Saturday, October 20, 2012

Strassenverkehr in Vietnam

unser kunterbunter Tourbus in Hue
Schon nach Bangkok habe ich gesagt, es geht nicht schlimmer und musste meine Meinung in Phnom Penh aendern. Und in Saigon angekommen, musste ich mich wieder eines besseren belehren lassen. Soviele Motorraeder hat man einfach noch nicht gesehen. Sie sind ueberall und verstopfen die Strassen! Am schlimmsten ist es in der Rushour wenn jeder von der Arbeit nach Hause faehrt, denn dann ist eindeutig kein Platz fuer all die Motorraeder. Die Leute scheinen hier auf der Strasse grundsaetzlich sehr ungeduldig zu sein und so faehrt man eben ueber den Buergersteig, wenn die Schlange an der Ampel zu lang ist. Das Resultat ist natuerlich, dass es noch viel chaotischer zugeht und als Fussgaenger ist man der Verlierer, denn fuer sie ist einfach kein Platz mehr.
Drachenboot in Hue

Auf der Strasse herrscht das darwinistische Prinzip des Ueberlebens des Staerkeren. Geduld ist ein Fremdwort und wer im Weg ist, wird solange behupt, bis er sich aus dem Staub macht. Was in anderen Laendern als Belaestigung angesehen und als Verkehrsdelikt geahndet wird, ist hier gang und gaebe.



wer braucht schon ein Auto?
Ob man hier Verkehrsregeln kennt, kann ich nicht sagen, aber es sieht nicht so aus, als wuerde sich irgendwer an irgendwas halten. Das geht los bei der Ampel, die gern ignoriert wird, egal welche Farbe sie gerade zeigt und wozu der Zebrastreifen da ist, weiss ich auch nicht, denn halten tut niemand.

Das System beim Ueberqueren der Strasse ist nichts fuer schwache Nerven: Man laeuft langsam auf die Strasse in den rollenden Verkehr und wenn man Glueck hat, schauen sie auch alle gerade in dem Moment nach vorne und Umfahren das Hindernis. Denn Schauen tun sie hier auch nicht, sie fahren einfach auf eine Kreuzung zu ohne links und rechts zu sehen und wenn ein Auto rueckwaerts vom Gehtsteig auf die Strasse faehrt, wird das auch blind gemacht. Die anderen muessen halt ausweichen. Blinker werden hier so gut wie keine benutzt, denn sehen tut sie sowieso kaum jemand. Das wichtigste Teil des fahrbahren Untersatzes ist uebrigens die Hupe, mit dessen Hilfe man sich hier "verstaendigt". Im Grunde genommen befindet sich ein Finger immer auf der Hupe, weil immer irgendwas im Weg ist und die Hupe signalisiert, dass was schnelleres von hinten kommt und man sich gefaelligst aus dem Weg machen soll. Stellt Euch den Laerm zur Rushour vor, Tausende von Motorraedern und jeder
Drachenboot in Hue
hupt was das Zeug haelt! 

Die Busfahrer sind die schlimmsten Verkehrsteilnehmer ueberhaupt und wir koennen erleichtert sagen, dass wir zum Glueck noch am Leben sind. Und das ist keine Uebertreibung! Gerade die Fahrt mit dem Nachtbus von Nha Trang nach Hoi An war die Hoelle und man konnte dem Fahrer einfach nicht beim Fahren zuschauen, ohne um sein Leben zu fuerchten. Da wird an unmoeglichen Stellen ueberholt (bevorzugt  unuebersichtliche Kurven) und da ist es auch egal, ob man den Gegenverkehr schon sehen kann. Der wird einfach angehupt und erwartet, dass der Platz macht.

ganz normaler Wahnsinn
Pro Tag verlieren statistisch gesehen 30 Menschen ihr Leben im Strassenverkehr und die meisten von ihnen sind auf dem Moped unterwegs. Beobachtet man die Gegebenheiten hier, verwundert dies nicht wirklich.
Jemand hier meinte zu mir, der Verkehr in Vietnam verhielte sich wie Wasser: alle bewegen sich in eine Richtung (wobei das nicht ganz stimmt, den sogar auf dem Highway kommt einem oefter mal was entgegen) und bei Hindernissen teilt sich der Strom in Unterstroeme auf, um das Hindernis zu umgehen, findet sich aber spaeter wieder zusammen.
Ausserdem meinte einer unserer Reiseleiter: "Wer in Vietnam fahren lernt, kann ueberall fahren." Das fechte ich vehement an, denn in den meisten anderen Laendern dieser Welt haelt man sich an Verkehrsregeln oder wird aufgrund zahlreicher Strafanzeigen recht schnell viel Geld los.

Uebrigens ist die Luftverschmutzung durch all die Verkehrsteilnehmer sehr hoch und viele Mopedfahrer tragen einen Mundschutz, um die Abgase nicht einzuatmen. Meiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich vorallem die Grosstaedte ueber ein oeffentliches Verkehrsnetz Gedanken machen muessen, ansonsten platzen die Strassen nicht nur aus allen Naehten, sondern die Lebensqualitaet der Stadtbewohner aufgrund der unertraeglichen Abgase veringert sich zunehmend. Von all den Atemwegserkrankungen mal ganz abgesehen...

