Konsumland und eines Verbrauchers bester Freund ist die Kreditkarte. Ohne dieses Ding geht hier gar nichts und man wird sogar ganz komisch angeschaut, wenn man sich gegen das Zahlen mit Kreditkarte ausspricht. Im Olympic Superstore, dem offiziellen Souvenirladen fuer die Olympischen Winterspiele wuerden zum Beispiel nur Barzahlung und Visakarten erlaubt. Was ist denn mit meinem kanadischen Bankkonto, wo ich mein verdientes Geld darauf habe?!? Ich glaube das unterscheidet mich vom Durchschnittskanadier; ich gebe nur Geld aus, das ich bereits verdient habe und der Kanadier gibt es aus und verdient es spaeter (und wundert sich, warum er nicht aus den Kreditkartenschulden rauskommt).
Kanadier sind ein nettes Volk, meist besonnen, witzig und hilfsbereit. So hilfsbereit, dass sie ohne nachzudenken, ein paar Wochen Urlaub nehmen und sich ohne Bezahlung stundenlang in Regen oder Schnee stellen, um bei den Olympischen Spielen dabeizusein und als Freiwillige zu helfen. Gut, die meisten hatten sich als Freiwillige gemeldet mit dem Hintergedanken, beim Hockey aushelfen zu koennen, aber das trage ich ihnen nicht nach. Man wird ja wohl noch tagtraeumen duerfen! 70.000 Freiwillige haben die Winterspiele erst moeglich gemacht und ich kann vor deren Engagement und Begeisterung einfach nur den Hut ziehen.
Wo auch immer man hingeht, welche Literatur man auch liest und mit wem man auch spricht, es herrscht Einigkeit; die Kanadier sind offen und so tolerant. Diese Einigkeit herrscht vorallem unter Kanadiern, die sich gern in dieses Licht ruecken und sich sehr oft selbst loben. Noch nie was davon gehoert, dass Eigenlob stinkt?!? Eine lange Zeit dachte ich, ich sei die Einzige, der dieses staendige Eigenlob aufgefallen sei, bis ich eines Tages einen Artikel in der Zeitung las, der genau dies anprangerte und schrieb, dass es unkanadisch sei, sich staendig selbst auf die Schulter zu klopfen. Danke! Wenn man die Hilfsbereitschaft und Herzigkeit der Menschen down under erlebt hat, wo kein Hahn danach dreht, ob man vom Rest der Welt als nett bezeichnet wird, kann einem die Eitelkeit der Kanadier schon mal auf den Keks gehen.
Die Kanadier sind den Amerikanern aehnlicher, als ihnen recht ist, schliesslich sind sie immer recht schnell dabei, die Unterschiede zwischen den Nachbarn aufzuzeigen. Aber wenn sie so ihre Hymne singen, ihre Fahnen hissen und naiv denken, sie seien die groessten, nur weil sie ein gutes Hockey Team haben, kann ich nur lachen. Waehrend der Fussballweltmeisterschaft in Suedafrika gab es in den kanadischen Zeitungen Diskussionen darueber, ob denn neben all den Landesfahnen nicht auch die kanadische Fahne gehisst werden muss, schliesslich sei man hier in Kanada. Sorry, aber wo befinden wir uns? In einem freien Land mit dem Recht zur freien Meinungsaeusserung oder in einer Bananenrepublik?!?!
Nach den Celebration of Light Feuerwerken gab es uebrigens regelmaessig negative Berichte in den Zeitungen ueber all die Leute, die ihren Muell am Stand zuruecklassen, einfach in die Gruenanlagen pinkeln usw, schliesslich machen das gute Kanadier nicht. Hm, hier mal ein Vorschlag; wie waere es mit mehr Muelltonnen und Dixiklos, um solche Dinge zu vermeiden? Denn obwohl die Stadt wusste, dass zu den Feuerwerken jeweils zehntausende Menschen anruecken wuerden, hat sie es nicht fuer noetig erachtet, zusaetzliche Muelltonnen oder Toiletten aufzustellen. Da kann man noch so ein vorbildlicher Kanadier sein, wenn die Blase drueckt, dann muss es eben raus! Der Konsum von Alkohol ist uebrigens in Oeffentlichkeit verboten, deswegen frage ich mich, welches UFO all die Bierdosen und -flaschen ueber der Stadt abgelassen hat. Nach den Feuerwerken wurden wir uebrigens auch wie Verbrecher von Hubschraubern und Suchscheinwerfern am Strand ausfindig gemacht und von der Polizei aufgefordert, den Strand zu verlassen, da dieser geschlossen wuerde. Als ich etwas genervt meinte, das sei sehr unkanadisch, verboten mir die anderen zu Recht das lose Mundwerk; wer weiss, in welche Schwierigkeiten mich das gebracht haette!