Wednesday, October 17, 2012

Nha Trang

Als wir in Nha Trang aus dem Bus ausstiegen, konnte Katrin zum ersten Mal hautnah miterleben, was fuer mich bereits Alltag war: Das Stuerzen der Aasgeier auf neuankommende Beute, vorzugsweise Touristen. Wenn man nicht acht gibt, schnappen sie sich einfach das Gepaeck und verladen es in ihr Taxi, damit man ihnen folgt. Die meisten allerdings fahren gar kein Taxi, sondern nur ein Motorrad und wollen einem nun erklaeren, dass man hinten ohne Probleme mit zwei Rucksaecken mitfahren kann. Klar, sie haben ja die Ruecksaecke auch nicht auf ihren Ruecken und Baeuchen geschnallt und befuerchten bei der kleinsten Kurve, vom Gefaehrt zu fallen. Findet man ein Taxi, darf man sich dann erstmal dankend abzocken lassen: 200.000 VND (10 USD) wollte er fuer die kurze Fahrt haben! Auf die Frage, warum er das Taxometer nicht einschalte, kommt die bekannte Antwort: "It's the same" (sei ja sowieso das Gleiche). Runtergehandelt haben wir das, aber zuviel haben wir trotzdem noch gezahlt.

Eigentlich wollten wir gar nicht so lange in Nha Trang bleiben, hatten aber aufgrund von Transport-schwierigkeiten einen Tag Aufenthalt dort, bevor es am Nachmittag mit dem Schlafbus weiterging. Wir hatten uns gar nicht gross mit Nha Trang beschaeftigt und hatten demzufolge keine Ahnung, was es hier zu sehen und tun gab. Wir buchten eine Tour und im Nachhinein betrachtet war das eine super Entscheidung, da wir den Tag sehr genossen. Zu sehen gabs ne Menge, angefangen bei einer christlichen Kirche (die hatte mehr Heiligenstatuen als jede Kirche in Europa), dem Po Nagar Cham Turm (erbaut zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert auf hinduistischem Gebiet), einer Pagoda mit riesigem stehenden Buddha, eine klapprige Holzbruecke (ueber die man sehr stolz zu sein scheint, ansonsten waere es wohl einen Stop nicht Wert gewesen) und eine Art Spa, wo man im Mineralschlamm baden kann. Ausserdem wurde uns wohl jedes erdenklich ansaessige (Kunst-)handwerk in der Region vorgestellt: Wir waren im Fischerhafen bei den bunt bemalten Booten, schauten alten Damen bei der Herstellung der beruehmten Kegelhuete zu (und durften auch selbst Hand anlegen), durften uns spaeter bei der Herstellung von Bastmatten versuchen und landeten ausserdem noch auf einem Toepferhof fuer Feuertoepfe. Interessant anzusehen waren sie alle und man sieht diese Dinge mit ganz anderen Augen, wenn man sie fuer wenig Geld auf den Maerkten angepriesen sieht. Allerdings war es unertraeglich heiss und so wollten wir meistens nur schnellstmoeglich wieder zurueck ins klimatisierte Auto.

Bereits auf dem Weg von Saigon nach Nha Trang konnten wir vom Bus aus in Mui Ne recht deutlich sehen, welche Touristengruppe hier gezielt angesprochen wird: Russen. Russische Hotelnamen, Werbeschilder, Speisekarten und selbst die Reisebueros priesen ihren Service nicht nur in Englisch, sondern auch in Russisch an. Das kommunistische Vietnam war wohl schon immer ein beliebtes Urlaubsland bei den Russen. Das gleiche dann auch in Nha Trang. Sieht man sonst schlecht gekleidete Touristen, sind es entweder Deutsche oder Briten, aber hier kommen noch die Russen ins Spiel. Das geht soweit, dass man fast ueberall gefragt wird, ob man aus Russland komme und ich hatte mehr als einmal das Gefuehl, dass der Fragende ueber das Nein recht erleichtert war.

Saigon/Ho-Chi-Minh City

Nach den unzaehligen Tempeln und Pagodas der letzten Wochen erschien mir eine christliche Kirche total fehl am Platz. Und dennoch stand sie direkt vor mir und ich konnte meinen Augen nicht glauben. Ich stattete dem Inneren einen Besuch ab und genoss die Stille und den gewohnten Anblick von den bunt bemalten Fenstern und dem gekreuzigten Jesus. Obwohl ich religionslos bin, bot mir diese Kirche innere Ruhe und Kraft, zwei Dinge die man besonders in den vietnamesischen Grosstaedten aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens dringend benoetigt. In Saigon leben ca. 6 Millionen Menschen mit schaetzungsweise genausoviel Motorraedern und es wimmelt nur so von Pagodas, Tempeln und Kirchen/Kathedralen.

Auf meiner Entdeckungstour (Katrin lag krank im Bett) fand ich den Reunification Palast, die Notre Dame Kathedrale und das bei Touristen sehr beliebte historische Postamt. Am fruehen Abend waren dort mehr Touristen anzutreffen als Menschen, die im Postamt ihrem alltaeglichen Leben nachgehen. Der Reunification Palast diente seit seinem Bau 1966 als Suedvietnams Presidentenpalast, erlebte aber am 30. April 1975 sein blaues Wunder, als Saigon von den Kommunisten des Nordes (Nordvietnam) umzingelt und der Palast mit Panzern gestuermt wurde. Von aussen sieht er recht ordinaer aus, aber angeblich wurde das Innere so belassen, wie es an diesem besagten Apriltag verlassen wurde.

Fuer die Pagodas hatten wir keine Muse, schliesslich war Katrin recht heftig erkaeltet und auch ich hatte gerade erst meine Erkaeltung hinter mich gebracht. Das passiert eben, wenn man sich in einem heissen Land mit einer Klimaanlage anfreunden und in Zimmern schlafen muss, die teilweise auf 18 Grad Celcius runtergekuehlt werden.

Etwas merkwuerdiges fiel mir waehrend unserer gemeinsamen Sightseeing Tour auf. Ich haette schwoeren koennen, dass mit Kamera bewaffnete Maenner um uns herumschwaenzelten (an verschiedenen Orten) und einen von ihnen haben wir auch Bilder von uns machen sehen. Aber wozu? Propaganda? Das war schon ein bisschen unheimlich.

Zum Einkaufen ist Saigon super und es gibt hier mehr als nur einen dieser Maerkte, wo man einfach alles kaufen kann. Die meisten der Maerkte haben bis spaet in die Nacht geoeffnet, sodass man sein Geld rund um die Uhr unters Volk bringen kann. Kaufen kann man so gut wie alles von A wie Allzweckreiniger bis Z wie Zeckenmittel. Nagut, die zwei Produkte vielleicht nicht gerade,  aber was anderes faellt mir jetzt auf Anhieb nicht ein. Als Tourist sollte man sich auf diesen Maerkten nicht alleine verirren oder man muss willenstark sein, denn man wird gezielt angesprochen und zwar an JEDEM Stand: Schneider stehen Spalier und bieten Massanzuege/-kleider usw an; Holzstatuen, Seidenhandtaschen, Schluesselanhaenger, Buddhas, Klamotten bis zum Umfallen, Gemaelde, Stickereien, Faecher, wunderschoen bemalte Teller und Untersetzer, Teesets (da kann man einfach nur schwach werden!), Bastuntersetzer, Kissenbezuege, Tischdecken, Geldboersen, Seidenschals, noch mehr Handtaschen und und und. Es nimmt einfach kein Ende. Genau dieses umfangreiche Angebot an Einrichtungs- und Dekogegenstaenden, Haushaltswaren und Souveniren ist der Grund, warum ich ueber den Zeitraum meines Urlaubs  hinweg 3 Pakete mit meinen Errungenschaften nach Deutschland schicken musste, da ich all das Gekaufte nicht mit mir rumschleppen wollte und konnte. Nun ja, man goennt sich ja sonst nichts.

Saturday, September 22, 2012

Route durch Kambodscha

Tja, zur Kambodscha Route gibts soviel nicht zu sagen, da wir nicht wirklich viel im Land herum gereist sind, schliesslich haben wir 4 Naechte in Siem Reap verbracht. Die Karte stelle ich trotzdem mal rein, schliesslich haben einige von Euch noch nie eine Karte von Kambodscha betrachtet. Die Route war folgendermassen:
1. Phnom Penh nach Kampot und zurueck (nur ich)
2. Phnom Penh nach Siem Reap (mit Katrin)
3. von Siem Reap gings mit dem Flieger nach Vietnam

Friday, September 21, 2012

Erkunden der Tempel im Archaeologischen Park Angkor


Beim Kaufen des Tickets fuer Angkor muss man sich entscheiden zwischen einem Ticket fuer einen Tag, 3 Tage oder eine Woche. Wir kauften ein 3-Tages-Ticket und nutzten es auf drei aufeinanderfolgenden Tagen. Das bedeutet Tempel im Ueberfluss in allen Groessen, Formen und in verschieden Zerfallsstadien. Angefangen haben wir natuerlich mit dem bekanntesten im Park, Angkor Wat. Und das schon recht frueh. Ziel war es den Sonnenaufgang zu beobachten und somit fuhren wir bereits 4.30 Uhr in der Frueh von unserem Hotel los, um die Sonne so gegen 5.30 Uhr aufgehen zu sehen. Es wurde hell, aber nicht in der spektuakulaeren Art und Weise, wie wir es uns erhofft hatten (durch die Wolken war die Sonne nicht wirklich zu entdecken) und so begannen wir etwas enttaeuscht unser Sightseeing.


In Angkor Wat verbrachten wir ingesamt ca. 6 Stunden (5 am ersten Tag, 1 am dritten Tag), um es in verschiedenen Lichtverhaeltnissen zu fotografieren. Viele Besucher mieten sich Tourguides, die beim Rundgang Informationen und Wissenswertes zur Geschichte, den Baustilen, der Bedeutung der Schnitzereien usw erzaehlen. Da wir hauptsaechlich fuer die Fotos hier waren und einen Guide in Buchform kauften, sparten wir uns das Geld. Wirklich schneller waren wir durch das Fehlen des Guides auch nicht, aber das war unsere Schuld. Wir hatten unseren eigenen tuk tuk Fahrer vom Hotel und nachdem er sich vom ersten Schreck (5 Stunden an Angkor Wat!) erholt hatte, gewoehnte er sich recht schnell daran, dass es bei uns eben etwas laenger dauerte.

Am ersten Tag absolvierten wir die kleine Runde (siehe Karte, in rot eingezeichnet) und wir schafften dies in 11 Stunden (der arme Fahrer!). An Tag zwei fuhren wir die grosse Runde (eingezeichnet in gruen) und am dritten Tag fuhren wir erst runter zur Rolous Gruppe (unten rechts, im Kartenausschnitt nicht enthalten), dann nochmal zu Angkor Wat und zu Pre Rup, da wir diesen am Vortag von der grossen Runde nicht mehr geschafft hatten.

Als ich vor Angkor Wat stand, verschlug es mir erstmal die Sprache. Vorallem weil wir im Dunkeln ankamen und nur ganz unklar Umrisse erkennen konnten. Mit dem Tageslicht erschienen mehr und mehr Details und das lies die Groesse dieses Bauwerkes erahnen (da es sich um eine rechteckige Tempelanlage handelt, hat man beim Davorstehen von dessen Groesse keine Ahnung, man sieht ja nur eine Seite). Beim Ablaufen der untersten Ebene bekommt man langsam ein Gefuehl dafuer, wie gross der Tempel ist. Hier entdeckt man tausende von Schnitzereien, die groesstenteils geschichtliche Ereignisse darstellen. Hier waere ein Guide vorteilhaft gewesen, aber nur dann, wenn man sich wirklich dafuer interessiert. Nachlesen werde ich das spaeter mal in aller Ruhe.