Was mich allerdings das Herz immer wieder erwaermen laesst, ist die Tierliebe der Kanadier. Selbst in einer Grosstadt wie Vancouver wimmelt es von Hunden und ich liebe es, durch den Stanley Park zu laufen und all den gluecklichen Hunden zu begegnen, die ihre erschoepften Herrchen hinter sich herziehen. Die meisten sind supergut erzogen und sitzen brav und geduldig vor Cafes oder Kaufhallen und warten sehnsuechtig aufs Herrchen. Auch die meisten Hundebesitzer sind vorbildlich und haben immer ihr kleines Tuetchen dabei, um gewissen Hinterlassenschaften aufzusammeln. Viele Geschaefte und so gut wie alle Restaurants und Cafes haben Wasser fuer Hunde bereitstehen, damit diese nicht dursten muessen. Daumen hoch fuer soviel Tierliebe!
Viele der hier aufgezaehlten Dinge hier sind negativer Natur und das ist mir auch durchaus bewusst. Das soll nicht heissen, dass ich eine total schlechte Zeit in Kanada hatte und es kaum erwarten kann, endlich auszureisen. Aber wenn man die Erfahrung der letzten 12 Monate mit der anderer Laender vergleicht, muss ich eben leider sagen, dass mir sehr viele Dinge negativ aufgestossen sind und deswegen wollte ich sie hier einfach mal erwaehnen, ohne meine schoenen Erinnerungen in irgendeiner Weise schmaelern zu wollen. Es war ein sehr aufschlussreiches Jahr fuer mich und hat mich noch viel deutlicher spueren lassen, wo ich mich zu Hause fuehle und in welches Land ich zurueckkehren moechte!
I'm coming home
So, diesmal sind keine Ueberraschungen geplant, deswegen kann ich das hier auch so oeffentlich machen. Mein Rueckflug steht nun endlich fest, am 14. September 20.35 Ortszeit werde ich Vancouver Lebewohl sagen und nach Zwischenlandung in London (diesmal hoffentlich ohne Nebel oder Vulkanasche) am 15. September 18.15 in Frankfurt landen.
Sehr lange werde ich wohl nicht mit meiner Anwesenheit glaenzen, denn ich schmiede bereits Plaene fuer Neuseeland, aber das ist noch nicht hundertprozentig in trockenen Tuechern und deswegen wird es hier auch noch nicht erwaehnt. In dieser Hinsicht bin ich ein bisschen aberglaeubig....
Was bedeutet das nun fuer mich? Richtig, die naechsten Wochen werde ich nochmal Vollgas geben, soviel wie moeglich sehen und VIELE Fotos knipsen. Wer weiss, wann es mich nochmal auf diesen Erdteil verschlaegt.
Bis bald in Deutschland!
P.S.: Ist echt schon wieder ein Jahr vergangen? Meine Guete, wie die Zeit vergeht....!
Sehr lange werde ich wohl nicht mit meiner Anwesenheit glaenzen, denn ich schmiede bereits Plaene fuer Neuseeland, aber das ist noch nicht hundertprozentig in trockenen Tuechern und deswegen wird es hier auch noch nicht erwaehnt. In dieser Hinsicht bin ich ein bisschen aberglaeubig....
Was bedeutet das nun fuer mich? Richtig, die naechsten Wochen werde ich nochmal Vollgas geben, soviel wie moeglich sehen und VIELE Fotos knipsen. Wer weiss, wann es mich nochmal auf diesen Erdteil verschlaegt.
Bis bald in Deutschland!
P.S.: Ist echt schon wieder ein Jahr vergangen? Meine Guete, wie die Zeit vergeht....!
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