Ich habe meine Favouriten unter den gesehenen Tempeln (uebrigens, im vorherigen Geschichtsbeitrag habe ich all die gesehenen Tempel kursiv geschrieben, dennoch ist die Auflistung nicht vollzaehlig), auch wenn sich die meisten in der Bauweise (z. B. Tempelberg) aehneln. Aber jeder Tempel hat seine ganz besonderen Merkmale und die sind es auch, die einem in Erinnerung bleiben. Bei Angkor Wat ist es ganz eindeutig dessen Groesse, bei Bayon die grossen Gesichter in den Tuermen, bei Ta Phrom (und einigen anderen Tempeln auch) die Wurzeln der Baeume, die mit den Tempeln verwachsen zu sein scheinen. Und was mir bei allen Tempeln aufgefallen ist, sind die riesigen und sehr steilen Stufen, die man erklimmen musste, um von einer zur anderen Ebene zu gelangen. Waren die Menschen damals soviel groesser als heute oder ist dies bei der Restauration der Tempel passiert? Fakt ist, dass ich mich mit meinen kurzen Beinen manchmal wie eine Ameise fuehlte, die einen Elefanten zu besteigen versucht. Ausserdem haben die Stufen eine sehr geringe Tiefe, sodass man sie nur seitwaerts betreten kann.

Mit dem Besuch von Angkor Wat und all den anderen Tempeln ist ein Traum in Erfuellung gegangen. Um die Tempel auch weiterhin zu erhalten, benoetigen einige von ihnen umfassende Renovierungsmassnahmen. Bisher sind diese leider zu kurz gekommen, denn nach dem Zerfall des Khmer Reiches und nach dem wirtschaftlichen Abschwung aufgrund politischer Krisen (siehe Pol Pot und seine Roten Khmer) war dafuer einfach kein Geld da. Viele auslaendische Organisationen und Institutionen haben sich der Restauration gewidmet und bereits viel Gutes geleistet. Allerdings muss dies auch in der Zukunft geschehen, um Angkor fuer nachfolgende Generationen zu erhalten. Nicht nur fuer uns Touristen, sondern auch fuer das Volk in Kambodscha selbst, schliesslich handelt es sich hier um ihr Nationalsymbol, ihr ganzer Stolz und eine achitektonische Errungenschaft, die seinesgleichen sucht.

Wer Angkor Wat besuchen kommt, muss sich eines im Klaren sein: man kann dies nicht in aller Ruhe und Abgeschiedenheit tun und wird unaufhoerlich belaestigt. Und zwar vom armen Teil der Bevoelkerung, der vom wirtschaftlichen Aufschwung, den der Tourismus bringt, nicht viel abbgekommen haben. Wo auch immer die tuk tuk haelt, man wird umschwaermt von Strassenverkaeufern (oftmals Kindern), die Postkarten, Kleidung und andere Souvenirs verkaufen wollen oder einen zum Essen/Trinken im familienbetriebenen Imbisstand bewegen wollen. Selbst in den Tempeln wird einem oft aufgelauert und Postkarten und Buecher unter die Nase gehalten (wieder meist von Kindern), wobei dies noch die sympatischsten Belaestigungen sind. Gleich waehrend unserer ersten Stunde in Angkor Wat mussten wir miterleben, wie Touristen abgezockt werden; jemand reicht Dir ein Raeucherstaebchen und bitted Dich fuer Buddha zu beten (for good luck!) und danach halten sie die Hand auf. Natuerlich wussten wir davon, aber das geht immer so schnell, man ist darauf einfach nicht vorbereitet. Gehoert haben wir von vielen anderen Betruegerein, aber diese sind uns zum Glueck nicht begegnet.

Wie ich bereits in einem frueheren Artikel geschrieben habe, ich verstehe dass es diesen Menschen nicht gut geht und sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen muessen. Aber habe ich nicht auch ein Anrecht darauf, meinen Lebenstraum zu geniessen und die Tempel in aller Ruhe anzuschauen? Dazu kommt, dass
ich fuer 3 Tage 40 USD Eintritt gezahlt habe, waehrend all diese Leute richtigerweise als Khmer nichts zahlen muessen. Die Kinder tun mir dabei noch am meisten leid, denn sie werden von ihren Eltern eingesetzt, die Waren an die Touristen zu verkaufen, weil sie alle so suess und mitleidig ausschauen und aufgrund ihres guten Englisches (gelernt in der Schule und beim Umgang mit den Touristen) sich auch mit den Touristen ein wenig unterhalten koennen. Sie werden strategisch an jedem Tempeleingang und -ausgang plaziert, damit man auch wirklich ueberall in ihre flehenden Augen schauen muss.

Als Resultat hat man nach 3 Tagen die Nase voll vom Besichtigen der Tempel, obwohl das weniger an den Tempeln liegt sondern an den Leuten, von denen man staendig umrungen wird. Man hat nach einer gewissen Zeit einfach keine Energie mehr fuer das Abwenden der Verkaufsofferten. Leider geht das dann aber in Siem Reap weiter, wo man abends nach einem anstrengenden Tempel Tag ein leckeres Abendessen in der Stadt geniessen will und hier wieder tuk tuk Fahrer abwimmeln muss. Diese stehen vor den Restaurants und versuchen Dich schon als Kunden zu gewinnen, waehrend Du Dein Essen zu Dir nimmst. Ich hab schon oft gemeint, dass ich mir vorkomme wie im Zoo, weil jeder beim Essen zuschaut und nur darauf wartet, dass man bezahlt und das Restaurant verlaesst. Leider haben viele von ihnen keine andere Wahl. Jeder ist abhaengig vom Tourismus, da es im Land sonst keine andere wirklich grosse Industrie gibt, die Arbeitsplaetze schaffen und ein sicheres Einkommen gewaehren koennte. Und so stuerzt man sich auf die Touristen und hofft auf ein bisschen Geld von tuk tuk Fahrten, Massagen oder dem Verkaufen von Souveniren. Gluecklicherweise sind sie alle furchtbar nett dabei und deshalb kann man es ihnen auch gar nicht boese nehmen - gerade mit den tuk tuk Fahrern scherzt man manchmal sogar denn eigentlich sind es ganz liebe Menschen, die sich eben auch nur ihr taeglich Brot (oder in dem Falle wohl Reis) verdienen wollen. 

Angkor - ein geschichtlicher Ueberblick

Ueber Angkor gibt es soviel zu sagen und schreiben, dass ich gar nicht weiss wo ich beginnen soll. Also erstmal wieder ein bisschen Geschichte. Diese geschichtlichen Ausfuehrungen schreibe ich mehr fuer mich als fuer Euch (obwohl ich trotzdem hoffe, dass Ihr sie mit grossem Interesse lest, zum einen zum besseren Verstaendnis, zum anderen als regelmaessige Wissenserweiterung), denn wenn ich in ein paar Jahren meinen Blog lese, moechte ich all diese Informationen gleich zur Hand haben, ohne sie erst woanders nachschlagen zu muessen.

Im 1. Jahrhundert n.Chr. entwickelte sich Suedostasien durch seine Lage zu einem geschaeftigen Handelsumschlagsplatz, da Haendler aus dem Mediterranen, aus China und Indien ihre Waren anboten und somit die Ureinwohner verstaerkt  der fremden auslaendischen Kultur aussetzten. Die indische Kultur setzte sich am staerksten durch und verankerte unter anderem ihre Religionen (Hinduismus und Buddhismus), Recht und politisches System in der Region. Es bildeten sich kleine Staaten heraus (zum Teil nur Stadtstaaten), die sich aufgrund von Vergroesserungsversuchen der einzelnen Staaten unter einander bekriegten.

Der erste Koenig der Angkor Era war Jayavarman II, der die rivalisierenden Khmer Reiche unter dem Namen Kambuja im Jahre 802 n.Chr. vereinte. Er lies sich als Gott-Koenig verehren und diese Form der Verehrung wurde von allen nachfolgenden Herrschern uebernommen und hielt waehrend der gesamten Angkor Era an. Die Hauptstadt verlegte er in die Naehe von Rolous und dort lies sein Nachfolger Indravarman I. die Tempel der sogenannten Rolous Gruppe bauen: Bakong, Preah Koh und Lolei. Bakong ist ein Tempelberg (15 Meter hoch) und nach dessen Vorbild wurden spaeter viele weitere Tempelberge errichtet.

Einer der Nachfolger dieses Herrschers baute uebrigens auch das erste grosse Wasserreservoir und began eine weitere Tradition der Khmer Koenige. Wasser spielt in dieser Gegend durch die zwei grossen Jahreszeiten Trocken- und Regenzeit eine besonders grosse Rolle und erstmals war es den Menschen durch das ganzjaehrig vorhandene Wasser moeglich, mehrmals im Jahr Reis zu ernen, was bald zu Nahrungsueberschuessen fuehrte und eine wirtschaftliche Bluetezeit hervorrief.  

Zum Ende des 9. Jahrhunderts verlegte der damalige Koenig Yasovarman I. die Hauptstadt von Rolous in das Angkor Gebiet und lies seinen Hauptsitz Phnom Bakheng errichten. Wie auch die Tempel bisher war dieser wieder dem Hinduismus gewidmet. Man sollte meinen, dass der Sitz der Hauptstadt nun in Angkor verblieb, aber aus unbekannten Gruenden wurde sie spaeter in 928 n.Chr. fuer 20 Jahre 100km noerdlich verlegt, wo natuerlich auch wieder ein Tempel entstand. Als man sich nach diesen 20 Jahren wieder fuer Angkor entschied, zog man nicht zurueck nach Phnom Bakheng, sondern errichte mit Pre Rup einen neuen Staatstempel. 

Nach der Rueckkehr zu Angkor bluehte das Khmer Reich auf und expandierte territorial, politisch und kommerziell. Verschiedene Herrscher bewiesen militaerische Muskelkraft im Streit mit ihren Nachbarn und weiteten in den folgenden Jahrhunderten das Angkor Reich bis ins heutige Thailand und Vietnam aus. Verschiedene grosse Tempelanlagen entstanden zu dieser Zeit: Ta Keo, Banteay Srey, Baphuon und West Baray.  Unter Suryavarman II. im 12. Jahrhundert befand sich das Reich in seiner Bluetezeit und in dieser Zeit entstand auch die bisher groesste Tempelanlage der Welt, Angkor Wat, aber auch Thommanon, Banteay Samre und Beng Melea. Angkor Wat ist ein hinduistischer Tempel und dem Hindu Gott Vishnu gewidmet und obwohl es sich hierbei um den koeniglichen Staatstempel handelt, hat die westliche Ausrichtung des Tempels zu Vermutungen gefuehrt, dass es sich hierbei auch um seinen Grabtempel handeln koennte. Eine Grabkammer oder aehnliches, was diese Theorie stuetzen koennte, hat man allerdings nie gefunden.

Im 12. Jahrhundert befand sich das Reich in einer Krise und zwar innen - sowie auch aussenpolitisch. Die daraus resultierende Schwaechung des  Reiches wurde ihm 1165 zum Verhaengnis als Tribhuvanadityavarman  den Koenig stuerzte und den Thron bestieg. Er hielt sich bis 1177 als die Cham (Bewohner des heutigen Suedvietnam) ins Land einfielen und Angkor kontrollierten und regierten. Jayavarman VII lies sich das nicht gefallen, attackierte die Cham mehrfach und vertrieb sie im Jahre 1181, worauf er zum Koenig gekroehnt wurde. Er war es, der mit einer fast 400 Jahre alten Tradition brach und den Buddhismus (genauer den Mahayana Buddhismus) zur Staatsreligion ausrief. Ausserdem begann ein regelrechter Bauwahn mit hunderten von Gebaeuden in einer Bauzeit von weniger als 40 Jahren. Dazu zaehlen u.a. seine Hauptstadt Angkor Thom (Bayon, Baphuon, Terrace of the Elephants, Terrace of the Leper King, Royal Palace), Ta Prohm, Banteay Kdei und Preah Khan. Die Experten sagen, dass man die Bauwut der Zeit in den Gebaeuden wiedererkennt mit deren fehlenden Details und geringwertigen Ausfuehrung der Schnitzereien und auch architektonisch erscheinen den Experten die Tempel ein wenig verwirrt.

Mit Jayavarman VII und seinem Tod endete auch der Hoehepunkt des Khmer Reiches, denn spaeter wurden zwar Restaurationen an bestehenden Gebaeuden durchgefuehrt aber es entstanden keine weiteren grossen Bauwerke mehr. Die Hauptstadt hielt sich trotz des Baustops noch viele weitere Jahre und unter Jayavarman VIII hielt der Hinduismus erneut Einzug in das Khmer Reich Ende des 13 Jahrhunderts. Als Folge dessen wurde viele Buddha Statuen gekoepft und Buddha Schnitzereien entweder zerstoert oder abgeaendert. Nach dem Tod des Koenigs erstarkte jedoch erneut der Buddhismus und zwar diesmal in einer neuen Form, als Theravada Buddhismus, wie er auch heute noch in Kambodscha ausgeuebt wird.  

Als Hauptstadt verlor Angkor immer weiter an Bedeutung bis dann im 15. Jahrhundert die Hauptstadt nach Phnom Penh verlegt wurde. Ueber das warum wird viel geraetselt, aber man nimmt an, dass Klimawandel und die Abwertung des Bewaesserungssystems zu dieser Entscheidung beigetragen haben. Der Umzug macht die Entwicklung von einer Agrar- zu einer Handelsgesellschaft deutlich, denn Phnom Penh liegt an der Muendung zweiter Fluesse und kann somit durch den Schiffsverkehr mit vielzaehligen Waren handeln.

Wednesday, September 19, 2012

Sightseeing in Phnom Penh (15.+16.09.12)


Bevor es mit dem Sightseeing losgehen konnte, musste ich erstmal meine Kamera durch checken lassen, denn sie wollte am Vortag keine Fotos machen - keine gute Aussicht, wenn man kurz vor seinem Trip nach Angkor Wat steht, dem Highlight des Urlaubs. Der Typ bei Canon schaute sich mein Baby mal kurz an und konnte nichts finden, (und dank dem beruehmten Vorfuehreffekt konnte ich ihm auch leider nicht zeigen, wo das Problem lag, denn es funktionierte alles) gab mir aber einen guten Tip. Ich sollte die Kamera immer ausser Reichweite der Klimaanlage lagern, weil diese einfach zu kalt seien und sich in der Kamera Kondenswasser bilden kann. Das habe ich mir zu Herzen genommen und bisher auch keine weiteren Probleme feststellen koennen.

Der Russische Markt in Phnom Penh ist dafuer bekannt, wirklich alles im Angebot zu haben, und da es bereits nachmittags war und wir keine Stadtfuehrung mehr beginnen wollten, fuhren wir einfach dorthin, um mal das Angebot in Augenschein zu nehmen. Zu kaufen gibts dort wirklich fast alles: von Seidenschalen und Schmuck, ueber Klamotten und typischem Souvenirkram (meine geliebten Kuehlschrankmagneten, Schluesselanhaenger usw), Handtaschen und unzaehlige und wunderschoene Schnitzereien/Statuen und Wandschmuck. Leider kann man all das gar nicht kaufen, weil es zu gross und zu schwer fuers Rumreisen ist, aber versuch das mal den Leuten dort klarzumachen. Wirklich Spass macht das Shoppen dort ehrlich gesagt nicht, denn erstens muss man staendig die vielen Angebote der tuk tuk Fahrer ablehnen (alle 5 Sekunden!) und dann kann man auch nicht in aller Ruhe mal schauen, was denn so angeboten wird, da die Verkaeufer selbst einen auch nicht in Ruhe lassen. Hat man einmal Interesse an etwas gezeigt, lassen sie nicht locker. Und die Verkaeufer vom Nachbarstand haben auch noch nicht aufgeben. Und dann gibt es noch die Krueppel und andere Leute, die auf Mitleid hoffen und irgendwelche Kleinigkeiten verkaufen wollen. Ich verstehe, dass wir mehr Geld haben als diese Menschen, aber das macht mich noch lange nicht zu einer reichen Person, die jedem helfen kann. Und das ist doch auch gar nicht meine Aufgabe, oder?

Eine sunset cruise auf dem verdreckten Mekong River wollten Katrin und ich auch machen und obwohl es gerade heftig regnete, machten wir uns trotzdem auf den Weg, schliesslich darf man sich in Suedostasien zur Regenzeit nicht nach dem Regen richten, wenn man nicht ewig auf schoenes Wetter warten will. Meistens regnet es auch nur kurz und nach einem heftigem Schauer ist alles wieder vorbei (zumindest fuer eine Weile). Man sollte meinen, dass die Anweisungen fuer den tuk tuk Fahrer eindeutig genug waren "zum Pier wo die Cruise Boote fuer sunset losfahren". Davon hatte er noch nie was gehoert ("nur 1 Stunde cruise?!?!"), dafuer aber von den Mehrtagestouren nach Vietnam, denn diese versuchte er uns auch gleich netterweise zu verkaufen. Am Pier angekommen fuhr er erstmal dran vorbei und als wir ihm auf die Schulter klopften und darum baten, hier rausgelassen zu werden, verstand er die Welt nicht mehr. Tja, manche Leute kennen halt nur das, was sie kennen wollen (und sich absichtlich dumm stellen hat so manche Leute im Leben weitergebracht). Fuer die Bootsrundfahrt boten sich uns verschiedene Optionen an; entweder eigenes Boot fuer 20 USD oder 5 USD fuer ein sich nach Fahrplan richtendem Boot. Wir haben ja keinen Goldesel dabei, also entschieden wir uns fuer Variante 2. Puentklich zum Beginn der Cruise fing es wieder an zu regnen, sodass wir das obere Deck raeumen mussten und unten Platz nahmen. Wir teilten uns das Boot mit vielleicht 7 anderen Leuten, Platzprobleme gab es also keine. Von der Cruise selbst hatte ich mir etwas mehr erwartet,  auf der einen Seite gings den Fluss hoch, auf der anderen wieder runter. Am Ufer sieht man das Nationalmuseum und den Koeniglichen Palast vorbeiziehen und wenn man sich clever anstellt, schafft man es, ein Foto ohne die vielen Laternenpfahle von diesen schoenen Gebaeuden zu knipsen. Es haette eine beschauliche Cruise werden koennen, wenn die Crew nicht ploetzlich kambodschanische Techno Musik aufgelegt haette. Wenn ich ne Party moechte, dann geh ich dorthin, wo ich sie kriegen kann, aber auf dem Boot hatte ich das nicht erwartet. Naja, andere Laender, andere Sitten....
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Tag 2 in Phnom Penh und fuer heute stand ein straffes Sightseeing Programmauf dem Plan. Mr. Lee, der mich vom Flughafen abgeholt hatte, warb heftig fuer seine City Tour und so buchten wir das an der Hotelrezeption. Wir stellten sehr schnell fest, dass Mr. Lee ein Sammelbegriff fuer alle Fahrer sein muss, denn mein Mr. Lee war ein anderer, als der Mr. Lee, der Katrin vom Flughafen abgeholt hatte (und kein Wort mit ihr sprach, was sie persoenlich nahm). Leider hatten wir fuer die Tour diesen zweiten Mr. Lee erwischt und das war eine grosse Enttaeuschung. Gleich als wir ins Auto einstiegen fragte er uns, wo er hinfahren soll. Bei einer City Tour erwarte ich, dass mich der Guide fuehrt, mich zu interessanten Plaetzen faehrt (schliesslich ist er der Experte und ich derjenige, der keine Ahnung hat) und ein paar Erklaerungen waeren auch nicht schlecht. Wir bekamen nichts von alldem und waren dementsprechend enttaeuscht, wollten uns aber den Tag nicht versauen lassen.

Ein wenig peinlich ist es aber schon, wenn man vom Guide am S21 Tuol Sleng kurz nach 9 Uhr abgesetzt wird, obwohl die erst 10 Uhr aufmachen. Wir wussten also, dass wir von ihm nicht viel zu erwarten hatten und er keine Ahnung hatte. Wir nahmen das Zepter in die Hand, und gaben ihm vor, wo er hinfahren sollte und begannen mit dem Koenigspalast, weil es dort auch immer sehr lebhaft zugehen kann. Gleich beim Eingang erlebte ich wieder eine Ueberraschung, die mich nur mit dem Kopf schuetteln lies. Ich hatte mal wieder ein Top mit viel Armfreiheit und auch der Ausschnitt sass fuer asiatische Verhaeltnisse ein bisschen tief und deswegen hatte ich meinen Sarong mitgebraucht, um mich zu bedecken. Den Sarong mochten sie irgendwie nicht (wie schon in Bangkok) und nach dem meine Aermel fuer lang genug befunden wurden (sie wurden von der Wache nochmal langgezupft) wurde ich reingelassen. Ueber den Ausschnitt sagte komischerweise keiner was! Ein Moench, der mich spaeter auch noch anlaechelte, veranlasste mich zu dem Ausspruch: "Wenn die Moenche nichts dagegen einzuwenden haben, kann Buddha auch nichts dagegen sagen!" Der Palast selbst ist ganz nett anzusehen und in einem wunderschoenen Garten gelegen, in dem kein Grashalm zu gross ist. Allerdings sind die meisten Gebaeude fuer den oeffentlichen Zuschauerverkehr gesperrt und den meisten Gebaeuden darf man sich nicht mal bis auf wenige Meter naehern. Bei dem Eintritt haette da schon ein bisschen mehr dabei sein koennen. Eine grosse Attraktion befindet sich allerdings noch auf dem Gelaende und das ist die Silver Pagoda, die den Smaragd Buddha enthaelt. Der sah genauso aus wie der in Bangkok im 'Temple of the Emerald Buddha' und deswegen bin ich mir gerade gar nicht so sicher, ob es sich dabei nicht um eine Kopie handelt. 

Wenn man mal jemanden auf der Strasse trifft, der zwar auch seine Sachen verkaufen will, dies aber in einer sehr netten Art und Weise tut, muss man das meiner Meinung nach belohnen und so suchte ich beim Verlassen des Tempels "Ms Blue Hat", ein Maedel von vielleicht 14 die uns beim Betreten des Tempels fragte, ob wir Wasser kaufen wollten. Als ich meinte, das wir das vielleicht spaeter taeten, meinte sie nur, wie sollten uns an ihren blauen Hut erinnern. Ausserdem fragte sie mich, wo wir herkaemen und als ich meinte "Germany", erwiderte sie ganz stolz, sie sei aus Cambodia! Wir kauften ein paar Flaschen und sie war happy.

Es ging weiter ins 15km entfernte Choeung Ek, Killing Fields (Voelkermord Gedenkzentrum), wo es an der Zeit war, sich mit der duesteren Geschichte Kambodschas auseinander zu setzen. Zur allgemeinen Geschichte Kambodschas komme ich spaeter nochmal und werde mich hier nur auf die Roten Khmer und ihre Greueltaten beschraenken.

Kambodscha befand sich seit Jahren im Buergerkrieg, hervorgerufen durch die Guerillaaktivitaeten der Roten Khmer gegen die Regierung. 1975 nahmen die Roten Khmer Phnom Penh ein, riefen die Demokratische Republik Kampuchea aus und das Unheil unter Pol Pot nahm seinen Lauf. 
Das neue Regime zerschlug die bestehenden Gesellschaftsstrukturen, um die Voraussetzungen fuer eine uniforme und egalitaere Gesellschaft nach  maoistischem Muster zu schaffen. Die Roten Khmer schafften es innerhalb von nur wenigen Tagen, Phnom Penh komplett zu entvoelkern und dessen Bewohner zwangsumzusiedeln. Man zwang die Menschen aus den Staedten aufs Land um im Reisanbau zu schuften. Intellektuelle, buddhistische Moenche, und Beamte, oder auch jeder, der im Verdacht stand, Widerstand gegen die neue Gesellschaftsform zu leisten, wurden unter grauenvollen Bedingungen (sprich Folter) verhoert und zu erfunden Gestaendnissen gezwungen und spaeter barbarisch hingerichtet. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber unter Pol Pot starben ca. 2 Millionen Kambodschaner. Dabei reichte es oft, lesen zu koennen, eine Fremdsprache zu sprechen, eine Brille zu tragen oder gut gepflegte Haende zu haben, denn all diese Dinge liesen darauf schliessen, dass man gebildet sei und man deshalb im Widerstand taetig sein muesste. Wenn man bedenkt, dass Pol Pot selbst Lehrer war und seine treuesten Parteifreunde auch Lehrer und Professoren waren, zeigt das die Schizophrenitaet dieser Leute. Ihr Ziel war es, die Leute klein zu halten und sie bis zum Umfallen fuer ihr eigenes Wohl schuften zu lassen. Sie verbreiteten Angst und Schrecken mithilfe ihrer "Kinderarmee", Maenner die in jungen Jahren rekrutiert wurden, wahrscheinlich selbst unter Androhung von Folter zu diesen Graeueltaten gezwungen wurden und die durch ihr Ungebildetsein keine Fragen stellen wuerden. Sie waren Monster, das muss man eindeutig sagen, schliesslich toeteten sie die zuvor tagelang Gefolterten mit blossen Haenden oder Mascheten und Haken, denn Kuegeln wollte man an sie nicht verschwenden. Selbst Babys und Kleinkinder wurden auf grausamste Weise getoetet, indem man ihre Koepfe gegen den "Killing Tree" schmetterte und sie dann einfach in eine Grube mit ihren Muettern warf. 

Es gibt mehr als 100 dieser Killing Fields, wo diese armen Menschen getoetet wurden und wir befanden uns auf einem von ihnen. Massengraeber wurden hier kurz nach der Befreiung Kambodschas 1979 gefunden und das groesste enthielt 450 Koerper. Alle gefunden Knochen und Schaedel wurden identifiziert und gesaeubert und werden nun in der extra gebauten Gedenkstupa aufbewahrt. Besonders in der Regenzeit passiert es noch heute, dass Knochenteile, Zaehne und Kleidungsstuecke an die Oberflaeche gespuelt werden, die dann sorgfaeltig aufgesammelt und identifiziert werden (so gut wie das eben noch moeglich ist).

Spaeter besuchten wir noch das S21 Tuol Sleng, eines der vielen Foltergefaengnisse von Pol Pot, in dem die Verdaechtigen gefoltert und unter menschenunwuerdigen Bedingungen gehalten wurden, bevor sie auf den Todestransporten zu den Killing Fields ihrem Tod entgegenfuhren. Als wenn all dies nicht schon schlimm genug waere, muss man dabei wissen, dass S21 frueher mal eine Schule war, in der Kinder lernten und Spass hatten. Die Kletterstangen auf dem Pausenhof wurden umfunktioniert und fuer die Folter verwendet. In den Klassenraeumen befinden sich heute verschiedene Ausstellungen und besonders beruehrt haben mich die Fotos all der Gefangenen. Der Ausdruck in ihren Gesichtern reichte von Angst, Trotz, Widerstand, blossem Unverstaendnis, Flehen, gezwungenem Laecheln zu allen moeglichen Emotionen und ich kann gar nicht beginnen mir vorzustellen, wie sie sich in diesem Moment oder spaeter gefuehlt haben.

Nachdem ich letztes Jahr endlich mal geschafft habe, Buchenwald in der Naehe von Weimar zu besuchen, wurden hier natuerlich wieder schlimme Erinnerungen wach und man sollte meinen, dass die Menschheit gelernt hat. Aber gegen wahnsinnige Diktatoren, die Angst und Schrecken verbreiten und sich eine Welt nach ihren eigenen Wahnvorstellungen aufbauen wollen, scheint einfach kein Kraut gewachsen zu sein. Was das Geschehene in Kambodscha so unbegreiflich und tragisch macht, ist dass Kambodschaner ihre eigenen Landsleute gequaelt und getoetet haben; ihre eigenen Nachbarn und vielleicht sogar Familienangehoerige (durch falsche Gestaendnisse). Wenn man diese liebenswerten und netten Leute hier in Kambodscha erlebt kann man sich einfach nicht vorstellen, wie gross der Druck und die Angst gewesen sein muss, um Leute zu solchen Taten zu veranlassen!   

Wie Ihr Euch vielleicht vorstellen koennt, war uns danach nicht mehr nach Sightseeing zu Mute und es war sowieso schon recht spaet und so liesen wir uns von Mr. Lee in der Stadt fuer ein spaetes Mittagessen absetzen, wo wir all das Gesehene erstmal sprichwoertlich verdauen mussten. Am darauffolgenden Tag sollte es dann nach Siem Reap gehen, aber davon dann beim naechsten Mal mehr.